Grüne rudern nach Bottrop-Vergleich zurück und werben für Kultur-Dialog
Nach scharfer Kritik aus dem Ruhrgebiet haben die Grünen im bayerischen Landtag ihre umstrittene Wortwahl relativiert. Zuvor hatten sie den Mangel an Spielstätten für Spitzenkultur in München beklagt und gewarnt, die Stadt könne im internationalen Vergleich von Metropolen wie Wien, Paris oder London abrutschen – „in Richtung Bottrop oder Gelsenkirchen“. Aus beiden Städten kam daraufhin deutlicher Widerspruch. Nun schlagen die Grünen versöhnlichere Töne an, senden ein „nix für ungut“ ins Revier und laden Vertreter aus Bottrop und Gelsenkirchen in den Landtag ein.
Lob für das Ruhrgebiet statt Abwertung
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Claudia Köhler erklärte in München, eine „Liga Bottrop“ sei aus ihrer Sicht keineswegs etwas Negatives. Im Gegenteil: Die bayerische Staatsregierung könne sich aus ihrer Sicht einiges von Bottrop und dem Ruhrgebiet abschauen. Hintergrund ist die seit 2015 diskutierte Planung eines neuen Konzerthauses in Bayern, die in München seit Jahren politisch umstritten ist.
Nachdem die veranschlagten Kosten auf etwa eine Milliarde Euro gestiegen waren, wurde das Projekt verkleinert. Aus dem Kunstministerium heißt es, man wolle nun möglichst schnell Klarheit über das weitere Vorgehen schaffen und offene Fragen der abgespeckten Planung zügig beantworten.
Kulturerfolg im Revier mit deutlich geringeren Mitteln
Im Ruhrgebiet verweist man unterdessen auf die eigene vielfältige Kulturlandschaft. Gerade aus Münchner Perspektive werde das häufig unterschätzt, hieß es sinngemäß. Ein Sprecher der Stadt Gelsenkirchen betonte, dass das Musiktheater im Revier seit vielen Jahren erfolgreich Opern- und Konzertbetrieb mit eigenem Orchester ermögliche – und das mit wesentlich geringeren finanziellen Mitteln. Die umfassende Sanierung der Akustik habe vor rund zehn Jahren lediglich 2,7 Millionen Euro gekostet. Die Botschaft: Für Hochkultur müsse nicht zwangsläufig eine Milliarde investiert werden.
Bottrop verweist auf dichtes Kulturangebot der Region
Auch Bottrop reagierte selbstbewusst auf die Debatte. Zwar verfüge die Stadt weder über die Finanzkraft Münchens noch über ein eigenes Konzerthaus. Dafür profitierten die Menschen dort von einer ganzen Reihe namhafter Kulturhäuser in der Umgebung, etwa in Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen. Zusammengenommen gebe es damit sogar mehr Kulturangebote als in München, lautete der Konter.
Kritik an Söders Kulturpolitik
Köhler räumte inzwischen ein, dass Bottrop mit vergleichsweise wenig Geld viel kulturell bewege. In Richtung von Ministerpräsident Markus Söder sagte sie, in Bayern werde dagegen trotz hoher Ausgaben bislang noch nichts Sichtbares geschaffen. Nach Angaben des Kunstministeriums wurden seit 2015 bereits 43,7 Millionen Euro für das geplante Konzerthaus ausgegeben. Nach Darstellung der Grünen sei dabei jedoch noch nicht einmal ein einziger „Kieselstein“ bewegt worden.
Einladung in den Landtag
Die Grünen wollen die Debatte nun konstruktiv wenden. Köhler sprach sich dafür aus, dass sich die Staatsregierung an der erfolgreichen kulturellen Zusammenarbeit im Ruhrgebiet orientieren sollte. Deshalb habe man Vertreter aus Bottrop und Gelsenkirchen eingeladen, um über funktionierende Konzepte im Revier zu sprechen und diese auch dem Ministerpräsidenten näherzubringen. Zugleich stellte sie die provokante Frage, was Bottrop mit 44 Millionen Euro im Kulturbereich wohl alles erreichen könnte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion