Bayern

Agrarschock: Bayerns Höfe fallen unter 100.000

Schockzahl für Bayerns Bauern: Erstmals rutschen die Höfe unter 100.000 – und das schlimme Dürrejahr 2026 fehlt noch.

21.10.2026, 11:05 Uhr

Zahl der Bauernhöfe in Bayern sinkt unter 100.000

In Bayerns Landwirtschaft setzt sich der Strukturwandel fort. Wie aus dem neuen Agrarbericht von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hervorgeht, gibt es im Jahr 2025 erstmals weniger als 100.000 landwirtschaftliche Betriebe im Freistaat. Erfasst wurden 98.138 Höfe – rund 2.600 weniger als noch im Bericht vor zwei Jahren.

Der Abwärtstrend besteht bereits seit vielen Jahren. 2010 lag die Zahl der Betriebe noch bei fast 117.000. Trotzdem befindet sich weiterhin nahezu jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland in Bayern. Ein Grund dafür ist der hohe Anteil an Nebenerwerbshöfen, die 64 Prozent aller Betriebe ausmachen. Auch deshalb sind bayerische Höfe mit durchschnittlich 31,6 Hektar Fläche deutlich kleiner als im Bundesdurchschnitt.

Kaniber betonte, dass jeder aufgegebene Hof ein Verlust sei. Zugleich falle der aktuelle Rückgang im Vergleich eher moderat aus. Viele Betriebsaufgaben hätten zudem persönliche Ursachen, etwa wenn keine Nachfolge gefunden werde – ein Bereich, den die Politik nur begrenzt beeinflussen könne.

Höhere Gewinne, aber weiter große Unsicherheit

Für den Berichtszeitraum 2024/25 verzeichneten die Betriebe wieder bessere wirtschaftliche Ergebnisse. Nach Angaben der Ministerin erzielten Haupterwerbsbetriebe im Schnitt einen zu versteuernden Gewinn von 85.100 Euro. Das entspricht einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Wert von vor zwei Jahren. Besonders positiv entwickelten sich demnach Milchvieh- und Rinderhaltungsbetriebe.

Michaela Kaniber
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). (Archiv) Quelle: Peter Kneffel/dpa

Eine Entwarnung wollte Kaniber dennoch nicht geben. Das Dürrejahr 2026 habe zahlreiche Höfe massiv belastet. Es sei schwer hinzunehmen, wenn Landwirte monatelang auf eine gute Ernte hinarbeiteten und fehlender Regen am Ende alles zunichtemache. Neben Wetterextremen könnten auch Entwicklungen auf den Weltmärkten, steigende Energiekosten und politische Vorgaben die Lage der Betriebe rasch verschlechtern.

Vor diesem Hintergrund forderte Kaniber von Bund und EU, auf zusätzliche bürokratische Auflagen zu verzichten.

Landwirtschaft bleibt wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Ministerin hob außerdem die Bedeutung der Branche für Bayern hervor. Im Berichtszeitraum arbeiteten 221.000 Menschen in der Landwirtschaft, was 115.000 Vollzeitstellen entspricht. Bezieht man die gesamte landwirtschaftliche Wertschöpfungskette mit ein, sind es nach ihren Angaben sogar 942.000 Beschäftigte.

Auch der Ökolandbau blieb von dem Rückgang der Betriebszahlen nicht verschont. Die Zahl der Bio-Höfe sank von 11.900 auf 11.600. Gleichzeitig nahm die von ihnen bewirtschaftete Fläche von 420.000 auf 430.000 Hektar zu.

Insgesamt bewirtschafteten Bayerns Landwirte zuletzt 3,1 Millionen Hektar Fläche. Gegenüber 2023 blieb dieser Wert damit nahezu unverändert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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