Mordprozess um den Tod des achtjährigen Fabian: Tatortbilder belasten den achten Verhandlungstag
Der Fundort des getöteten achtjährigen Fabian hat im Mordprozess vor dem Landgericht Rostock am achten Verhandlungstag im Mittelpunkt gestanden. Das Gelände nahe Klein Upahl im Landkreis Rostock gilt als besonders abgelegen und trist: Der Leichnam des Kindes war im Oktober vergangenen Jahres an einem kleinen, von Sträuchern verdeckten Tümpel entdeckt worden, umgeben von Ackerfläche. In einem Polizeibericht wird die Stelle als „Wildschweinkuhle“ beschrieben.
Im Gericht wurden mehr als 150 Aufnahmen vom Tatort gezeigt. Viele davon waren laut Gericht nur schwer zu ertragen. Ergänzend präsentierten die Beteiligten eine detailreiche 3D-Rekonstruktion, mit der sich Entfernungen und Positionen genau nachvollziehen ließen. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die etwa 90 Zuschauer erneut ausdrücklich vor den belastenden Bildern und empfahl empfindlichen Personen, den Saal zu verlassen.
Fotos vom Tatort und vom Leichnam
Gezeigt wurden nicht nur Bilder von Schuhspuren und dem Feld rund um den Tümpel, sondern auch Nahaufnahmen des fast vollständig verbrannten Körpers. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll die 30 Jahre alte Angeklagte Fabian am 10. Oktober 2025 mit einem Messer getötet und anschließend angezündet haben, um Spuren zu beseitigen. Die Frau äußert sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Der Junge war erst nach vier Tagen intensiver Suche gefunden worden.
Nach Angaben eines Polizeibeamten, der damals als Erster an dem Tümpel eintraf, hatte die Angeklagte selbst am 14. Oktober die Polizei verständigt und die Einsatzkräfte zum Fundort geführt. Sie und eine Bekannte hätten erklärt, beim Spaziergang mit Hunden auf den leblosen Jungen gestoßen zu sein.

Die beiden Frauen hätten die Beamten am Vormittag in die Nähe der Stelle gebracht und beschrieben, wo der Körper liege. Sie seien zwar aufgeregt gewesen, hätten auf ihn aber nicht tief erschüttert oder geschockt gewirkt, sagte der Zeuge vor Gericht. Er selbst habe sich dann durch hohes Gras bis zum Leichnam vorgearbeitet. Die Angeklagte habe zuvor darauf hingewiesen, dass am Fundort auch ihre eigenen Spuren vorhanden sein könnten, weil sie schon dort gewesen sei.
Schuhspuren am Fundort
Ermittler sicherten sowohl Schuhabdrücke des Jungen als auch solche der Angeklagten. Die dicht beieinander liegenden Spuren wurden dokumentiert und am Prozesstag anhand eines Bildberichts erläutert. Ein Sachverständiger stellte jedoch klar, dass die Abdrücke keine eindeutige Identifizierung ermöglichten. Nachweisbar seien aber Spuren mit dem Profil von Turnschuhen gewesen; von entsprechenden Schuhen soll die Angeklagte drei Paar besessen haben.
Streit um Öffentlichkeit beim rechtsmedizinischen Gutachten
Die wegen Mordes angeklagte Frau sitzt seit November des Vorjahres in Untersuchungshaft. Sie führte mit Fabians Vater nach Angaben des Gerichts eine wechselhafte On-off-Beziehung und ist inzwischen wieder mit ihm zusammen. Der Mann kümmert sich demnach um ihre Pferde, besucht sie in der Haft und glaubt nach eigenen Worten an ihre Unschuld.
Fabians Mutter nimmt als Nebenklägerin meist selbst am Verfahren teil. Bei der Verhandlung mit den belastenden Fotos war sie diesmal jedoch nicht im Saal. Ihre Anwältin Christine Habetha beantragte für die für Donnerstag geplante Vorstellung des rechtsmedizinischen Gutachtens den Ausschluss der Öffentlichkeit. Zur Begründung verwies sie auf den Schutz der Menschenwürde und die postmortalen Persönlichkeitsrechte des getöteten Kindes. Das Gericht will zu Beginn des neunten Verhandlungstages darüber entscheiden.
Viele Zeugen bereits gehört
Seit Prozessbeginn am 28. April wurden bereits zahlreiche Zeugen vernommen, darunter Fabians Mutter, sein Vater und die mütterliche Großmutter. Auch Freunde des Jungen sagten per Video aus. Hinzu kamen Gutachter, Ermittler, Nachbarn, Mitarbeiter eines Jugendzentrums sowie die Lehrerin des Kindes. Verhandlungstermine sind bislang bis zum 10. September vorgesehen. Am kommenden Donnerstag soll insbesondere das gerichtsmedizinische Gutachten besprochen werden.
Laut Anklage starb Fabian an sechs Messerstichen. Die mutmaßliche Tatwaffe ist bis heute nicht gefunden worden. Forensiker haben bereits mehr als ein Dutzend Messer untersucht, ohne dabei menschliches Blut nachweisen zu können. Das hatte eine DNA-Sachverständige in der vergangenen Woche erklärt.
Staatsanwaltschaft sieht Beziehungskonflikt als mögliches Motiv
Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft könnte ein Beziehungskonflikt das Motiv für die Tat gewesen sein. Demnach soll die Angeklagte gehofft haben, durch die Tötung des Jungen die zuvor beendete Beziehung zu Fabians Vater wiederherstellen zu können. Die Anklage wirft ihr vor, gezielt gehandelt zu haben, um einen Streitpunkt mit dem Mann zu beseitigen und ihn zurückzugewinnen.
Obwohl die 30-Jährige seit Beginn des Prozesses schweigt, ist ihre Stimme im Gericht immer wieder zu hören. Im Saal werden zahlreiche Sprachnachrichten abgespielt, die sie und Fabians Vater einander geschickt hatten. Vor allem von der Angeklagten stammen viele Nachrichten in dichter Folge, in denen sie den 35-Jährigen eindringlich bat, zu ihr zurückzukehren. Auch nach dem Verschwinden des Jungen am 10. Oktober habe sie ihm noch bis tief in die Nacht Nachrichten geschickt und darum gebeten, bei der Suche helfen zu dürfen.
Die Beziehung zwischen der Angeklagten und Fabians Vater hatte bis August 2025 rund vier Jahre bestanden. Zu Beginn habe Fabian seinen getrennt von der Mutter lebenden Vater regelmäßig besucht und dort auch mit dem etwa ein Jahr jüngeren Sohn der Angeklagten gespielt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion