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«Tanmaxxing»-Trend: Warum Experten Alarm schlagen

„Tanmaxxing“ feiert Sonnenbrand als Trend – Hautärzte warnen: Was harmlos wirkt, kann im schlimmsten Fall tödlich enden.

06.08.2026, 04:30 Uhr

Ein bedenklicher Social-Media-Trend setzt vor allem Jugendliche und junge Erwachsene massiven Gesundheitsrisiken aus: Um möglichst schnell stark gebräunte oder gerötete Haut zu bekommen, legen sich viele gezielt in die intensive Mittagssonne, verzichten auf Sonnencreme oder verwenden Bräunungsöle und sogenannte Tan-Booster.

Der Leiter der Hautklinik an der Asklepios Klinik Hamburg-St. Georg, Christian Sander, warnt eindringlich vor den Folgen. Ein Sonnenbrand sei weder ein modisches Statement noch ein gewünschter Look, sondern eine akute Verletzung der Hautzellen. Damit steige zugleich das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken. In sozialen Netzwerken verbreitet sich das Verhalten unter Begriffen wie „Tanmaxxing“ oder „UV-Maxxing“.

Mediziner warnt: Keine Bräune ist wirklich harmlos

Nach Einschätzung des Dermatologen wird leicht gerötete Haut im Netz oft verharmlost und als attraktiver „Sunburn-Look“ dargestellt. Plattform-Algorithmen trügen zusätzlich dazu bei, solche fragwürdigen Schönheitsideale zu verstärken. Aus medizinischer Sicht gebe es jedoch weder einen gesunden Sonnenbrand noch eine risikofreie Bräune. Bereits eine Rötung zeige, dass eine Entzündung eingesetzt habe und die DNA der Hautzellen geschädigt worden sei.

Die Haut reagiere auf UV-Strahlung mit entzündlichen Prozessen. Die Vorstellung, man könne sie durch wiederholtes „Anbrennen“ an Sonne gewöhnen oder daraus sogar einen Trend machen, sei ein gefährlicher Irrtum – mit im schlimmsten Fall tödlichen Konsequenzen.

Sander fordert deshalb Eltern und Lehrkräfte auf, das Thema offen anzusprechen. Trends in sozialen Medien seien oft nur kurzlebig, die Folgen für die Haut blieben dagegen dauerhaft. Unverzichtbar seien konsequenter Schutz mit Lichtschutzfaktor 50 sowie das Meiden der intensiven Mittagssonne.

UV-Belastung steigt weiter an

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) wächst die Gefahr zusätzlich, weil die UV-Strahlung insgesamt zunimmt. Messdaten aus Dortmund und dem Raum Brüssel zeigen, dass die monatliche UV-Belastung zwischen 1997 und 2022 in Dortmund um mehr als zehn Prozent gestiegen ist. In der Region Brüssel lag der Zuwachs sogar bei fast 20 Prozent.

Als Hauptgrund nennen Forschende Veränderungen bei der Bewölkung und damit längere Sonnenscheindauer – womöglich als Folge des Klimawandels.

Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am DKFZ, rät deshalb zu einem bewussten Umgang mit UV-Strahlung und zu konsequentem, dem jeweiligen Hauttyp angepasstem Sonnenschutz. Das gelte nicht nur im Hochsommer, sondern bereits im Frühjahr – auch bei bedecktem Himmel oder wechselhaftem Wetter. Ihre Warnung: Die Haut vergesse keine Schäden. Selbst wenn sich ein Sonnenbrand äußerlich zurückbilde, könnten die Folgen noch Jahre später zur Entstehung von Hautkrebs beitragen.

Hautkrebszahlen deutlich gestiegen

Wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, hat sich die Zahl der Hautkrebs-Patienten in deutschen Kliniken innerhalb von 20 Jahren nahezu verdoppelt. Im Jahr 2024 wurden demnach 120.100 Menschen stationär wegen Hautkrebs behandelt. Das entspricht einem Plus von 95 Prozent im Vergleich zu 2004.

Auch die Zahl der Todesfälle ist gestiegen: 4.600 Menschen starben 2024 an Hautkrebs – 65 Prozent mehr als noch zwei Jahrzehnte zuvor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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