Bayern

Amokläufer im Rückflug – und der Freistaat zahlt

Er nutzte den Ausgang zur Flucht nach Kolumbien – jetzt kostet seine spektakuläre Rückholung den Staat 195.000 Euro.

21.09.2026, 12:47 Uhr

Der Freistaat Bayern wird die Kosten für den Rücktransport eines nach Kolumbien geflüchteten Straftäters nicht von diesem zurückfordern können. Wie die Staatsanwaltschaft Ansbach nach einer Prüfung mitteilte, können die rund 195.000 Euro für den Sonderflug dem verurteilten Mann nicht in Rechnung gestellt werden. Zuerst hatten die „Nürnberger Nachrichten“ darüber berichtet.

Der Mann hatte 2009 im Alter von 18 Jahren bei einem Amoklauf an einer Schule in Ansbach neun Schülerinnen und Schüler sowie einen Lehrer verletzt. Das Landgericht verurteilte ihn 2010 wegen versuchten Mordes in 47 Fällen zu neun Jahren Jugendstrafe. Zusätzlich ordnete das Gericht seine unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an.

Am 16. August 2025 kehrte er nach einem unbegleiteten Ausgang nicht in die forensische Psychiatrie in Erlangen zurück. Die Ermittler verfolgten seine Spur bis nach Kolumbien, wo er schließlich festgenommen wurde. Anschließend wurde er per Sonderflug nach Deutschland gebracht.

Eltern müssen sich vor Gericht verantworten

Laut Staatsanwaltschaft ist eine Kostenerstattung durch den Mann ausgeschlossen, weil das Landgericht im damaligen Urteil davon absah, ihm die Verfahrenskosten und Auslagen aufzuerlegen. Dazu zählen nach Angaben von Sprecher Jonas Heinzlmeier auch Kosten der Vollstreckung – und damit ebenso der Rückflug.

Dass der Untergebrachte nach dem Ausgang nicht in die Klinik zurückkehrte, ist für ihn selbst nicht strafbar. Anders bewerten die Ermittler jedoch die Rolle seiner Eltern. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, ihrem Sohn bei der Flucht geholfen zu haben. Gegen sie steht daher der Vorwurf der Gefangenenbefreiung im Raum.

Die Eltern legten gegen einen Strafbefehl Einspruch ein, weshalb nun ein Verfahren vor dem Amtsgericht stattfinden soll. Der Prozess sollte ursprünglich Mitte Juni beginnen, der Termin wurde jedoch aufgehoben. Ein neuer Verhandlungstag steht nach Angaben eines Gerichtssprechers bislang noch nicht fest.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen