Mindanao nach schwerem Erdbeben: Tsunami-Warnungen aufgehoben, mindestens 35 Tote
Nach dem schweren Seebeben vor der Küste der südphilippinischen Insel Mindanao sind die zunächst ausgegebenen Tsunami-Warnungen wieder aufgehoben worden. Das Erdbeben der Stärke 7,8 erschütterte die Region am Montagmorgen um 7.37 Uhr Ortszeit, ließ Gebäude einstürzen und löste in vielen Orten Panik aus. Besonders stark betroffen waren die Provinz Sarangani sowie General Santos City mit rund 700.000 Einwohnern.
Nach Angaben der örtlichen Behörden kamen inzwischen mindestens 35 Menschen ums Leben. Rund 144 weitere Menschen wurden verletzt. Zudem gelten nach Angaben des Katastrophenschutzes derzeit vier Personen als vermisst. Die Erfassung weiterer Opfer und das genaue Ausmaß der Schäden dauern jedoch weiter an.
Mehr als ein Dutzend Todesopfer wurden den Behörden zufolge bei einem Erdrutsch in der Gemeinde Glan registriert. In General Santos City wurden mindestens zehn Tote gemeldet. Die Hafenstadt im Süden Mindanaos ist auch international für ihre Thunfischindustrie bekannt.
Epizentrum vor Sarangani, Hunderte Nachbeben
Nach Angaben des philippinischen Instituts für Vulkanologie und Seismologie (Phivolcs) lag das Epizentrum südwestlich der Gemeinde Maasim in der Provinz Sarangani in rund 55 Kilometern Tiefe. Auch die US-Erdbebenwarte USGS gab die Magnitude mit 7,8 an.
Auf das Hauptbeben folgten zahlreiche teils starke Nachbeben. Phivolcs sprach von mehr als 250 Erschütterungen. Das stärkste Nachbeben erreichte demnach eine Magnitude von 6,7.
Tsunami-Warnungen auf den Philippinen und in Indonesien aufgehoben
Unmittelbar nach dem Beben waren Bewohner vieler Küstenorte auf Mindanao aufgefordert worden, sich in höher gelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen. Auch in Indonesien und in Teilen Japans wurden Warnhinweise ausgegeben.
Mehrere Stunden später hob das US-Tsunami-Warnzentrum seine Warnung wieder auf. Zuvor hatte die Behörde vor möglichen Wellen von bis zu drei Metern Höhe gewarnt. Phivolcs registrierte in mehreren Küstengebieten Flutwellen von bis zu 1,4 Metern Höhe und stellte seine Warnung am Nachmittag ebenfalls ein.
Auch in Indonesien, wo die Erdstöße ebenfalls deutlich zu spüren waren, wurden kleinere Tsunami-Wellen gemessen. Nach Behördenangaben stieg der Meeresspiegel dort jedoch nur leicht an. Die dortige Tsunami-Warnung wurde ebenfalls aufgehoben.
Schäden an Schulen, Krankenhäusern und Kirchen
Örtlichen Medien und Behörden zufolge stürzten auf Mindanao mehrere Gebäude teilweise oder ganz ein. Die philippinische Katastrophenschutzbehörde meldete Schäden unter anderem an Schulen, Krankenhäusern, Einkaufszentren und Kirchen. Auch weitere Infrastruktur sowie Strom- und Kommunikationsnetze wurden in Mitleidenschaft gezogen.
Besonders heftig waren die Erdstöße in General Santos City zu spüren. Dort wurde der internationale Flughafen vorübergehend geschlossen.
In der Provinz Davao del Sur stürzte an einer Schule nach Angaben der Schulleitung ein Gebäude ein. Verletzt wurde dort niemand. „Zum Glück fand gerade unsere Flaggenzeremonie statt und alle waren draußen“, sagte Schulleiterin Elene Marie Jane Gamboa. Das Gebäude war demnach bereits bei einem Erdbeben im Jahr 2019 beschädigt worden und sollte ohnehin abgerissen werden.
Panik am ersten Schultag des neuen Schuljahres
Das Beben traf die Region am ersten Schultag des neuen Schuljahres. An vielen Schulen und in Behörden fanden zu diesem Zeitpunkt Flaggenzeremonien statt. Das erwies sich vielerorts als Glück im Unglück, weil sich zahlreiche Schüler, Lehrkräfte und Beschäftigte bereits im Freien aufhielten.
Der Unterricht wurde in den betroffenen Gebieten auf allen Bildungsstufen ausgesetzt. Zudem wurde die Arbeit in vielen öffentlichen und privaten Einrichtungen vorübergehend eingestellt.
Aus den betroffenen Gebieten wurden panische Szenen gemeldet. Viele Menschen rannten aus Angst auf die Straßen. Augenzeugen beschrieben die Erschütterungen als so heftig, dass sie sich kaum hätten bewegen können.
„Ich dachte, es wäre mein Ende. Ich habe einfach angefangen zu beten“, sagte die Provinzreporterin Noreen Ygonia lokalen Medien. „Es hat so heftig gebebt, dass ich mich kaum bewegen konnte.“ Eine Bewohnerin aus Koronadal berichtete: „Wir haben nur noch geschrien, weil wir solche Angst hatten.“
Präsident sichert Hilfe zu
Präsident Ferdinand Marcos Jr. ordnete unmittelbar nach dem Beben Hilfs- und Schutzmaßnahmen an und sicherte den Betroffenen staatliche Unterstützung zu. Die nationale Regierung werde Mindanao nicht alleinlassen, erklärte er. Zugleich betonte er, er stehe in ständigem Kontakt mit den regionalen Behörden.
Die Bevölkerung rief er zuvor eindringlich dazu auf, Anweisungen der Einsatzkräfte zu befolgen und ohne Zögern höher gelegene Orte aufzusuchen. „Begeben Sie sich jetzt in höher gelegene Gebiete. Warten Sie nicht“, mahnte er. Das Leben der Menschen sei wichtiger als alles, was sie zurücklassen müssten.
Region liegt am Pazifischen Feuerring
Die Philippinen und Indonesien liegen am sogenannten Pazifischen Feuerring, einem gewaltigen hufeisenförmigen Vulkangürtel rund um den Pazifik. Dort treten besonders häufig starke Erdbeben und Vulkanausbrüche auf, weil mehrere Erdplatten aufeinandertreffen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion