Bayern

Erzdiözese München-Freising vor Immobilien-Ausverkauf?

Der Kirche geht das Geld aus: Warum jetzt selbst Gebäude auf den Prüfstand kommen – und was das für die Dekanate bedeutet.

23.07.2026, 13:28 Uhr

Sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer, steigende Ausgaben für Personal und Pensionen sowie hohe Kosten für den umfangreichen Immobilienbestand haben die Finanzlage der Erzdiözese München und Freising im vergangenen Jahr deutlich belastet. Aus dem Jahresabschluss des größten katholischen Bistums Bayerns geht hervor, dass den nahezu unveränderten Erträgen von rund 920 Millionen Euro Ausgaben von 897 Millionen Euro gegenüberstanden, die auch infolge der Inflation zunahmen. Unter dem Strich ergab sich wegen einmaliger Sondereffekte dennoch ein Überschuss von 74 Millionen Euro – nach 146 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Generalvikar Christoph Klingan erklärte, die Kirche wolle trotz schwindender Mittel weiterhin sichtbar und wirksam in der Gesellschaft bleiben – besonders dort, wo Menschen nach Gott suchen oder Unterstützung benötigen. Zugleich machte er deutlich, dass nicht alles in bisheriger Form fortgeführt werden könne. Es brauche nun klare Prioritäten und eine stärkere Konzentration auf das Wesentliche.

Dekanate sollen auch Verkäufe von Gebäuden prüfen

Die Bistumsleitung rechnet für die kommenden Jahre mit erheblichem Sparbedarf. Ein Grund dafür ist der erwartete Rückgang der Kirchensteuer. Für 2025 werden hier noch knapp 630 Millionen Euro erwartet, nachdem es 2024 noch 645 Millionen Euro waren. Schon in diesem Jahr sollen deshalb Einsparungen umgesetzt werden. Für den Haushalt 2026 ist derzeit ein Jahresdefizit von 12 Millionen Euro eingeplant. Dieses Minus soll laut Finanzdirektor Markus Reif durch zweckgebundene Rücklagen ausgeglichen werden.

Um die finanzielle Lage dauerhaft zu verbessern, soll das bislang in zwei Dekanaten getestete Projekt „Immobilien und Pastoral“ bis 2031 auf alle 18 Dekanate ausgeweitet werden. Dabei soll vor Ort geprüft werden, welche Gebäude weiterhin unverzichtbar sind, welche gemeinsam genutzt werden können und von welchen man sich möglicherweise trennen sollte. Insgesamt gehören den Kirchenstiftungen rund 3.600 pastoral genutzte Gebäude, darunter Kirchen und Pfarrhäuser. Für deren Unterhalt zahlt die Erzdiözese jedes Jahr Zuschüsse in Höhe von etwa 50 Millionen Euro.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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