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Dreifachmord-Prozess – Ex-Partnerin unter Schock

Sex als Motiv? Im Prozess um den mutmaßlichen Dreifachmord schildern Angehörige jetzt, was sie über Täter und Opfer wussten.

06.10.2026, 12:19 Uhr

Prozess um mutmaßlichen Dreifachmord in Zwiesel: Zeugen schildern Drogenmilieu und familiäre Brüche

Im Verfahren um den mutmaßlichen Dreifachmord von Zwiesel ist die Beweisaufnahme mit Aussagen aus dem persönlichen Umfeld der Beteiligten fortgesetzt worden. Den Zeugen fiel ihre Aussage erkennbar schwer. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 39-jährigen slowakischen Staatsangehörigen vor, im Sommer 2025 zwei Nachbarinnen aus sexuellen Motiven und einen Nachbarn zur Verdeckung der Taten getötet zu haben.

Als Zeugen wurden unter anderem die frühere Lebensgefährtin des Angeklagten, die Mutter des ersten Opfers sowie die Mutter des Beschuldigten gehört. Die Ex-Partnerin, mit der der Mann eine fast drei Jahre alte Tochter hat, erklärte, sie sei angesichts der Vorwürfe „sprachlos“ und hätte ihm solche Taten nie zugetraut.

Nach ihren Angaben war das Zusammenleben der Bewohner in dem Haus grundsätzlich freundschaftlich. Zugleich sei dort immer wieder Alkohol und Drogen konsumiert worden. In ihrer Beziehung habe der Angeklagte ihr gegenüber keine körperliche Gewalt ausgeübt, sagte die 42-Jährige. Allerdings sei er mitunter lauter geworden. Beim Sex habe er vereinzelt versucht, sie zu würgen oder an den Haaren zu ziehen, aber jeweils sofort aufgehört, wenn sie das nicht wollte.

Außerdem berichtete die Frau, ihr damaliger Partner habe während ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt der gemeinsamen Tochter vermehrt Pornografie konsumiert. Während ihrer Befragung rang sie mehrfach um Fassung.

Wodka schon am Morgen

Die Mutter des ersten Opfers, einer 26-jährigen Frau, schilderte das Verhältnis der Hausbewohner ebenfalls als hilfsbereit. Sie habe jedoch missbilligt, dass ihre Tochter und deren Freund Drogen nahmen und Alkohol tranken. Mitunter sei schon zum Frühstück Wodka in den Kaffee gekommen. Der Kontakt zu ihrer Tochter sei mal enger, mal distanzierter gewesen. Als sie die junge Frau nicht mehr erreichen konnte, erstattete sie eine Vermisstenanzeige.

Auch die Mutter des Angeklagten spielte im Prozess eine Rolle. Sie musste nicht persönlich vor Gericht erscheinen, sondern durfte die Fragen schriftlich beantworten. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters hatte sie dies mit der starken psychischen Belastung des Verfahrens begründet.

Aus ihren Schilderungen geht hervor, dass das Verhältnis zu ihrem Sohn seit Jahren schwierig gewesen sein soll. Bereits als junger Mann habe er Drogen konsumiert, gestohlen und gelogen. Nach einem sechsjährigen Auslandsaufenthalt sei er zurückgekehrt, wegen seiner anhaltenden Drogenprobleme habe sie ihn aber vor die Tür gesetzt. Der letzte Kontakt zwischen beiden soll im Frühjahr 2024 gewesen sein.

Anklage: Erste Tote zerstückelt

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft tötete der Angeklagte zunächst eine 26 Jahre alte Nachbarin, indem er sie erdrosselte. Anschließend soll er die Leiche zerteilt haben. Den Oberkörper habe er im Kühlschrank versteckt, die Beine in einem Wald abgelegt.

Gut zwei Wochen später soll er eine weitere Nachbarin in seiner Wohnung mit zahlreichen Hammerschlägen getötet und ihr zusätzlich Frischhaltefolie um den Kopf gewickelt haben. Als er die 22-Jährige anschließend sexuell missbrauchen wollte, habe deren Lebensgefährte an die Tür geklopft und nach ihr gerufen. Daraufhin soll der Angeklagte dem Mann mit einem Hammer in dessen Wohnung gefolgt sein und ihn dort ebenfalls erschlagen haben.

Wie die Justiz mitteilte, stellte sich der 39-Jährige später in Österreich selbst der Polizei. Die Staatsanwaltschaft sieht mehrere Mordmerkmale als erfüllt an: in allen drei Fällen Heimtücke, bei den beiden Frauen zudem Handeln zur Befriedigung des Sexualtriebs. In den beiden letzten Fällen komme außerdem Grausamkeit in Betracht, beim Tod des Mannes zusätzlich die Verdeckung einer Straftat.

Noch keine Einlassung des Angeklagten

Zu Beginn des Prozesses hatte sich der Angeklagte nicht selbst geäußert. Sein Verteidiger kündigte aber an, dass sein Mandant sich im weiteren Verlauf noch einlassen werde. Ein Urteil könnte am 19. November fallen.

Unabhängig vom Verfahren gab es am Sonntag in dem Mehrfamilienhaus in Zwiesel, in dem der Angeklagte und die späteren Opfer lebten, einen Brand. Nach Angaben der Polizei besteht der Verdacht auf fahrlässige Brandlegung. Die Ermittler sehen derzeit keinen Zusammenhang mit dem laufenden Mordprozess.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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