Vor dem Augsburger Landgericht soll am 7. Januar der Prozess wegen mutmaßlicher Übergriffe auf Gefangene in der Justizvollzugsanstalt starten. Nach Angaben eines Gerichtssprechers sind zunächst 51 Verhandlungstage vorgesehen. Zuerst hatte die „Augsburger Allgemeine“ über den Termin berichtet.
Die zuständige 1. Strafkammer hatte in der vergangenen Woche beide Anklagen der Staatsanwaltschaft unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen. Insgesamt müssen sich 13 Justizbeamte verantworten. Unter ihnen sind die frühere Leiterin der JVA im Augsburger Vorort Gablingen sowie deren Stellvertreterin. Die übrigen elf Angeklagten gehörten früher zur Sicherungsgruppe der Haftanstalt an – einer Art Spezialeinheit, die bei gewaltsamen Zwischenfällen eingreifen oder mit besonders gefährlichen Insassen umgehen soll.
Mega-Verfahren mit vielen Beteiligten
Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen 170 Einzelfälle. Mehr als 100 Häftlinge sollen betroffen gewesen sein. Den Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem Freiheitsberaubung, Nötigung sowie vorsätzliche oder gefährliche Körperverletzung im Amt vor. Für alle Angeklagten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung weiterhin die Unschuldsvermutung.
Wegen des Umfangs des Prozesses steht das Gericht auch organisatorisch vor großen Aufgaben. Schon für die 13 Angeklagten und ihre Verteidiger wird viel Platz benötigt. Hinzu kommen Richter, Staatsanwaltschaft und womöglich mehrere Nebenkläger. Nach Angaben des Gerichtssprechers werde das Landgericht die nötigen organisatorischen Vorkehrungen treffen.
Staatsanwaltschaft sieht ein „System der Willkür“
Als Schlüsselfigur des Falls gilt die frühere Stellvertreterin der Gefängnisleitung. Nach Darstellung der Ermittler soll sie nach ihrer Versetzung nach Gablingen ein „System der Willkür“ etabliert haben. Gefangene seien schikaniert und teils auch körperlich misshandelt worden. Der ehemaligen Gefängnisdirektorin wird vorgeworfen, darüber zumindest teilweise informiert gewesen zu sein und das Vorgehen unterstützt zu haben.
Die Verteidiger der Stellvertreterin hatten die Vorwürfe bereits im Ermittlungsverfahren zurückgewiesen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber