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Entführer-Verdacht: Gab Block uns Schal und Spielzeug?

War er der Fahrer bei der Entführung der Block-Kinder? Der 35-Jährige sagt im Prozess bereits zum zweiten Mal als Zeuge aus – und die Verteidiger lassen mit ihren vielen Fragen nicht locker.

28.04.2026, 11:42 Uhr

Zeuge schildert angebliche Einschüchterung vor Aussage

Im Hamburger Prozess um die mutmaßliche Entführung der Kinder von Christina Block hat ein 35-jähriger Zeuge von einer aus seiner Sicht bedrohlichen Kontaktaufnahme berichtet. Nach seinen Angaben erhielt er im Sommer 2025 in Israel einen Anruf von einer engen Mitarbeiterin des Chefs jener israelischen Sicherheitsfirma, die für die Aktion verantwortlich gewesen sein soll. Sein Eindruck von dem Gespräch sei gewesen: „Das war schon eine Drohung.“

Die Frau, die sich während ihres Aufenthalts in Hamburg dem Zeugen zufolge „Olga“ nannte, habe offenbar erfahren, dass er in Deutschland mit den Ermittlern über die Ereignisse in der Silvesternacht 2023/24 sprechen wolle. Sie habe ihm geraten, das besser zu lassen. Auf Anraten seines Anwalts habe er daraufhin die komplette Chatgruppe mit den beteiligten Teammitgliedern auf seinem Handy gelöscht.

Prozess gegen sieben Angeklagte

Christina Block steht vor dem Landgericht Hamburg vor Gericht, weil sie nach einem langen Sorgerechtsstreit eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben soll, ihre beiden damals zehn und 13 Jahre alten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 aus dem Haushalt ihres Ex-Mannes Stephan Hensel in Dänemark nach Deutschland zu bringen. Die Unternehmerin weist die Vorwürfe zurück. Insgesamt gibt es in dem Verfahren sieben Angeklagte.

Zweiter Tag der Vernehmung

Der Israeli sagte bereits an seinem zweiten Prozesstag als Zeuge aus. Diesmal lag das Fragerecht bei den Verteidigern. Schon zuvor hatte der Mann erklärt, er habe sich an der Aktion beteiligt, weil ihm der Chef der Sicherheitsfirma gesagt habe, die Kinder würden beim Vater misshandelt und ihre Rückführung sei rechtlich zulässig. Heute bewerte er den Einsatz anders. Sein Fazit: „Es war ein großer Fehler.“

Auf Nachfrage erläuterte der 35-Jährige auch, warum er dem Sicherheitschef geglaubt habe. Dieser sei früher beim israelischen Geheimdienst Mossad gewesen und in Israel eine bekannte Persönlichkeit. Kennengelernt habe er ihn nach eigenen Angaben allerdings erst Mitte Dezember 2023.

Angebliches Treffen im Grand Elysée

Der Zeuge berichtete außerdem erneut von einem angeblichen Treffen mit Christina Block kurz vor dem Jahreswechsel. Im Hotel Grand Elysée habe sie der Gruppe einen Schal und Spielzeug der Kinder übergeben, damit diese bei der Rückholung eingesetzt werden könnten, sagte der Mann, der nach eigener Darstellung eines der Fahrzeuge steuerte. Die Verteidigung von Block hatte wiederholt erklärt, ein solches Treffen am 28. Dezember habe es nicht gegeben.

Sicheres Geleit für vier Zeugen aus Israel

Der mutmaßliche Fahrer hatte sich nach eigenen Angaben im Herbst 2025 gemeinsam mit drei weiteren Beschuldigten aus Israel bei den deutschen Ermittlungsbehörden gemeldet. Für ihre Aussagen erhielten sie sicheres Geleit. Zu diesen vier Personen zählten später auch der Chef der israelischen Sicherheitsfirma sowie die als „Olga“ bezeichnete Frau.

Gegen alle vier könnten zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls Anklagen erhoben und eigene Verfahren geführt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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