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Kunst-Rebellin Valie Export ist mit 85 gestorben

Mit radikalen Nackt-Performances schrieb sie Feminismus-Geschichte – jetzt ist die legendäre Aktionskünstlerin tot.

14.05.2026, 19:23 Uhr

Die österreichische Künstlerin VALIE EXPORT ist tot. Wie die Valie Export Stiftung mitteilte, starb sie am Donnerstag in Wien im Alter von 85 Jahren. International bekannt wurde sie mit feministischen, radikalen und bewusst provokanten Arbeiten, die bis heute als Meilensteine des Aktionismus gelten.

Im Zentrum ihres Werks stand die kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Normierung des weiblichen Körpers. EXPORT griff furchtlos intime, tabuisierte und oft verdrängte Themen auf. Ihr Leitsatz lautete: „Kunst muss aggressiv sein.“

Zu ihren bekanntesten Aktionen zählt „Genitalpanik“. 1969 betrat sie während eines Filmfestivals in München mit einer im Schritt aufgeschnittenen Hose einen Kinosaal und zeigte demonstrativ ihr Schamhaar. Damit wollte sie auf drastische Weise die Reduzierung von Frauen auf Lustobjekte anprangern. In der erweiterten Fotoserie „Aktionshose: Genitalpanik“ posierte sie zudem mit entblößter Scham, zerzaustem Haar und einem Maschinengewehr – als Symbol männlicher Macht.

Bereits 1968 sorgte sie mit dem „Tapp- und Tastkino“ für heftige Reaktionen. Mit einem Kasten vor der nackten Brust ließ sie Passanten in der Wiener Innenstadt für kurze Zeit durch einen Vorhang greifen und ihren entblößten Oberkörper ertasten. Ebenfalls 1968 führte sie ihren damaligen Partner und Künstlerkollegen Peter Weibel mitten in Wien an einer Leine auf allen vieren durch die Straßen.

EXPORT setzte in ihren oft schmerzhaften und häufig nackten Grenzüberschreitungen meist den eigenen Körper ein und wurde so zu einer Ikone der feministischen Bewegung. Lange Zeit wurde ihr Werk jedoch verschmäht, sie selbst angefeindet; einmal wurde sie sogar mit einer Bierflasche angegriffen. Auch finanzielle Sorgen begleiteten sie bis ins hohe Alter. Bereut habe sie ihren Weg dennoch nie: Sie habe Konventionen aufbrechen müssen, sagte sie rückblickend. Mit dem Älterwerden haderte sie, weil der Körper sie ständig an die begrenzte Lebenszeit erinnere.

Geboren wurde sie 1940 in Linz als Waltraud Lehner. Ihr Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter zog drei Töchter allein groß. Früh rebellierte sie gegen gesellschaftliche Erwartungen: Mit 18 bekam sie ein Kind, trennte sich rasch vom Vater und ging nach Wien, um Künstlerin zu werden. Später wurde ihr im Zusammenhang mit einer Pornografie-Anklage zeitweise das Sorgerecht entzogen.

In Wien arbeitete sie zunächst für Friedensreich Hundertwasser. Mit dem Wiener Aktionismus um Hermann Nitsch und Günter Brus kam es jedoch nie zu einer engeren Zusammenarbeit, das dortige Frauenbild war ihr zu verstaubt. Ihr Schaffen reichte weit über die Performancekunst hinaus und umfasste auch Film, Fotografie und Medienkunst. Im Kurzfilm „Remote, Remote“ schnitt sie 1973 vor laufender Kamera so lange in ihre Fingernagelhaut, bis Blut in eine Schüssel Milch tropfte.

Auch ihren Namen machte sie zum Akt der Emanzipation. Sie legte die Nachnamen von Vater und Ex-Mann ab und nannte sich VALIE EXPORT – bewusst in Großbuchstaben. Das sollte verdeutlichen, dass sie ihre inneren Gedanken nach außen trägt. Das Bild ihrer verfremdeten Zigarettenmarke „Smart Export“ gehört heute zur Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

Später wurde es öffentlich etwas ruhiger um die vielfach ausgezeichnete Künstlerin, auch weil sie an Kunsthochschulen in Europa und den USA lehrte, unter anderem in Köln und Berlin. Bei der Biennale in Venedig rückte sie 2007 noch einmal stärker ins Licht der Öffentlichkeit. An ihrem feministischen Anspruch hielt sie bis zuletzt fest. Noch im Alter machte sie deutlich, dass der Kampf um Gleichstellung weitergehen müsse – und sagte über sich selbst: „Ich bin immer noch wütend.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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