Bayern

«Zensur» auf der Wiesn? Jetzt protestieren Schausteller

Oktoberfest-Zoff eskaliert: Wegen umgestalteter Figuren schaltet sich nun der Schaustellerverband ein – und droht mit Folgen.

04.09.2026, 11:05 Uhr

Streit um umgestaltete Wiesn-Figuren eskaliert

Der Konflikt um die Neugestaltung von Figuren an Fahrgeschäften auf dem Münchner Oktoberfest verschärft sich. Aus Protest gegen Forderungen, Frauenfiguren wegen als rassistisch und sexistisch kritisierter Darstellungen zu verändern, will ein Teil der Schausteller nicht am traditionellen Wiesn-Rundgang teilnehmen.

In einem Schreiben des Bundesverbandes Schausteller und Marktkaufleute an das Münchner Wirtschaftsreferat heißt es, man sage die Teilnahme „angesichts des Übergriffs wegen angeblich rassistischer Stereotype" an der Fassade des Traditionsfahrgeschäfts „Teufelsrad“ ab. Zudem ist in dem Brief von „Zensurmaßnahmen“ und „Zwangspinselei“ die Rede. Verbandspräsident Patrick Arens erklärte, das Präsidium sei von der Stadt zu dem Rundgang eingeladen worden.

Über das Schreiben hatte zunächst die Zeitungsgruppe „Münchner Merkur/tz“ berichtet. Der Deutschen Presse-Agentur liegt es ebenfalls vor.

Der Verband betont in dem Brief weiter, die Schausteller wollten sich gegen Zensur wehren. Die Gestaltung eines Betriebs liege in der Verantwortung des Unternehmers, der auch das wirtschaftliche Risiko trage. Nach Angaben von Arens gehören dem Verband auf der Wiesn rund 60 bis 70 Betriebe an – also nur ein Teil aller Teilnehmer.

Neuer Oberbürgermeister erstmals beim Rundgang

Nach Angaben der Stadt wurden für das Oktoberfest 243 Schaustellergeschäfte und 182 Marktkaufleute zugelassen. Hinzu kommen 41 Schaustellerbetriebe auf der Oiden Wiesn, dem traditionellen Bereich des Volksfestes.

Oktoberfest Teufelsrad 2012
Die Frauenfigur hält sich nun bedeckter. (Archivbild) Quelle: Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa

Der Wiesn-Rundgang ist ein fester Termin kurz vor Beginn des Oktoberfestes. Dabei stellen der Oberbürgermeister – in diesem Jahr erstmals Dominik Krause (Grüne) – und der Wiesn-Chef die Neuerungen auf dem Festgelände vor.

Das Traditionsgeschäft „Teufelsrad“ hatte nach Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle bereits Veränderungen vorgenommen. Frauenfiguren über dem Eingang wurden überarbeitet und zurückhaltender gekleidet. Eine Figur, die zuvor nur einen Bikini und einen Blumenkranz trug, wurde etwa mit Kleid und Schuhen ausgestattet.

Auch in der Stadt wächst die Kritik

Inzwischen wird jedoch selbst innerhalb der Stadtverwaltung die Sinnhaftigkeit solcher Vorgaben hinterfragt. Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) kündigte Gespräche mit der Gleichstellungsstelle an und forderte mehr Augenmaß. Auch die zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) äußerte Kritik mit den Worten: „Man kann es eben auch übertreiben.“

Medienberichten zufolge ist das „Teufelsrad“ nicht der einzige betroffene Betrieb. Demnach musste auch das Fahrgeschäft „Happy Sailor“, das in diesem Jahr wieder auf der Wiesn stehen soll, Veränderungen an den Darstellungen einer Meerjungfrau und eines Kapitäns vornehmen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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