Nico Schlotterbeck steht der deutschen Nationalmannschaft bei der laufenden WM nicht mehr zur Verfügung. Der 26 Jahre alte Innenverteidiger von Borussia Dortmund hat sich beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste einen Bänderriss am linken Knöchel zugezogen. Damit ist das Turnier in Nordamerika für ihn vorzeitig beendet.
Für den Abwehrspieler bedeutet die Verletzung nun sogar eine deutlich längere Pause als zunächst befürchtet: Schlotterbeck wird mehrere Monate fehlen. Damit könnte der Ausfall auch Auswirkungen auf den Start in die kommende Bundesliga-Saison bei Borussia Dortmund haben.
Nagelsmann spricht von schwerem Verlust
Bundestrainer Julian Nagelsmann muss damit den zweiten verletzungsbedingten Ausfall bei diesem Turnier verkraften. Schon zuvor hatte Bayern-Talent Lennart Karl wegen einer Muskelverletzung passen müssen, noch vor der endgültigen Nominierung hatte zudem Serge Gnabry seine WM-Teilnahme abgesagt.
„Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können“, sagte Nagelsmann.
Sportlich wiegt der Ausfall schwer. Schlotterbeck war zuletzt eine feste Größe in der Startelf, wichtig im Aufbau und zudem der einzige Linksfuß unter den deutschen Innenverteidigern.
Keine Nachnominierung mehr möglich
Eine Nachnominierung ist für Deutschland diesmal nicht mehr möglich. Für den verletzten Lennart Karl hatte Nagelsmann noch rechtzeitig Assan Ouedraogo in den Kader holen können. Die Frist für weitere Veränderungen lief danach jedoch ab.
Schlotterbeck bleibt im WM-Quartier
Trotz des WM-Aus wird Schlotterbeck nicht sofort abreisen. Der Dortmunder bleibt zunächst beim DFB-Team im Quartier The Graylyn Estate.
„Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt“, sagte Nagelsmann. Dass Schlotterbeck bei der Mannschaft bleibt, wertete der Bundestrainer auch als wichtiges Signal: Der Verteidiger habe nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben Einfluss.
Verletzung früh im Spiel entstanden
Schlotterbeck hatte sich die Verletzung bereits früh in der Partie in Toronto zugezogen. In einem Zweikampf traf er sich selbst am linken Bein. Danach musste er mehrfach behandelt werden, spielte zunächst aber noch bis zur Pause weiter. Antonio Rüdiger übernahm dann in der zweiten Halbzeit.
Fast zwei Tage nach dem Spiel stand die endgültige Diagnose fest. Die letzten Hoffnungen auf einen möglichen Einsatz in späteren K.o.-Runden zerschlugen sich damit.
Rüdiger rückt wieder in den Fokus
Durch Schlotterbecks Ausfall rückt Antonio Rüdiger nun noch stärker in den Mittelpunkt. Der 33-Jährige dürfte für das abschließende Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag um 22.00 Uhr in East Rutherford eine zentrale Rolle spielen. Übertragen wird die Partie von ARD und MagentaTV.
Rüdiger hatte seinen Reservistenstatus zuletzt klaglos angenommen und Schlotterbeck gegen die Elfenbeinküste bereits ersetzt. Nagelsmann sieht Deutschland in der Innenverteidigung trotz des Ausfalls weiterhin gut besetzt – mit Jonathan Tah, Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw.
Zweite WM endet erneut bitter
Für Schlotterbeck endet damit wohl auch die zweite Weltmeisterschaft mit einer großen Enttäuschung. Nach dem frühen Ausscheiden 2022 folgt nun das verletzungsbedingte Aus. Erst im vergangenen Jahr hatte er nach einem Meniskusriss im linken Knie fast ein halbes Jahr pausieren müssen.
Borussia Dortmund zeigt sich dennoch zuversichtlich. BVB-Geschäftsführer Lars Ricken verwies darauf, dass Schlotterbeck schon einmal stark nach einer schweren Verletzung zurückgekommen sei. Erst vor Kurzem hatte der Verteidiger seinen Vertrag in Dortmund bis 2031 verlängert.
Teamgeist und Kaderbreite rücken noch stärker in den Mittelpunkt
Für den bereits feststehenden Gruppensieger Deutschland bekommt nach dem Schlotterbeck-Aus der Zusammenhalt im Team zusätzliche Bedeutung. Beim Sieg gegen die Elfenbeinküste hatten vor allem die Einwechselspieler wichtige Impulse gesetzt – allen voran Torschütze Deniz Undav.
Nagelsmann und Kapitän Joshua Kimmich hoben anschließend die Bedeutung der Bank hervor. Gerade bei langen Reisen, hohen Temperaturen und engem Spielplan kann die Tiefe des Kaders im weiteren Turnierverlauf ein entscheidender Vorteil sein. Spieler wie Undav, Nadiem Amiri, Jamie Leweling, Leon Goretzka und Rüdiger haben bereits gezeigt, wie wichtig sie noch werden können.
„Es ist wichtig, dass jeder in jedem Moment bereit ist. Das ist ein wichtiges Zeichen an die Mannschaft, dass wir immer nachlegen können“, sagte Undav.
Für die Torhüter gilt unabhängig davon weiter die Sonderregel: Sollte einer aus dem Trio Manuel Neuer, Oliver Baumann und Alexander Nübel ausfallen, könnte noch Ersatz nominiert werden. Jonas Urbig begleitet das Team deshalb als Trainingstorwart durch Nordamerika.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion