Mehrere große Brände in Griechenland breiten sich rasant aus
In Griechenland wüten weiterhin mehrere schwere Wald- und Buschbrände, die durch kräftigen Wind zusätzlich angefacht werden. Die größten Feuerherde liegen rund 60 Kilometer westlich von Athen. Dichte Rauchwolken sind auch in der Hauptstadt deutlich zu sehen.
Besonders hart getroffen wurde der Küstenort Porto Germeno im Nordosten des Golfs von Korinth. Dort sollen nach Angaben des Vizebürgermeisters der Gemeinde Mandra inzwischen bis zu 100 Häuser verbrannt sein. Zuvor hatte die Küstenwache laut Kathimerini zwölf Menschen über den Seeweg in Sicherheit gebracht.
Zeitweise schien sich die Lage rund um Porto Germeno am Mittag etwas zu beruhigen. Kurz darauf zeigten Fernsehbilder jedoch erneut eine massive Feuerfront, die der starke Wind über Hügel und Berge trieb. Laut ERTnews schlugen die Flammen teils deutlich höher als die rund 20 Meter hohen Aleppo-Kiefern des Waldes.
Am Morgen wurden in den betroffenen Gebieten erneut mehrere Ortschaften vorsorglich geräumt. Die Behörden warnten die Bewohner der evakuierten Orte ausdrücklich davor, bereits zurückzukehren. Grund dafür sind dichter Rauch und die große Gefahr, dass die Flammen erneut aufflammen. Satellitenbildern zufolge erstreckt sich das gefährdete und teils brennende Gebiet weiterhin über etwa sechs mal sechs Kilometer.
Der starke Wind sorgt dafür, dass sich das Feuer mit hoher Geschwindigkeit ausbreitet. Die Feuerwehr hatte nach eigenen Angaben 325 Feuerwehrleute und Freiwillige mit 92 Fahrzeugen, 18 Löschflugzeugen und 7 Hubschraubern mobilisiert. Wegen der heftigen Böen können Löschflugzeuge derzeit jedoch nicht eingesetzt werden. Auch Hubschrauber bleiben zunächst am Boden. Die Einsatzkräfte konzentrieren sich daher auf die Brandbekämpfung am Boden – auch wenn manche Bereiche des Waldbrands selbst dort kaum erreichbar sind.
In Porto Germeno brennt es laut Feuerwehr an drei Fronten. Zerstört wurden neben Wohnhäusern auch Viehställe und Landgüter. Auch die Polizei ist dauerhaft vor Ort, um den Verkehr in der Region nahe der beliebten Halbinsel Peloponnes zu steuern. Im Norden der Peloponnes gibt es zudem zwei weitere Brandherde.
Ein weiterer Waldbrand tobt ungebremst weiter westlich in der Regionaleinheit Fokida. Betroffen sind dort die Ortschaft Skaloma und umliegende Dörfer, die bereits evakuiert wurden.
Griechische Medien sprachen angesichts der Szenen von apokalyptischen Bildern: Das Meer spiegelte den grau-roten Himmel, während die Sonne nur noch matt durch dichten schwarzen Rauch zu sehen war.
Die Feuerwehr hofft nun auf ein kurzes Zeitfenster am frühen Abend, wenn der Wind vorübergehend nachlassen könnte. Dann könnten Löschflugzeuge und Hubschrauber doch noch starten, bevor sie ihren Einsatz bei Einbruch der Dunkelheit wieder einstellen müssen. Auch für Sonntag sagen Meteorologen etwas schwächere Winde voraus.
Ein Feuerwehrsprecher sprach von einem schwierigen Tag für Katastrophenschutz und Feuerwehr, da in der Region die höchste Waldbrandwarnstufe 5 gilt.
Lage auf Kreta etwas entspannter
Auf der Ferieninsel Kreta konnte die Feuerwehr den großen Waldbrand im Süden inzwischen unter Kontrolle bringen. Dennoch sind laut Kathimerini weiterhin rund 220 Einsatzkräfte vor Ort. Wegen der anhaltend starken Winde können Löschflugzeuge und Hubschrauber dort derzeit ebenfalls nicht eingesetzt werden. Gleichzeitig fachen die Böen verbliebene Glutnester immer wieder an, wodurch neue kleinere Feuer entstehen.
Parallel dazu wird weiter nach der Ursache des Brandes gesucht. Es gibt Hinweise, dass beschädigte Strommasten das Feuer ausgelöst haben könnten.
Wetterlage bleibt problematisch
Eine Entwarnung ist derzeit nicht in Sicht. Meteorologen rechnen weiterhin mit starkem Wind, was die Brandbekämpfung erschwert. Für Samstag wurde für die Region um Athen sowie für den südlichen Teil der Insel Euböa die höchste Waldbrandwarnstufe 5 ausgerufen.
Die zweithöchste Gefahrenstufe gilt für Teile Kretas, die Peloponnes sowie mehrere Inseln in der Ägäis, darunter die Kykladen, Chios und Lesbos.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber