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Warum Spaniens Waldbrand-Kampf kaum vorankommt

Inferno in Spanien: Rund um Madrid wüten Mega-Brände – eines sprengt alle Rekorde. Wie dramatisch die Lage wirklich ist

27.07.2026, 10:21 Uhr

Waldbrand in Gironde bleibt vorerst stabil

An der französischen Atlantikküste setzt die Feuerwehr den Kampf gegen den gewaltigen Waldbrand mit einem Großaufgebot und internationaler Unterstützung fort. In der Nacht zum Montag habe sich das Feuer nach Angaben der Behörden nicht weiter ausgebreitet. Nach einer Krisensitzung der Regierung sagte Innenminister Laurent Nuñez, der Brand sei zwar stabilisiert, aber noch nicht unter Kontrolle. Die Flammen wüteten weiterhin.

Im Einsatz sind nach Regierungsangaben 2.500 Feuerwehrleute, 18 Löschflugzeuge und 1.500 Soldaten. Auch aus dem südlich von Bordeaux gelegenen Département Landes war von einer vergleichsweise ruhigen Nacht berichtet worden. Dort habe sich der Brand ebenfalls nicht weiter ausgebreitet.

Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt nach Behördenangaben das Wetter – vor allem mit Blick auf aufkommenden Wind und steigende Temperaturen. Besonders große Sorgen bereitet eine neue Hitzewelle, die die Region ab Dienstag treffen soll.

Behörden warnen vor Reisen in die Region

Innenminister Nuñez rief die Menschen ebenso wie zuvor die Regierungssprecherin dazu auf, derzeit nicht in das betroffene Département Gironde zu reisen. Nach Einschätzung der Behörden hat sich die Lage noch nicht ausreichend beruhigt. Am Montag wurde zudem Präsident Emmanuel Macron in der vom Feuer getroffenen Tourismusregion erwartet, die mitten in der Hauptsaison stark belastet ist.

Deutschland unterstützt Frankreich bei den Löscharbeiten

Deutschland hilft inzwischen bei der Bekämpfung des riesigen Waldbrands. Die Bundeswehr entsandte nach Angaben des Verteidigungsministeriums zwei Transporthubschrauber sowie ein Transportflugzeug vom Typ A400M mit Material. Sie sollen die französischen Einsatzkräfte bei den Bränden in der Umgebung von Bordeaux unterstützen.

Der Einsatz ist demnach zunächst auf fünf Tage begrenzt. Vorausgegangen war nach Angaben des Ministeriums eine Anfrage der französischen Behörden. Aus Berlin hieß es zudem, Deutschland stehe in der schwierigen Lage fest an der Seite Frankreichs.

Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, die schweren Waldbrände in Frankreich und Spanien erfüllten die Bundesregierung mit großer Betroffenheit. Bundeskanzler Friedrich Merz stehe dazu auch mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez in Kontakt.

Feuerwehr rechnet mit wochen- oder monatelangem Einsatz

Nach Einschätzung der Feuerwehr dürfte der Einsatz noch lange andauern. Der Großbrand könne erst in mehreren Wochen oder sogar Monaten vollständig gelöscht werden, sagte Feuerwehroffizier David Annotel vom französischen Feuerwehrverband dem Sender France Info. Einsatzkräfte aus ganz Frankreich müssten sich demnach über längere Zeit bei der Brandbekämpfung ablösen.

Annotel warnte, dass sich die Lage durch die bevorstehende Hitzewelle weiter verschärfen könnte. Während an einer Stelle ein Feuer eingedämmt werde, könnten andernorts neue Brandherde entstehen. Das erhöhe die Zahl der Einsätze zusätzlich.

Mehr als 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht

Seit Mittwoch wurden in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion an der Atlantikküste mehr als 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter auch zahlreiche Touristen. Das Feuer hat sich inzwischen bis auf etwa 15 Kilometer an die Großstadt Bordeaux angenähert und rund 42.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört. Das entspricht 420 Quadratkilometern – einer Fläche, die größer ist als die Stadt Köln.

Nach Behördenangaben wurden zudem rund 240 Wohnhäuser zerstört. In einem weiten Umkreis verdunkeln riesige Rauchwolken den Himmel. Der Qualm ist vielerorts deutlich zu riechen und erschwert das Atmen, die Luftqualität gilt als stark beeinträchtigt.

Riesige Rauchwolken belasten die Menschen in Bordeaux

Schon Dutzende Kilometer vor Bordeaux liegt ein rauchiger Schleier über der Landschaft, in der Stadt selbst ist er noch dichter. Der Rauch macht vielen Menschen gesundheitlich zu schaffen: Die Kehle wird trocken, die Augen brennen, viele kommen schneller außer Atem. Auf geparkten Autos lagern sich zudem helle Rußpartikel ab.

Auch in Spanien bleibt die Lage ernst

In Spanien gab es unterdessen bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände erste Fortschritte. Innenminister Fernando Grande-Marlaska warnte jedoch vor verfrühtem Optimismus. Die Lage verbessere sich nur langsam.

Allein das Feuer in der Provinz Ávila, weniger als 100 Kilometer westlich von Madrid, hat nach Schätzungen bereits 47.000 Hektar zerstört und könnte damit der größte Waldbrand der jüngeren spanischen Geschichte sein. Zusammen mit den Bränden in der Sierra Oeste im Westen der Region Madrid und in der Provinz Toledo wurden dort rund 77.000 Hektar Wald- und Buschland verwüstet.

Die spanische Zentralregierung rief für die betroffenen Regionen den Notstand aus, um schneller Mittel bereitstellen zu können. Nach Angaben der Militärischen Nothilfeeinheit sind inzwischen zwar alle Hauptfronten eingedämmt, mehrere Brandherde bleiben jedoch aktiv. Rund 90.000 Menschen sind von Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen betroffen. König Felipe VI. und Königin Letizia besuchten am Sonntag eine Notunterkunft.

In der Provinz Castellón im Osten Spaniens lodert seit Samstag zudem ein weiteres größeres Feuer, das bereits 6.500 Hektar zerstört hat. Dort wurden rund 16.000 Menschen aus verschiedenen Ortschaften evakuiert.

Brände auch in Italien

Auch in Italien kämpfen Einsatzkräfte seit dem Wochenende gegen mehrere Brände. Auf der Halbinsel Gargano in der süditalienischen Region Apulien dauern die Einsätze nach dramatischen Szenen weiter an. Hunderte Touristen mussten dort von Stränden mit Booten in Sicherheit gebracht werden, weil sich die Flammen der Küste näherten. Löschflugzeuge und Bodentrupps sind weiter im Einsatz.

In der Region Basilikata wurden in der Gemeinde Maratea vorsorglich Dutzende Menschen aus ihren Häusern gebracht. Auch auf Sizilien, Sardinien und in Kalabrien brennt es weiterhin.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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