Anklage gegen mutmaßliche falsche Polizisten nach Betrug an Senioren
Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat Anklage gegen vier Verdächtige erhoben, die als Teil einer Betrügerbande ältere Menschen in Deutschland um mehr als 500.000 Euro gebracht haben sollen. Nach Angaben der Ermittler wurden die Betroffenen von einem Callcenter im Ausland aus kontaktiert. Am Telefon sei ihnen vorgespielt worden, ihre Wertsachen seien nicht sicher und müssten deshalb zum Schutz an angebliche Polizeikräfte übergeben werden.
Bei den Beschuldigten handelt es sich um eine Frau und drei Männer im Alter von 20 bis 26 Jahren aus dem Raum Bielefeld. Nach Einschätzung der Ermittler sollen sie einer größeren Gruppierung angehören und in den angeklagten Fällen in Bayern, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen mitgewirkt haben.
Hauptbeschuldigter sitzt in Untersuchungshaft
Die Festnahmen erfolgten bereits im vergangenen Herbst. Der mutmaßliche Haupttäter befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft und hat sich laut Staatsanwaltschaft bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die drei weiteren Beschuldigten wurden unter Auflagen entlassen; sie sollen die Taten teilweise eingeräumt und finanzielle Probleme als Motiv genannt haben.
Die Anklage umfasst unter anderem gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Amtsanmaßung sowie bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln. Ob es zu einem Prozess kommt, muss nun das Landgericht Schweinfurt entscheiden.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten im Zuge der Ermittlungen außerdem 15 weitere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe identifiziert werden. Demnach gibt es darüber hinaus noch weitere Verdächtige.
Hohe Schäden durch Schmuck, Bargeld und Goldmünzen
Zu den Geschädigten zählt laut Anklage ein Ehepaar aus Schweinfurt. Es soll einem Abholer zwischen Mitte Mai und Ende August 2025 zehn Goldmünzen im Wert von 15.000 Euro übergeben haben.
Eine Frau aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein verlor demnach Bargeld, Schmuck und Goldmünzen im Gesamtwert von rund 200.000 Euro. Eine weitere Geschädigte aus München wurde um 115 Goldmünzen gebracht, deren Wert auf etwa 345.000 Euro beziffert wird.
Hinzu kommen eine Seniorin aus Bayreuth, die Wertgegenstände im Wert von 2.000 Euro übergeben haben soll, sowie eine Frau aus Enger in Nordrhein-Westfalen, die Schmuck und andere Wertsachen im Wert von 3.000 Euro verlor.
Drogen und Ausrüstung sichergestellt
Bei der Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Haupttäters in Bielefeld fanden die Ermittler nach eigenen Angaben rund 200 Gramm Kokain sowie eine halbautomatische Pistole. Bei einem weiteren Angeklagten entdeckten sie zudem Gegenstände, die den falschen Polizeiauftritt unterstützt haben könnten: einen Polizeianhaltestab, ein Blaulicht und eine LED-Anzeige für die Sonnenblende mit dem Text „Stop bitte folgen“.
Für alle Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber