Wenn Vögel Richtung Süden aufbrechen
Mit dem Herbst beginnt für Millionen Vögel die Zeit des Wegzugs. In Bayern lassen sich manche Arten dabei gut beobachten: Einige ziehen in großen Schwärmen über den Himmel, andere sind allein unterwegs oder fliegen nur nachts. Während etliche Tiere bereits in wärmere Regionen aufgebrochen sind, stehen viele jetzt erst am Anfang ihrer Reise.
Nach Angaben von Angelika Nelson vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz ist das Zugverhalten von Vögeln von mehreren Einflüssen abhängig. Ein Teil davon sei genetisch festgelegt: Wenn die Tage kürzer werden, setze bei Zugvögeln eine innere Unruhe ein, die sie zum Aufbruch dränge.
Daneben spielten aber auch Wetter und Nahrungsangebot eine wichtige Rolle. Bei Regen oder starkem Gegenwind blieben viele Vögel zunächst am Boden. Sobald jedoch Frost einsetze und Insekten knapp würden, müssten vor allem insektenfressende Arten weiterziehen.
Kraniche, Gänse und Stare als auffällige Herbstgäste
Besonders eindrucksvoll ist jedes Jahr der Zug der Kraniche. Sie sind leicht an ihrer typischen V-Formation und ihren weit hörbaren trompetenden Rufen zu erkennen. Zwar gebe es inzwischen auch einzelne Brutpaare in Bayern, der Großteil brüte jedoch weiter nördlich in Deutschland. In Bayern seien Kraniche daher meist nur auf dem Weg in den Mittelmeerraum oder nach Nordafrika zu sehen.
Anders sieht es bei den Graugänsen aus. Sie haben sich laut Nelson inzwischen stärker in Bayern ausgebreitet. Auch sie fliegen oft in V-Formation, wirken jedoch kleiner und kompakter als Kraniche. Viele Graugänse blieben sogar über den Winter im Freistaat und versammelten sich dann in größeren Gruppen an Gewässern sowie auf abgeernteten Wiesen und Feldern, wo sie nach Nahrung suchten.

Gut zu beobachten sind im Herbst außerdem Stare. Sie schließen sich zu großen Schwärmen zusammen und ziehen dorthin, wo ausreichend Futter zu finden ist. Als Kurzstreckenzieher seien sie beweglicher als Langstreckenzieher wie der Weißstorch, der früh genug starten müsse, um rechtzeitig Afrika zu erreichen. Stare überwintern häufig in klimatisch milderen Teilen Mitteleuropas.
Manche Arten sind schon lange weg
Einige Vogelarten haben Bayern zu diesem Zeitpunkt bereits längst verlassen. Der Kuckuck etwa erreicht sein Winterquartier im tropischen Afrika schon deutlich früher und ist meist bereits Ende Juli oder Anfang August verschwunden. Auch Mauersegler brechen schon zu dieser Zeit auf. Oft seien sie vorher noch in größeren, laut rufenden Gruppen über Städten unterwegs, bevor sie plötzlich nicht mehr zu sehen seien.
Nicht alle Vögel verlassen Bayern
Zugzwang besteht vor allem für Insektenfresser, weil sie in den Wintermonaten hier kaum Nahrung finden. Andere Arten bleiben dagegen im Land. Körnerfresser wie Meisen, Sperlinge oder Finken seien im Winter teilweise sogar häufiger wahrzunehmen, da viele Tiere aus den Wäldern an Futterstellen in Ortschaften kämen.
Dabei ist ein Vogel im Garten nicht unbedingt derselbe wie im Sommer. Nelson zufolge überwintern in Bayern teils Amseln oder Rotkehlchen aus nördlicheren Regionen, während heimische Tiere derselben Arten weiter in den Süden ziehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber