Bayern

Aufbruch in Würzburg: Was jetzt Mut macht

KI, Klima, Gerechtigkeit: In Würzburg ringt der Katholikentag um die brisantesten Fragen der Zeit – und folgt damit dem Papst.

12.05.2026, 04:00 Uhr

Katholikentag in Würzburg setzt auf Mut und Debatten

Der 104. Deutsche Katholikentag beginnt am kommenden Mittwoch, 13. Mai, in Würzburg. Unter dem Leitwort aus dem Markusevangelium – "Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich" – rückt das Treffen Zuversicht, gesellschaftliche Verantwortung und den Einsatz für ein gerechtes Miteinander in den Mittelpunkt. Die Bibelstelle erzählt von der Heilung eines blinden Bettlers durch Jesus und soll dazu ermutigen, auch in schwierigen Zeiten entschlossen zu handeln.

Nach Worten von Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), will der Katholikentag Menschen bestärken, die Würde anderer zu verteidigen. Zugleich setze man ein Zeichen gegen Hass und Hetze. Gerade darin zeige sich ein klares christliches Profil.

Prominente Gäste aus Kirche und Politik

Der Katholikentag wird alle zwei Jahre vom ZdK an wechselnden Orten organisiert. In Würzburg werden wieder Tausende Besucher erwartet – darunter Gläubige, Wissenschaftler, Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen sowie zahlreiche Politiker. Zu den angekündigten Gästen zählen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Die deutschen Bischöfe betonen in ihrem Aufruf, das Leitwort erinnere daran, dass Christen berufen seien, sich mutig für Veränderungen, für ein gutes Leben und für mehr Gerechtigkeit einzusetzen. Angesichts nationaler und internationaler Krisen solle die Veranstaltung Raum bieten, gemeinsam über Wege in eine friedlichere und gerechtere Zukunft nachzudenken. Auch der Würzburger Bischof Franz Jung sieht darin einen wichtigen Impuls: Kirche und Gesellschaft bräuchten Mut, um den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen.

ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp
Irme Stetter-Karp ist Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. (Archivbild) Quelle: Hendrik Schmidt/dpa

Rund 900 Programmpunkte in fünf Tagen

Von Mittwoch bis Sonntag, 17. Mai, stehen etwa 900 Veranstaltungen auf dem Programm. Geplant sind Gottesdienste, Podien, Konzerte, Ausstellungen und Mitmachangebote. Die große Vielfalt des Programms kann allerdings kaum darüber hinwegtäuschen, dass die katholische Kirche in Deutschland seit Jahren unter Druck steht.

Die Zahl der Kirchenaustritte bleibt hoch, mit sinkenden Mitgliederzahlen schrumpfen auch die finanziellen Möglichkeiten. Wegen des Priestermangels entstehen größere Seelsorgeeinheiten, und der Missbrauchsskandal hat das Vertrauen vieler Menschen nachhaltig erschüttert.

Streit über den künftigen Kurs der Kirche

Auch innerhalb der Kirche verlaufen tiefe Konfliktlinien. Reformorientierte Kräfte drängen auf Veränderungen wie mehr Mitbestimmung für Laien, die Öffnung von Weiheämtern für Frauen und ein Ende des Pflichtzölibats. Konservative Stimmen hingegen wollen an der bisherigen Lehre und Struktur festhalten – teilweise sogar mit einem noch traditionelleren Kurs.

Wo das ZdK steht, ist klar: Die Spitze des Gremiums wirbt seit Langem für Reformen und unterstützt den Synodalen Weg in Deutschland. Stetter-Karp beschreibt den Katholikentag deshalb als Ort einer synodalen Kirche und zugleich als Forum für die weitere Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.

Würzburg als besonderer Austragungsort

Würzburg gilt dabei als passender Gastgeber. In der fränkischen Stadt sind katholische Traditionen, Volksfrömmigkeit und kirchliche Verbandsarbeit noch vergleichsweise lebendig. Vor der barocken Kulisse ist die Kirche vielerorts weiterhin sichtbar im gesellschaftlichen Leben verankert.

Große Fragen über Kirche und Gesellschaft hinaus

Der Katholikentag will sich jedoch nicht nur mit innerkirchlichen Themen beschäftigen. Auf dem Programm stehen auch Debatten über Klimawandel, Flucht, Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die internationale Ordnung und Künstliche Intelligenz.

Dabei spielt auch die weltweite Rolle der Kirche eine Rolle. Papst Leo XIV. hat sich in jüngster Zeit immer wieder deutlich zu Frieden, Klimaschutz und Armutsbekämpfung geäußert und sich auch rhetorisch gegen US-Präsident Donald Trump gestellt. Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die ebenfalls in Würzburg erwartet wird, bezeichnete ihn kürzlich in einer Dokumentation als eine Art moralische Instanz in krisenhaften Zeiten.

Warum KI auf dem Katholikentag Thema ist

Zu den eher ungewöhnlichen Gästen gehört Ivan Yamshchikov, Leiter des Centers for Artificial Intelligence an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt. Er hält die Präsenz des Themas auf dem Katholikentag für folgerichtig: Künstliche Intelligenz spiele inzwischen in fast allen Lebensbereichen eine Rolle und werde weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb müsse auch die Informatik den gesellschaftlichen Dialog suchen.

Besonders wichtig ist ihm der Austausch mit Philosophie und Theologie. Vor allem die Frage nach der Freiheit sei zentral. Menschen und große Sprachmodelle unterschieden sich grundlegend, sagt Yamshchikov: Der Mensch verfüge über freien Willen, KI nicht. Daraus ergäben sich weitreichende Fragen – etwa, was menschliche Freiheit eigentlich ausmacht und wie sich unser Verständnis davon verändert, wenn wir es mit künstlicher Intelligenz vergleichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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