Das Ost-Ampelmännchen hat allen Grund zum Feiern: Am heutigen 13. Oktober wird die markante Figur mit dem Hut 65 Jahre alt. An Ruhestand ist für den kleinen Lichtsignal-Helfer aber offenbar nicht zu denken. Kaum ein anderes Symbol aus DDR-Zeiten genießt bis heute eine vergleichbare Popularität.
Vom DDR-Entwurf zur Kultfigur
Am 13. Oktober 1961 präsentierte der Verkehrspsychologe Karl Peglau dem DDR-Verkehrsministerium in Ost-Berlin seine Ideen für neue Leitsymbole im Straßenverkehr. Damit begann die Geschichte des Ost-Ampelmännchens, das über Jahrzehnte das Straßenbild im Osten prägte. Nach der Wiedervereinigung entwickelte sich die Figur weit über die ehemaligen DDR-Grenzen hinaus zur Kultikone. Das westdeutsche Pendant konnte bei der Beliebtheit nie mithalten und wurde mancherorts sogar durch die ostdeutsche Version ersetzt.
Mit den Jahren wollten jedoch viele Städte eigene Akzente setzen. Im Zuge von Stadtmarketing und lokaler Identität tauchten immer mehr individuell gestaltete Ampelfiguren auf. Heute zeigen Fußgängerampeln in Deutschland nicht nur klassische Symbole, sondern auch Fernsehfiguren, historische Persönlichkeiten und regionale Sagengestalten.
Mainzelmännchen in Mainz
In Mainz übernehmen seit 2016 die Mainzelmännchen an mehreren Fußgängerampeln den Dienst. Vor allem rund um den ZDF-Standort sind die bekannten TV-Maskottchen zu sehen. Wenn sie nicht den Weg über die Straße freigeben, kündigen sie im Fernsehen die Werbepausen an.
Ernie und Bert in Hamburg
In Hamburg regeln seit Januar 2026 an zwei Fußgängerampeln Ernie und Bert aus der Sesamstraße den Verkehr. Die Idee dahinter ist einfach: Bei Bert heißt es warten, bei Ernie darf gegangen werden. Bert nimmt es gelassen und meint, wer bei ihm stehen bleibe, habe wenigstens mehr Zeit, die Tauben zu beobachten.

Wikinger in Haddeby
Im schleswig-holsteinischen Haddeby weist seit 2025 ein Wikinger den Fußgängern den Weg über die Straße. In der Nähe des Wikinger Museums Haithabu schwingt die Figur bei Grün eine Axt. Statt mit dem Langschiff geht es dort allerdings ganz gewöhnlich zu Fuß über die Bundesstraße. Vorbild für die Idee war die dänische Stadt Aarhus, wo solche Wikinger-Ampeln bereits seit 2019 existieren.
Otto an der Ampel in Emden
In Emden genügt dem bekanntesten Ostfriesen ein kleiner Auftritt am Straßenrand. Dort ist Komiker Otto in seiner typischen hüpfenden Pose auf Ampeln zu sehen. Die Stadt versteht die besonderen Signale auch als Aufwertung wichtiger Fußwege zwischen Parkhaus, Bahnhof, Kunsthalle und Innenstadt.
Dürers Hase in Nürnberg
In Nürnberg erinnert eine Ampelfigur an Albrecht Dürer. Dort zeigt ein Feldhase nach dem berühmten Aquarell des Künstlers den Fußgängern Rot und Grün an. Auch anderswo in Bayern wird gerne auf lokale Motive gesetzt: In München erscheint Pumuckl, in Augsburg Figuren aus der Augsburger Puppenkiste.
Hexe und Teufel in Wernigerode
In Wernigerode wird es märchenhaft: Seit 2023 stoppt dort bei Rot ein Teufel die Fußgänger, bei Grün gibt eine Hexe den Weg frei. Die Stadt nutzt damit ihre Nähe zum sagenumwobenen Brocken als Motiv. Einen Flug auf dem Besen braucht es zum Überqueren aber natürlich nicht.
Karl Marx in Trier
In Trier regelt seit 2018 Karl Marx den Fußgängerverkehr. Mit Bart und Gehrock zeigt der berühmte Sohn der Stadt, wann gegangen und wann gewartet werden muss. In Wuppertal, der Geburtsstadt von Friedrich Engels, ist dessen Figur dagegen nur in der grünen Variante zu sehen.
Luther in Worms
Auch Worms setzt auf eine historische Persönlichkeit. Seit 2019 erscheint dort Martin Luther auf Ampeln. Steht er in Rot breitbeinig vor den Fußgängern, dürfte mancher unweigerlich an den berühmten Satz denken: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“
Bergmann und Römer in Bergkamen
Bergkamen stellt gleich zwei Kapitel seiner Geschichte heraus. Seit 2019 leuchtet dort ein Bergmann mit Grubenlampe auf den Ampeln. Daneben gibt es auch einen Römer mit Helm, Schild und Lanze – eine Anspielung auf die antike Vergangenheit des Ortes, an dem vor rund 2.000 Jahren ein bedeutendes Militärlager stand.
Der Rattenfänger in Hameln
In Hameln führt der Rattenfänger heute niemanden ins Verderben, sondern sicher über die Straße. Seit 2019 ist seine Silhouette mit wehender Kleidung auf einigen Fußgängerampeln zu sehen. Ob dazu jemals Flötentöne ertönen, ist nicht bekannt.
Das Original bleibt der Star
Deutschlands Ampeln sind längst so vielfältig wie die Städte selbst. Immer neue Figuren kommen hinzu, und die Liste ließe sich problemlos verlängern. Dennoch bleibt das Ost-Ampelmännchen mit seinem unverwechselbaren Hut die bekannteste Figur unter ihnen – und an seinem 65. Geburtstag steht es mehr denn je im Mittelpunkt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber