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König Harald – Warum ihn plötzlich alle lieben

Er wirkte unscheinbar – und wurde doch geliebt: Warum Harald V. Norwegen bis zuletzt überraschte

28.08.2026, 09:16 Uhr

Norwegens König Harald V. mit 89 Jahren gestorben

Norwegens König Harald V. ist tot. Der Monarch starb am Freitagmorgen in Oslo im Alter von 89 Jahren. Mit ihm verliert das Land einen zurückhaltenden, oft eher scheuen König, der öffentliche Auftritte nie als besondere Stärke ansah. Gerade in entscheidenden Momenten fand er jedoch immer wieder Worte, die viele Menschen bewegten. Trotz mehrerer Affären und Belastungsproben im Umfeld des Königshauses blieb seine Popularität in Norwegen über Jahrzehnte groß.

Ein König, der den Ton der Zeit traf

Besonders in Erinnerung blieb eine Rede zu seinem 25. Thronjubiläum im Jahr 2016. Damals beschrieb Harald, wie vielfältig Norwegen sei: Menschen liebten dort Menschen gleichen oder anderen Geschlechts, glaubten an Gott, Allah, an vieles oder an nichts. Die Worte lösten weit über Norwegen hinaus Begeisterung aus, internationale Medien griffen sie auf.

Der König selbst zeigte sich später überrascht über die Wirkung. Er habe lediglich schildern wollen, wie die Norweger seien, sagte er Jahre danach in Gesprächen mit dem Journalisten Harald Stanghelle, die in dem Buch Kongen forteller veröffentlicht wurden.

Harald entwickelte sich seit seinem Amtsantritt 1991 stetig weiter und galt in vielem als offen für gesellschaftlichen Wandel. In manchen Dingen blieb er allerdings traditionell. Ein Mobiltelefon etwa legte er sich erst 2020 zu, als die Corona-Pandemie das öffentliche Leben stark einschränkte. Da war er bereits 83 Jahre alt.

Flucht im Krieg und prägende Jahre in den USA

Seine Kindheit war von den Folgen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Als die Nationalsozialisten im April 1940 Norwegen besetzten, war Prinz Harald erst drei Jahre alt. Seine Mutter, Kronprinzessin Märtha, floh mit ihren Kindern zunächst nach Schweden und später in die USA.

König Harald V. von Norwegen
Die norwegische Königsfamilie 2024 bei einem Weihnachts-Fotoshooting. Hinten links steht der nun neue König Haakon, hinten rechts die neue Kronprinzessin Ingrid Alexandra. (Archivbild) Quelle: Stian Lysberg Solum/NTB/dpa

Dort kümmerte sich US-Präsident Franklin D. Roosevelt persönlich um die Familie und lud sie regelmäßig ins Weiße Haus ein. Später sagte Harald, Roosevelt sei für ihn fast wie ein Großvater gewesen. In Amerika bekam er sein erstes Dreirad, lernte schwimmen und verbrachte unbeschwerte Kinderjahre im Exil.

Nach Kriegsende kehrte er als Achtjähriger nach Norwegen zurück. Das Land war ihm zunächst fremd geworden, doch bald fand er wieder Anschluss. Harald liebte die Natur und den Sport. Vor allem das Segeln wurde zu seiner großen Leidenschaft, die er sogar auf olympischem Niveau betrieb.

Der lange Kampf um die Ehe mit Sonja

Für Aufsehen sorgte Harald schon als junger Kronprinz. Mit 22 verliebte er sich in Sonja Haraldsen, die aus einer bürgerlichen Familie stammte. Für das Königshaus war das damals ein Politikum. König Olav lehnte die Verbindung lange ab, und die Beziehung musste über Jahre im Verborgenen bleiben, während die Medien darüber spekulierten.

Rückblickend sprach Harald davon, als hätte er "etwas Gesetzeswidriges" getan – zumindest im übertragenen Sinn. Zwischen Vater und Sohn sei das Thema kaum offen besprochen worden. Erst nach neun Jahren kam Bewegung in die Sache: Harald machte deutlich, dass er entweder Sonja heiraten oder unverheiratet bleiben werde. Schließlich lenkte sein Vater ein. Nach Zustimmung der politischen Instanzen wurde am 19. März 1968 die Verlobung bekanntgegeben, im August folgte die Hochzeit.

Auch aus dieser Erfahrung heraus zeigte sich das Königspaar später deutlich liberaler bei der Partnerwahl der eigenen Kinder. Das galt sowohl für die Ehe von Kronprinz Haakon mit Mette-Marit als auch für die Beziehung von Prinzessin Märtha Louise zu Durek Verrett.

Thronbesteigung und Nähe zum Volk

Nach dem Tod von König Olav am 17. Januar 1991 wurde Harald vier Tage später im Nidarosdom in Trondheim zum neuen König. Seine Rolle war vor allem repräsentativ, auch wenn in Norwegen Gesetze formell nicht ohne die Unterschrift des Monarchen in Kraft treten. Zudem empfing der König regelmäßig die Regierung zu Berichten im Schloss.

Harald und Königin Sonja reisten viel durch das Land und hielten so engen Kontakt zur Bevölkerung. Gerade diese Nahbarkeit trug wesentlich zu seiner Beliebtheit bei. Hinzu kam ein trockener, oft feiner Humor, den viele Norweger an ihm schätzten.

Familienzusammenhalt trotz Krisen

Der innere Zusammenhalt der Königsfamilie war Harald stets wichtig. Als Vorwürfe gegen Marius Borg Høiby, den ältesten Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung, öffentlich wurden, betonte der König bei einem Bankett in Oslo, das Königshaus arbeite als Team zusammen und sei zugleich eine Familie – mit allen Freuden und Belastungen, die dazugehörten.

Tatsächlich musste Harald zuletzt mehrere schwierige Entwicklungen im familiären Umfeld bewältigen. Dazu zählten Berichte über die enge Bekanntschaft von Kronprinzessin Mette-Marit mit dem später verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein sowie die Verurteilung von Marius Borg Høiby zu vier Jahren Haft, unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen nach norwegischem Recht.

Die schwerste Rede seines Lebens nach dem 22. Juli

Einer der dunkelsten Tage seiner Regentschaft war der 22. Juli 2011. An diesem Tag verübte der Rechtsextremist Anders Behring Breivik zunächst einen Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und anschließend ein Massaker auf der Insel Utøya. 77 Menschen wurden getötet, viele von ihnen Jugendliche.

Schon am nächsten Tag reisten Harald und Sonja nach Sundvollen, wo Angehörige der Opfer in einem Hotel zusammengekommen waren. Später schilderte der König, er habe sich dort so hilflos gefühlt wie nie zuvor. Besonders erschütternd sei für ihn die Begegnung mit Eltern gewesen, die gerade vom Tod ihrer Tochter erfahren hatten.

Einen Monat später hielt Harald bei einer Gedenkveranstaltung eine Rede, die als die wohl schwierigste seines Lebens gilt. Unter Tränen sagte er, er halte an dem Glauben fest, dass Freiheit stärker sei als Angst. Ebenso bekannte er sich zu einer offenen norwegischen Demokratie und Gesellschaft. Viele Beobachter sehen in diesen Worten einen wichtigen Grund dafür, dass Norwegen auf die Anschläge nicht mit Vergeltung, sondern mit Zusammenhalt reagierte.

Krankheit im Alter – Rücktritt kam für ihn nie infrage

In den vergangenen Jahren war Harald seine gesundheitlichen Probleme deutlich anzumerken. Immer wieder musste er im Krankenhaus behandelt werden. Zuletzt litt er an hämolytischer Anämie, einer Form der Blutarmut, und zog sich danach zusätzlich eine bakterielle Infektion im Blutkreislauf zu. Bereits zuvor hatte er Herz- und Beinoperationen hinter sich gebracht und bewegte sich mit Stock.

Trotz seines hohen Alters und wiederholter Klinikaufenthalte dachte Harald nie ernsthaft an einen Rücktritt. Auch als Dänemarks Königin Margrethe II. abdankte, blieb er bei seiner Haltung. Wer vor dem Parlament den Eid abgelegt habe, sei daran ein Leben lang gebunden, sagte er. Man halte durch bis zum bitteren Ende.

Mit seinem Tod geht nun die Krone an seinen Sohn Haakon über.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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