Die deutsche Filmemacherin Valeska Grisebach ist beim Filmfestival von Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet worden. Darüber entschied die Festivaljury unter dem Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook.
In ihrem Film „Das geträumte Abenteuer“ erzählt Grisebach die Geschichte einer Archäologin, die in einer bulgarischen Grenzstadt an einer Ausgrabung arbeitet. Als sie einem früheren Bekannten helfen will, gerät sie nach und nach in ein kriminelles Milieu.
Mit „Das geträumte Abenteuer“ war Grisebach erstmals im Wettbewerb von Cannes vertreten. Ihr früherer Film „Western“ war bereits 2017 beim Festival zu sehen – damals in der Sektion „Un Certain Regard“.
Die Goldene Palme ging an den rumänischen Regisseur Cristian Mungiu für seinen Film „Fjord“. Das Drama setzte sich gegen 21 weitere Wettbewerbsfilme durch. Für Mungiu ist es bereits die zweite Goldene Palme: 2007 war er schon für „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ ausgezeichnet worden.
Worum es in „Fjord“ geht
Mungiu erzählt in „Fjord“ ein vielschichtiges Drama über Familie, Erziehung und kulturelle Spannungen. Sebastian Stan und Renate Reinsve spielen ein streng religiöses rumänisch-norwegisches Ehepaar, das mit seinen fünf Kindern in ein abgelegenes Dorf in Norwegen zieht. Als bei ihrer Tochter Verletzungen festgestellt werden, geraten die Eltern unter Verdacht, das Kind misshandelt zu haben. Der Film schildert den Konflikt mit den norwegischen Behörden ohne einfache Schuldzuweisungen.
Weitere wichtige Preise
Der Große Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging an den russischen Regisseur Andrej Swjaginzew für seinen Thriller „Minotaur“. Darin steht ein russischer Unternehmer unter Druck in seiner Firma und stößt zugleich auf die Affäre seiner Frau. Der Film verknüpft die Geschichte mit der allgegenwärtigen Realität des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Den Preis für die beste Regie teilten sich gleich drei Filmschaffende: die Spanier Javier Calvo und Javier Ambrossi für „The Black Ball“ ("La bola negra") sowie der Pole Pawel Pawlikowski für „Vaterland“. In Pawlikowskis Film mit Sandra Hüller geht es um einen Roadtrip von Thomas Mann und Erika Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949.
Als beste Schauspieler wurden Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für „Coward“ von Lukas Dhont geehrt. Sie spielen darin zwei Soldaten im Ersten Weltkrieg, die sich ineinander verlieben.
Die Auszeichnung als beste Schauspielerinnen erhielten Virginie Efira und Tao Okamoto für das Drama „All of a Sudden“ ("Soudain") des japanischen Regisseurs Ryūsuke Hamaguchi. Der Film erzählt von zwei Frauen, deren Begegnung ihr Leben unerwartet verändert.
Der Preis für das beste Drehbuch ging an den Franzosen Emmanuel Marre für „A Man of His Time“ ("Notre Salut"). Darin verarbeitet der Regisseur einen Teil seiner Familiengeschichte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Frankreich.
Ehrenpreis für Barbra Streisand
Außer Konkurrenz wurde auch Barbra Streisand geehrt: Die US-Künstlerin erhielt eine Goldene Ehrenpalme. Wegen einer Knieverletzung konnte sie den Preis nicht persönlich entgegennehmen. Isabelle Huppert würdigte sie bei der Verleihung, Streisand bedankte sich per Videobotschaft und sagte, Filme hätten die besondere Kraft, Menschen zusammenzubringen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion