Baden-Württemberg

Bluttat in Offenburg: Ein Toter, Frau ringt ums Leben

Schüsse am Morgen in Offenburg: Ein Mann ist tot, eine Frau ringt schwer verletzt ums Überleben – was steckt dahinter?

06.07.2026, 09:41 Uhr

Tödliche Schüsse in Offenburg: Ex-Freund der 36-Jährigen gilt als Tatverdächtiger

Nach den tödlichen Schüssen in einem Wohngebiet im Nordosten von Offenburg gehen die Ermittler davon aus, dass einer der beiden Toten selbst der Tatverdächtige ist. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen 33 Jahre alten türkischen Staatsangehörigen. Die Kriminalpolizei ermittelt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Offenburg wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts zum Nachteil einer 36 Jahre alten Frau.

Neue Details zum Fall

Am Montagmorgen gegen 8.00 Uhr gingen bei der Polizei mehrere Notrufe ein, nachdem Anwohner Schüsse gehört hatten. Einsatzkräfte fanden den 33-Jährigen tot in der Hofeinfahrt eines Wohnhauses. Eine 36 Jahre alte Frau wurde dort mit schwersten Verletzungen entdeckt. Trotz Erstversorgung starb sie wenig später im Krankenhaus.

In unmittelbarer Nähe des Tatorts wurde eine Waffe sichergestellt. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen soll der Mann zunächst die Frau und anschließend sich selbst erschossen haben.

Opfer und Tatverdächtiger kannten sich

Inzwischen ist klarer, in welchem Verhältnis die beiden standen: Bei dem 33-Jährigen soll es sich um den Ex-Freund der Frau handeln. Die 36-jährige Ukrainerin wohnte den Angaben zufolge am Tatort in der Händelstraße. Die Beziehung zwischen beiden war nach bisherigen Erkenntnissen bereits vor mehreren Monaten beendet worden.

Tatverdächtiger war nicht vorbestraft, aber polizeibekannt

Der Mann war laut Polizei nicht vorbestraft, den Behörden aber bereits bekannt. Hintergrund sind Vorwürfe wegen Beleidigung und Stalkings. Nach der Trennung soll die Polizei unter anderem wegen gegenseitiger Anzeigen zu Beleidigung, übler Nachrede und Stalking eingeschaltet worden sein.

Keine Hinweise auf weitere Beteiligte

Im Laufe des Tages verdichteten sich laut Polizei die Hinweise, dass der tote 33-Jährige selbst der Tatverdächtige ist. Anhaltspunkte dafür, dass weitere Personen an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnten, gibt es nach bisherigem Stand nicht. Für Anwohner oder die Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden.

Großeinsatz in der Händelstraße

Stunden nach den Schüssen blieb der Bereich rund um den Tatort in der Händelstraße weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Streifenwagen, Kräfte des Verkehrsdienstes, Polizeihundeführer und Spezialisten der Kriminalpolizei waren im Einsatz. Vor Ort wurden Spuren gesichert und Anwohner in der Nachbarschaft als mögliche Zeugen befragt, um den genauen Tathergang zu klären.

Anwohnerin berichtet von Schüssen und Schreien

Eine Anwohnerin zeigte sich erschüttert über die Tat. Christine Dal berichtete, sie habe auf dem Weg zum Einkaufen „Schüsse und Schreie“ gehört. „Ich hatte kurz Herzklopfen“, sagte sie. Der Vorfall habe sie sehr betroffen gemacht. „Wenn man so was sieht oder hört – das tut weh.“ Solche Geschehnisse lösten Angst und große Traurigkeit aus. „Da kommen einem manchmal die Tränen, wenn man so was hört“, sagte sie weiter.

Oberbürgermeister äußert Bestürzung

Auch Offenbergs Oberbürgermeister Marco Steffens (CDU) reagierte bestürzt. Ein solches Geschehen in der Stadt mache fassungslos, ließ er mitteilen. Seine Gedanken seien bei den Angehörigen und allen Menschen, die von dieser grausamen Tat betroffen seien.

Viele Fragen sind noch offen

Was genau sich in der Hofeinfahrt abgespielt hat, sollen nun die weiteren Ermittlungen klären. Zwar gehen die Behörden derzeit davon aus, dass der Mann zuerst die Frau und dann sich selbst erschoss. Viele Details zum genauen Ablauf und zum Motiv sind aber weiterhin offen.

Offenburg liegt in Baden-Württemberg auf halbem Weg zwischen Freiburg und Karlsruhe nahe der französischen Grenze. Mit mehr als 62.000 Einwohnern ist die Stadt nach eigenen Angaben die größte Stadt im Ortenaukreis.

Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelfall

Die Tat in Offenburg reiht sich in eine Serie schwerer Gewalttaten ein, bei denen Frauen getötet wurden. Solche Taten werden häufig auch als Femizid bezeichnet. Gemeint ist damit die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Als häufigste Form gilt die Tötung durch aktuelle oder frühere Partner.

Auch in Baden-Württemberg gab es in den vergangenen Monaten mehrere Fälle mit unterschiedlichen Beziehungskonstellationen zwischen Tätern und Opfern.

In Offenburg selbst hatte bereits im vergangenen Jahr ein Tötungsdelikt an einer schwangeren Psychotherapeutin für Aufsehen gesorgt, das bis nach Frankreich Beachtung fand. Damals soll ein ehemaliger Patient die Frau erstochen haben, weil er sich von ihr nicht angemessen behandelt gefühlt habe. Der Bundesgerichtshof bestätigte vor wenigen Monaten das Urteil des Landgerichts Offenburg, das unter anderem eine lebenslange Freiheitsstrafe vorsah.

Weitere Fälle wurden zuletzt aus Waldachtal, Reutlingen und Remseck am Neckar bekannt. In Waldachtal soll ein Mann vor knapp einem Jahr seine Lebensgefährtin im Streit getötet und anschließend vermutlich absichtlich einen Autounfall verursacht haben, bei dem er und das gemeinsame Baby starben. Im August 2025 soll in Reutlingen ein 58-Jähriger seine Mutter mit einem Messer tödlich verletzt haben. Im November soll ein 63 Jahre alter Mann im Großraum Reutlingen seine Ehefrau, seine beiden Söhne, seine Schwester und anschließend sich selbst getötet haben. In Remseck am Neckar soll im Frühjahr 2025 ein Mann seine Frau getötet und sich danach schwere Verletzungen zugefügt haben; später kam er wegen des Verdachts des Totschlags vom Krankenhaus in ein Gefängnis.

Zum aktuellen Fall in Offenburg sind die Hintergründe weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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