Fußball

Der irre Grund: Nagelsmann darf keinen Feldspieler holen

Schlotterbecks Verletzung droht für Deutschland zum WM-Problem zu werden. Der brisante Grund, warum Nagelsmann niemanden holen darf.

22.06.2026, 06:48 Uhr

Nico Schlotterbeck steht der deutschen Nationalmannschaft bei der laufenden WM nicht mehr zur Verfügung. Der 26 Jahre alte Innenverteidiger von Borussia Dortmund hat sich beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste einen Bänderriss am linken Knöchel zugezogen. Damit ist das Turnier in Nordamerika für ihn vorzeitig beendet.

Für den Abwehrspieler bedeutet die Verletzung sogar eine deutlich längere Pause als zunächst erhofft: Schlotterbeck wird mehrere Monate fehlen. Damit könnte der Ausfall auch Folgen für den Start in die kommende Bundesliga-Saison bei Borussia Dortmund haben.

Schlotterbeck meldet sich emotional bei den Fans

Nach seinem bitteren WM-Aus wandte sich Schlotterbeck mit einer emotionalen Botschaft an die deutschen Fußballfans. Seinen Instagram-Post schloss er mit einer Deutschlandfahne und einem Herz ab. Über seinen eigenen Frust wollte er dabei noch nicht ausführlich sprechen.

„Was jetzt zählt, ist die Mannschaft. Sie verdient die volle Unterstützung aller Deutschen. Lasst uns zusammenstehen und zeigen, dass wir in guten wie in schwierigen Momenten hinter dieser deutschen Mannschaft stehen und sie auf ihrem Weg zum WM-Titel unterstützen“, schrieb Schlotterbeck.

Zugleich machte er deutlich, dass er die Verletzung erst noch verarbeiten müsse.

„Ich brauche noch etwas Zeit, um das Ganze zu verarbeiten und später darüber zu sprechen. Deshalb wird es von mir vorerst keine ausführlichen Worte dazu geben.“

Stimmungsdämpfer am Familientag

Die endgültige Diagnose stand am Familientag des DFB-Teams in Winston-Salem fest und sorgte früh für gedrückte Stimmung. Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach von einem schweren Verlust.

„Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können“, sagte Nagelsmann.

Fast zwei Tage nach dem Spiel in Toronto war klar: Die Resthoffnung auf mögliche Einsätze in späteren K.o.-Runden hat sich zerschlagen.

Schlotterbeck bleibt im WM-Quartier

Trotz des Turnier-Aus wird Schlotterbeck nicht sofort abreisen. Der Dortmunder bleibt zunächst beim DFB-Team im Quartier The Graylyn Estate in Winston-Salem. Auch auf dem Campus der Wake Forest University war das Thema allgegenwärtig.

„Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt“, sagte Nagelsmann.

Sportdirektor Rudi Völler zeigte sich überzeugt, dass die Mannschaft den Ausfall gemeinsam auffangen kann.

„Das müssen wir auffangen und das bekommen wir aufgefangen“, sagte der 66-Jährige.

Dass Schlotterbeck bei der Mannschaft bleibt, wertet auch Völler als wichtiges Signal.

„Das spricht für unseren Teamgeist“, sagte er.

Nagelsmann ergänzte, der Verteidiger habe nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben Einfluss.

Zweiter verletzungsbedingter Ausfall im Turnier

Nagelsmann muss damit den zweiten verletzungsbedingten Ausfall bei diesem Turnier verkraften. Schon zuvor hatte Bayern-Talent Lennart Karl wegen einer Muskelverletzung passen müssen. Nimmt man Serge Gnabry hinzu, der bereits vor der Nominierung im Mai verletzt absagen musste, sind sogar drei potenzielle Stammplatzpositionen betroffen.

„Das war im ersten Moment schockierend, weil Schlotti ein wichtiger Spieler für uns ist“, sagte Nadiem Amiri.

Keine Nachnominierung mehr möglich

Eine Nachnominierung ist für Deutschland diesmal nicht mehr möglich. Für den verletzten Lennart Karl hatte Nagelsmann noch rechtzeitig Assan Ouedraogo von RB Leipzig in den Kader holen können. Die Frist für weitere Änderungen lief für den DFB jedoch bereits einen Tag vor dem 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao ab.

Rüdiger rückt wieder in den Fokus

Durch Schlotterbecks Ausfall rückt Antonio Rüdiger nun noch stärker in den Mittelpunkt. Der 33-Jährige dürfte für das abschließende Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag um 22.00 Uhr in East Rutherford eine zentrale Rolle spielen. Übertragen wird die Partie von ARD und MagentaTV.

Rüdiger hatte seinen Reservistenstatus zuletzt klaglos angenommen und Schlotterbeck gegen die Elfenbeinküste bereits in der zweiten Halbzeit ersetzt.

„Ich muss für alle Szenarien bereit sein. Ich war bereit“, sagte der Abwehrspieler nach der Partie.

Nagelsmann sieht Deutschland in der Innenverteidigung trotz des Ausfalls weiterhin gut besetzt – mit Jonathan Tah, Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw. Dennoch fehlt dem DFB-Team mit Schlotterbeck ein besonderer Spielertyp: ein spielstarker Linksfuß im Zentrum der Abwehr. Rüdiger hatte ihm zuletzt sogar einen „linken Fuß aus Gold“ bescheinigt.

Verletzung früh im Spiel entstanden

Schlotterbeck hatte sich die Verletzung bereits früh in der Partie in Toronto zugezogen. In einem Zweikampf traf er sich selbst am linken Bein. Danach musste er mehrfach behandelt werden, spielte zunächst aber noch bis zur Pause weiter. Antonio Rüdiger übernahm dann in der zweiten Halbzeit.

Fast zwei Tage nach dem Spiel stand die endgültige Diagnose fest. Die letzten Hoffnungen auf einen möglichen Einsatz in späteren K.o.-Runden zerschlugen sich damit endgültig.

Zweite WM endet erneut bitter

Für Schlotterbeck endet damit auch die zweite Weltmeisterschaft mit einer großen Enttäuschung. 2022 war er beim Vorrundenaus in Katar noch kein Stammspieler, diesmal stoppt ihn die Verletzung.

Rückschläge musste der Dortmunder bereits mehrfach verkraften. Erst 2025 hatte er nach einem Meniskusriss im linken Knie fast ein halbes Jahr pausieren müssen. Borussia Dortmund zeigt sich dennoch zuversichtlich. BVB-Geschäftsführer Lars Ricken verwies darauf, dass Schlotterbeck schon einmal stark nach einer schweren Verletzung zurückgekommen sei. Erst vor Kurzem hatte der Verteidiger seinen Vertrag in Dortmund bis 2031 verlängert.

Teamgeist und Kaderbreite rücken noch stärker in den Mittelpunkt

Für den bereits feststehenden Gruppensieger Deutschland bekommt nach dem Schlotterbeck-Aus der Zusammenhalt im Team zusätzliche Bedeutung. Beim Sieg gegen die Elfenbeinküste hatten vor allem die Einwechselspieler wichtige Impulse gesetzt – allen voran Torschütze Deniz Undav.

Zum Symbol wurde die Jubeltraube nach dem Siegtreffer.

„Wie da die ganze Mannschaft im Eck lag, das ist schon ein cooles Zeichen und das freut mich super für die Jungs – das kann schon Kräfte freisetzen, definitiv“, sagte Nagelsmann.

Auch Kapitän Joshua Kimmich hob die Bedeutung der Ersatzspieler noch einmal hervor.

„Wir wussten schon vor dem Turnier, dass unsere Bank sehr, sehr wichtig sein wird. Das war sie heute. Alle Einwechslungen waren überragend“, sagte er.

Gerade bei langen Reisen und hohen Temperaturen kann die Tiefe des Kaders im weiteren Turnierverlauf ein entscheidender Vorteil sein. Spieler wie Undav, Amiri, Jamie Leweling, Leon Goretzka und Rüdiger haben bereits gezeigt, wie wichtig sie noch werden können.

„Wenn du Spieler einwechselst, die dann ein Spiel entscheiden, dann gehen natürlich auch Spieler mit, die auf der Bank saßen. Die wollen dranbleiben, die denken, ich kann auch irgendwann den Moment haben“, sagte Nagelsmann.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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