Jetzt beginnen die entscheidenden Gespräche. Mit der Reise der DFB-Führung um Präsident Bernd Neuendorf und Liga-Chef Hans-Joachim Watzke in die USA tritt die Suche nach einem neuen Bundestrainer in eine kritische Phase. Im Mittelpunkt steht Jürgen Klopp. Grundsätzlich scheint die Lage klar: Der Verband will Klopp, und Klopp gilt als offen für die Aufgabe, die Nationalmannschaft sportlich und emotional wieder aufzurichten.
Worauf muss der DFB jetzt achten?
Ein prominenter Wunschkandidat war beim DFB in der Vergangenheit nichts Ungewöhnliches. Schon früher gab es große Namen, die am Ende aus verschiedenen Gründen nicht verpflichtet wurden. Diesmal wirkt die Ausgangslage deutlich günstiger. Trotzdem ist Vorsicht gefragt.
Natürlich spielt das Geld eine Rolle. Auch mit dem künftigen Nike-Vertrag verfügt der DFB nicht über unbegrenzte Mittel. Dass Klopp teuer wäre, ist allen Beteiligten bewusst. Dabei geht es aber nicht nur um das Fixgehalt. Auch bestehende Sponsorenkonstellationen müssen berücksichtigt werden. Nach dpa-Informationen könnten sich Klopps Verbindungen zu Adidas allerdings bald erledigen.
Darüber hinaus muss der Verband genau klären, welche sportlichen Vorstellungen Klopp mitbringt. Wen würde er in seinen Trainerstab holen? Wie weit sollen seine Kompetenzen reichen? Und welche Folgen hätte das für bestehende Strukturen am DFB-Campus in Frankfurt und darüber hinaus? Neuendorf muss einen möglichen Deal auch intern vermitteln können. Der Eindruck, der Verband ordne sich einer dominanten Persönlichkeit vollständig unter, soll vermieden werden.

Nach drei enttäuschenden Weltmeisterschaften braucht der DFB kurzfristig dringend sportliche Fortschritte. Schon im Herbst warten in der Nations League zwei brisante Duelle mit den Niederlanden. Gleichzeitig ist im Verband angekommen, dass nicht nur Ergebnisse, sondern auch grundlegende Fragen angegangen werden müssen. Genau dazu erwarten die Verantwortlichen von Klopp offenbar noch ein klares Konzept.
Welche Bedingungen dürfte Klopp stellen?
Klopp kennt die Mechanismen des Profifußballs genau. Der Posten des Bundestrainers besitzt trotz jüngerer Rückschläge weiterhin großes Prestige. Die Tradition des Amtes, verbunden mit bedeutenden Namen und vier WM-Titeln, macht die Aufgabe reizvoll. Für jemanden wie Klopp, der stets auf höchstem Niveau arbeiten will, ist das ein starkes Argument.
Trotzdem wird er sich kaum auf bloße Symbolik verlassen. Klopp weiß, dass man sich in einem komplexen Verband wie dem DFB schnell in internen Prozessen verlieren kann. Deshalb dürfte für ihn entscheidend sein, welche Entscheidungsgewalt er tatsächlich erhält. Ebenso wichtig ist, wie viele Vertraute er in Schlüsselpositionen einbringen darf und welche Perspektive das Projekt über kurzfristige Ergebnisse hinaus bietet.
Ein Blick auf Liverpool zeigt, wie Klopp arbeitet. Als er 2015 übernahm, befand sich der Klub in einer schwierigen Lage. Erst nach mehreren Jahren wurde daraus wieder ein Titelanwärter. Übertragen auf die Nationalmannschaft würde das bedeuten: Wer Klopp holt, sollte eher an ein langfristiges Projekt bis 2030 denken als an eine kurze Übergangslösung. Anders als Julian Nagelsmann, der zunächst für ein begrenztes EM-Projekt verpflichtet wurde, dürfte Klopp kaum an einem Kurzzeit-Engagement interessiert sein.
Zuletzt machte Klopp zudem deutlich, dass Veränderungen nur auf Grundlage präziser Analyse möglich seien. Gleichzeitig soll ihn gestört haben, dass rund um seine Personalie bereits viel öffentlich diskutiert wurde. Äußerungen von Watzke oder auch Statements von Rudi Völler könnten ihm dabei zu weit gegangen sein. Wenn Klopp kommt, dann wohl nur unter der Bedingung, dass er Abläufe und Kommunikation klar mitbestimmen kann.
Wird Red Bull zum Problem?
Eine zentrale Rolle spielt auch Red Bull. Konzernchef Oliver Mintzlaff dürfte die aktuelle Situation mit Interesse verfolgen. Schließlich steht Klopp noch bis 2029 als Head of Global Soccer bei Red Bull unter Vertrag. Das verschafft dem Unternehmen in möglichen Gesprächen eine starke Position.
Die Frage ist, was Red Bull im Gegenzug erwarten könnte. Sicher ist: Der Konzern wird nichts leichtfertig aufgeben. Gleichzeitig könnte es weniger um eine exakte Ablösesumme gehen als um strategische Anerkennung und Einfluss. Wer die Entwicklung von Red Bull im Fußball verfolgt hat, weiß, dass dem Unternehmen die Akzeptanz durch das traditionelle Fußball-Establishment wichtig sein dürfte.
Gerade darin liegt ein besonderer Reiz. Wenn ausgerechnet Watzke, als prägende Figur von Borussia Dortmund, bei Red Bull um eine Lösung werben müsste, hätte das in Leipzig und in der Konzernzentrale einen hohen symbolischen Wert.
Was könnte RB Leipzig davon haben?
Kaum vorstellbar ist, dass Klopp künftig mit sichtbarer Red-Bull-Präsenz als Bundestrainer auftritt. Ganz folgenlos dürfte ein möglicher Wechsel aber wohl nicht bleiben. Denkbar wären etwa zusätzliche Länderspiele in Leipzig oder ein stärkerer Einfluss des Red-Bull-Umfelds in bestimmten Gremien von DFB oder Bundesliga. Sicher scheint vor allem: Mintzlaff wird in möglichen Verhandlungen hart auftreten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber