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Pyjama statt Jeans? So bequem war Mode noch nie

Pyjama statt Jeans? Warum Schlafanzüge plötzlich die Straße erobern – und was wirklich hinter dem bequemen Modehype steckt.

22.06.2026, 07:17 Uhr

Pyjama-Look erobert den Alltag

Der Trend zur Bequemlichkeit in der Mode hat eine neue Stufe erreicht: Kleidung, die an Schlafanzüge und Nachthemden erinnert, ist inzwischen mitten im Alltag angekommen. Was zunächst überraschend wirkt, hat mehrere nachvollziehbare Gründe.

Zu edel, um nur im Schlafzimmer zu bleiben

Viele aktuelle Pyjama-Modelle wirken ohnehin zu stilvoll, um ausschließlich nachts getragen zu werden. Hemdenartige Oberteile, weich fallende Hosen, glänzende Seide oder luxuriöser Samt verleihen ihnen einen eleganten Charakter. Details wie Paspeln, Brusttaschen oder feine Nadelstreifen erinnern teils eher an klassische Anzüge oder festliche Hemden als an reine Nachtwäsche. Auch Negligés und Babydolls treten oft mit Spitze und dekorativen Elementen auf.

Kein Wunder also, dass solche Stücke heute nicht mehr nur fürs Bett gedacht sind. Große Labels ebenso wie bekannte Marken des Massenmarkts präsentieren den Look inzwischen ganz selbstverständlich für tagsüber. Zu den Namen, die den Stil aufgreifen, zählen etwa Prada, Michael Kors und Dolce & Gabbana.

Das Modemagazin Elle sieht in Pyjamahosen sogar einen der wichtigsten Hosentrends des Sommers 2026. Gelobt werden sie dort als besonders bequem, luftig und vielseitig kombinierbar.

Ein Stil ohne klare Grenzen

Warum kommt gerade dieser Look so gut an? Der Kölner Trendanalyst Carl Tillessen vom Deutschen Mode-Institut erklärt, dass der Pyjama-Stil die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, privat und öffentlich, drinnen und draußen verschwimmen lasse. Er vermittle das Bild eines Lebens, in dem solche Trennlinien kaum noch eine Rolle spielen.

Pyjama als Alltagsoutfit
In vielen Bereichen hat sich die grenzenlos bequeme Kleidung, an die sich die Menschen im Lockdown gewöhnt haben, als neues Normal durchgesetzt. (Archivfoto) Quelle: Luca Bruno/AP/dpa

Für viele Menschen sei genau das attraktiv: die Vorstellung eines flexiblen Alltags mit Homeoffice, freier Zeiteinteilung, ohne formelle Verpflichtungen und ohne strenge Dresscodes — idealerweise an einem Ort, an dem das Klima drinnen wie draußen angenehm ist.

Die Pandemie als Wegbereiter

Den Boden für diese Entwicklung bereitete die Corona-Pandemie. Während der Lockdowns wurde das Arbeiten von zu Hause für viele zur Normalität. Mit ihr hielten zunächst Jogginghosen und Trainingskleidung verstärkt Einzug in den Alltag — nicht mehr nur auf dem Sofa oder beim Sport. Von dort war der Schritt zum Pyjama-inspirierten Outfit modisch gesehen nicht mehr groß.

Bequem, aber mit Anspruch

Mit wachsendem Abstand zur Pandemie steigt jedoch zugleich das Bedürfnis nach einem gepflegteren Erscheinungsbild. Gewünscht sind weiterhin Komfort und lockere Schnitte, allerdings ohne den Eindruck von Nachlässigkeit. Genau hier setzt der Pyjama-Trend an: Er verbindet Bequemlichkeit mit einer deutlich eleganteren Wirkung als die klassische Sweatpants.

Tillessen betont, dass sich die extreme Komfortmode aus der Lockdown-Zeit in vielen Bereichen als neues Normal etabliert habe. Zwischen lässig und schlampig liege jedoch oft nur ein schmaler Grat.

In Anlehnung an Karl Lagerfeld empfiehlt der Modeexperte deshalb sinngemäß einen tadellos gebügelten Pyjama aus Seidensatin mit feinen Paspeln. So werde deutlich, dass es sich um einen bewusst gewählten Stil handle — und nicht um das Resultat modischer Resignation.

Von Athleisure zu „Athlegance“

Nach Tillessens Einschätzung wird der Lockdown-Look auch in anderen Segmenten veredelt. Aus „Athleisure“, also sportlich geprägter Alltagskleidung, werde zunehmend „Athlegance“: elegantere Farben, hochwertigere Stoffe und raffiniertere Schnitte. Kleidung also, die eher für einen stilvollen Auftritt gedacht ist als für einen Serienmarathon auf der Couch.

Der Pyjama-Look passt damit perfekt in eine Modephase, in der Komfort weiterhin gefragt ist — allerdings in deutlich anspruchsvollerer Form.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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