Allgemein

Forscher warnen: Handy am Steuer wird zur neuen Gefahr

Viele junge Fahrer tippen selbst im Stau noch aufs Handy – und unterschätzen dabei eine Gefahr, die in Sekunden fatal wird.

20.10.2026, 08:01 Uhr

Handynutzung am Steuer nimmt zu – besonders bei jungen Fahrern

Eine kurze Nachricht schreiben, obwohl der Verkehr stockt: Was viele Autofahrer als harmlose Ablenkung betrachten, wird auf Deutschlands Straßen zunehmend zum Sicherheitsproblem. Nach Einschätzung des Unfallforschers Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung in Winnenden steigt die Nutzung von Smartphones am Steuer insbesondere unter jungen Fahrern deutlich an.

Brockmann geht davon aus, dass sich dieser Trend weiter verstärken wird. Als Grund nennt er vor allem die Generation der sogenannten Digital Natives, die nun zunehmend selbst Auto fährt. Gerade jüngere und unerfahrene Fahrer hätten oft Schwierigkeiten einzuschätzen, wann schon ein kurzer Blick aufs Handy gefährlich werden kann.

ACE registriert Verstöße bei jedem 30. Fahrzeug

Wie verbreitet die Handynutzung während der Fahrt tatsächlich ist, lässt sich nur schwer genau messen. Der Auto Club Europa (ACE) hat dazu zwischen April und Juli bei mehr als 300 Kontrollen an innerstädtischen Kreuzungen bundesweit Beobachtungen durchgeführt. Das Ergebnis: Im Schnitt wurde bei 3,3 Prozent der überprüften Fahrzeuge – also etwa bei jedem 30. Auto – eine klar erkennbare und unerlaubte Smartphone-Nutzung am Steuer festgestellt.

Besonders auffällig war dabei eine Kreuzung in Stuttgart, wo mit 17,9 Prozent der höchste Wert bundesweit gemessen wurde. In Braunschweig, Jüterbog, Oschatz und Trostberg wurden bei jeweils einzelnen Kontrollen hingegen keine Verstöße registriert.

Handy am Steuer
Der Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung. (Archivbild) Quelle: Lars Berg/dpa

Schwierige Beweisbarkeit erschwert die Erfassung

Brockmann betont, dass bei solchen Erhebungen genau unterschieden werden müsse, wie das Handy genutzt werde. Ob jemand das Telefon ans Ohr hält oder ob es zum Tippen auf dem Schoß liegt, mache einen großen Unterschied. Gerade das Lesen oder Schreiben von Nachrichten während der Fahrt sei deutlich schwerer nachzuweisen. Deshalb tauchten solche Fälle in offiziellen Statistiken nur selten auf – was laut Brockmann jedoch nicht bedeute, dass sie kaum vorkämen.

Debatte über höhere Bußgelder und mehr Punkte

Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar hatten Fachleute zu Jahresbeginn vorgeschlagen, die Sanktionen für Handyverstöße am Steuer zu verschärfen. Wer während der Fahrt das Smartphone in die Hand nimmt, soll demnach künftig zwei Punkte in Flensburg statt bislang einem erhalten. Auch das Bußgeld sollte nach Ansicht der Experten von derzeit 100 auf mindestens 250 Euro steigen.

Brockmann setzt eher auf Kontrollen und Technik

Von härteren Strafen hält Brockmann wenig. Im Vergleich zu Tempoverstößen seien Handyverstöße in der Straßenverkehrsordnung bereits angemessen eingeordnet. Wichtiger sei aus seiner Sicht, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Verstöße überhaupt entdeckt werden. Als Beispiel nennt er Rheinland-Pfalz, wo sogenannte Handyblitzer eingesetzt werden, die aus erhöhter Position Aufnahmen machen.

Zugleich glaubt Brockmann nicht, dass sich junge Menschen allein durch strengere Strafen komplett vom Smartphone am Steuer abbringen lassen. Hoffnung setzt er stattdessen auf technische Verbesserungen, etwa bei der Spracheingabe. Wenn sich Nachrichten künftig zuverlässiger per Sprachsteuerung verfassen lassen, könnte das dazu beitragen, dass Autofahrer seltener selbst zum Handy greifen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen