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Mega-Razzia gegen «Hells Angels»: 1.200 Polizisten

Spektakulärer Schlag gegen die «Hells Angels» in NRW: Mit 1.200 Kräften stürmt die Polizei über 50 Objekte – sogar Spezialeinheiten sind im Einsatz. Der Hintergrund: Ein Rocker-Ableger war zuvor verboten worden.

28.04.2026, 05:40 Uhr

Großrazzia gegen die «Hells Angels» in Nordrhein-Westfalen

Mit einem der größten Einsätze gegen Rockerkriminalität in der Geschichte Nordrhein-Westfalens ist die Polizei am Dienstagmorgen gegen die «Hells Angels» vorgegangen. Seit 4 Uhr morgens durchsuchten rund 1.200 Einsatzkräfte zeitgleich 56 Objekte in 28 Städten. Betroffen waren Wohnungen, Geschäftsräume, Lagerhallen und eine Werkstatt. Auch Spezialeinsatzkommandos waren im Einsatz.

Zuvor hatte das NRW-Innenministerium den Verein «Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen» verboten. Das Vereinsvermögen soll beschlagnahmt und zugunsten des Landes eingezogen werden. Nach Angaben von Innenminister Herbert Reul liegt der sichergestellte Vermögenswert bei bis zu 2,5 Millionen Euro.

«Wer mit Waffen, Drogen, Gewalt und Einschüchterung sein Geld verdient, muss jederzeit damit rechnen, dass die Polizei morgens im Schlafzimmer steht. Nicht als Gast, sondern mit Durchsuchungsbeschluss», sagte Reul.

Der Minister sprach von einem der größten Einsätze gegen Rocker im Land. Federführend sind die Polizei Düsseldorf und die Spezial-Staatsanwaltschaft der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten (ZeOS NRW). Die Ermittlungen richten sich gegen den Leverkusener Ableger der «Hells Angels» und dessen Umfeld.

Verdacht auf kriminelle Vereinigung und räuberische Erpressung

Im Verfahren gibt es nach Angaben Reuls 44 Beschuldigte im Alter von 21 bis 59 Jahren. Gegen sie wird unter anderem wegen des Verdachts der Bildung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie wegen räuberischer Erpressung ermittelt.

Festgenommen wurde der 46 Jahre alte Präsident des noch jungen Chapters Leverkusen. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. In seiner Werkstatt in Langenfeld entdeckten Ermittler zahlreiche Motorräder, darunter auch Maschinen vom Typ Harley-Davidson. Wem die Fahrzeuge gehören, wird nun geprüft.

Darüber hinaus fanden die Beamten bei den Durchsuchungen Waffen, durchsuchten ein Bankschließfach und stießen auf Hinweise auf professionellen Drogenanbau.

Beispiel aus den Ermittlungen: Druck auf Schönheitschirurgen

Ausgangspunkt waren mehrere Ermittlungen wegen Straftaten aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität. Nach dpa-Informationen stützen die Behörden das Vereinsverbot auch auf laufende Verfahren, die immer wieder zum Leverkusener Club führten.

Ein Beispiel: 2024 soll sich eine junge Frau an den Präsidenten des damals neu gegründeten Ablegers gewandt haben, weil sie mit einer Schönheitsoperation unzufrieden gewesen sei und der Arzt ihr Geld nicht zurückzahlen wollte. Nach dem Stand der Ermittlungen soll der Rockerchef zugesagt haben, seine Leute bei dem Chirurgen vorbeizuschicken, um die Forderung einzutreiben.

Ob es tatsächlich dazu kam, ist unklar, weil der Arzt keine Anzeige erstattete. Für die Ermittler zeigt der Fall dennoch, dass der Club nicht aus Begeisterung für Motorräder gegründet wurde. In der Verbotsverfügung heißt es laut dpa, der offizielle Zweck eines Motorradclubs sei nur Fassade. Tatsächlich diene der Zusammenschluss hauptsächlich der Planung und Durchführung von Straftaten.

Knapp 70-seitige Verbotsverfügung zugestellt

Die Verbotsverfügung umfasst demnach knapp 70 Seiten. Darin haben die Behörden zahlreiche noch laufende Ermittlungsverfahren zusammengetragen, die am Ende immer wieder zum Leverkusener Rockerclub führten. Aus diesen Ermittlungen entwickelte sich schließlich auch das Verbotsverfahren. Am Dienstag wurde die Verfügung den Beteiligten zugestellt.

Club erst vor kurzer Zeit gegründet

Der Club in Leverkusen war laut Innenministerium erst im Mai 2024 als sogenanntes «Prospect Charter» gegründet und im Juni 2025 zur vollwertigen Ortsgruppe ernannt worden. Mitglieder seien vielfach durch Straftaten aufgefallen, darunter unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln, Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung und räuberische Erpressung.

Die Durchsuchungen richteten sich gegen Wohnungen und Geschäftsräume von Vereinsmitgliedern und Unterstützern in ganz Nordrhein-Westfalen. Betroffen waren unter anderem Leverkusen, Köln, Langenfeld, Monheim, Solingen, Dortmund, Oberhausen, Ahaus, Velbert, Duisburg, Bergheim, Gummersbach, Kempen, Herne, Voerde, Bielefeld, Bochum, Dinslaken, Lünen und Marienheide.

In Hilden wurde zudem ein Vereinsheim der «Hells Angels» durchsucht. Dort waren bewaffnete und teils vermummte Polizisten im Einsatz.

Reul: Rockerclubs haben nichts mit «Motorradromantik» zu tun

Reul betonte, Rockerclubs hätten nichts mit «Motorradromantik» zu tun. Vielmehr stünden sie für organisierte Kriminalität, Drogenhandel, Waffen und Einschüchterung. Mit dem Schlag gegen das Leverkusener Chapter wolle das Land klare Härte zeigen.

NRW sei «kein Rückzugsraum für Kriminelle», sagte Reul. Das Land zeige «Null Toleranz». Man werde Strukturen zerschlagen und mutmaßlich kriminell erlangtes Vermögen austrocknen.

«Hells Angels» bleiben größter Rocker-Club in NRW

In Nordrhein-Westfalen waren bereits in den vergangenen Jahren weitere Ableger der «Hells Angels» verboten worden. 2017 hatte Reul den Verein «Hells Angels MC Concrete City» in Erkrath untersagt und aufgelöst. Erst später bestätigte das Oberverwaltungsgericht Münster das Verbot.

Wie aus einer Auflistung des Landeskriminalamts mit Stand Dezember des vergangenen Jahres hervorgeht, über die zunächst die «Neue Westfälische» berichtet hatte, gab es in NRW zuletzt 29 «Hells Angels»-Chapter – noch inklusive Leverkusen. Die Ermittler ordneten dem Club 469 Mitglieder zu. Damit waren die «Hells Angels» personell die größte Rockergruppierung im Land.

Auf Platz zwei lagen die «Freeway Riders» mit 403 Mitgliedern. Die «Bandidos» kamen demnach auf zwölf Chapter und 124 Mitglieder. Der Club war vor Jahren komplett verboten worden, breitet sich inzwischen aber wieder neu aus.

Rivalitäten mit den «Bandidos» im Blick

Die Spannungen zwischen den «Hells Angels» und ihren Rivalen von den «Bandidos» haben in den vergangenen Monaten erneut zu Konflikten geführt. Im Raum Köln kam es zu mehreren Schießereien, bei denen die Feindschaft der Rockergruppen eine Rolle gespielt haben soll.

Ob es Verbindungen zwischen diesen Vorfällen und dem Leverkusener Chapter gibt, wollte Reul noch nicht bewerten. Dafür sei es noch zu früh. Klar sei aber, dass die großangelegte Razzia die Rockerszene in Nordrhein-Westfalen spürbar getroffen habe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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