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Studie: Waldbrand-Gefahr in Südeuropa explodiert

Aus 10 wurden 25 Tage: In Spanien und Portugal eskaliert die Brandgefahr. Forscher warnen vor einer neuen Feuer-Ära.

30.07.2026, 17:00 Uhr

Während Frankreich und Spanien weiterhin gegen großflächige Waldbrände ankämpfen, warnt eine neue Studie vor einer besorgniserregenden Entwicklung: In Südeuropa hat sich die Zahl der Sommertage mit hoher Waldbrandgefahr seit 1981 verdoppelt. Betroffen sind demnach weite Teile der Iberischen Halbinsel sowie Frankreich, Italien und Griechenland. Die Untersuchung wurde im Fachjournal Scientific Reports veröffentlicht.

Region steuert auf Phase extremer Brandgefahr zu

Die Forschenden um Raúl Cordero von der niederländischen University of Groningen schreiben, Südeuropa scheine in eine Zeit außergewöhnlich hoher Brandgefahr einzutreten. Solches sogenanntes „Feuerwetter“ entsteht vor allem durch hohe Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit, Trockenheit und starken Wind. Nach Einschätzung des Teams sorgt der Klimawandel dafür, dass diese gefährlichen Bedingungen deutlich häufiger auftreten.

Besonders stark zeigt sich der Trend laut Studie auf der Iberischen Halbinsel. In manchen Regionen Portugals und Spaniens traten diese heißen, trockenen und windigen Wetterlagen zwischen 1981 und 2010 im Mittel an weniger als zehn Sommertagen auf. Im vergangenen Jahrzehnt wurden dort dagegen bis zu 25 solcher extremen Tage pro Sommer registriert.

Weniger Feuer insgesamt – aber gefährlichere Großbrände

Zu den überraschenderen Ergebnissen der Studie gehört, dass es in Südeuropa im vergangenen Jahrzehnt durchschnittlich weniger Waldbrände gab als früher. Auch die verbrannte Fläche fiel in den meisten Ländern kleiner aus als noch in den 1980er Jahren. Die Autorinnen und Autoren führen das vor allem auf Fortschritte beim Waldbrandmanagement zurück, etwa durch besser ausgebildete Feuerwehren, mehr Löschflugzeuge, zusätzliche Brandschneisen und eine intensivere Aufklärung der Bevölkerung.

Waldbrände in Spanien
Mehr Feuerwehr und mehr Löschflugzeuge können nicht allein die Lösung sein, meinen Fachleute. Quelle: Ángel Sánchez/EUROPA PRESS/dpa

Gleichzeitig warnen sie jedoch vor einem Nebeneffekt: Wenn Brände häufiger schnell gelöscht werden, kann sich mehr brennbares Material in der Landschaft ansammeln. In Verbindung mit den durch den Klimawandel verschärften Wetterlagen steigt dadurch das Risiko seltenerer, aber deutlich heftigerer und schwer kontrollierbarer Megabrände. Als Beispiel nennt die Studie Spanien, wo 2022 und 2025 deutlich mehr Fläche verbrannte als im Jahresdurchschnitt der Jahre 1981 bis 2010.

Die Forschenden sehen in Europa insgesamt einen Trend zu größeren und intensiveren Brandereignissen. Um solche Großfeuer einzudämmen, empfehlen sie unter anderem kontrollierte, gezielte Vegetationsbrände sowie eine eher maßvolle statt maximal aggressive Brandbekämpfung.

Experten fordern neuen Fokus im Katastrophenschutz

Peter Horne, Leiter des Klimaforschungszentrums Icarus an der irischen Maynooth University, der nicht an der Studie beteiligt war, betont, dass Waldbrände zwar kein neues Phänomen seien, heute aber durch den Klimawandel zusätzlich angeheizt würden. Die Hitzewellen dieses Jahres in Südeuropa wären ohne den Klimawandel praktisch nicht möglich gewesen. Sie hätten die Landschaft in kürzester Zeit ausgetrocknet und damit ein enormes Brandrisiko geschaffen.

Auch Fernando Medina, Geographieprofessor an der Universität Las Palmas de Gran Canaria, hält ein Umdenken für notwendig. Angesichts besonders intensiver und dynamischer Brände reiche es nicht mehr, den Schwerpunkt allein auf das Löschen der Feuer zu legen. Vorrang müsse der Schutz der Bevölkerung haben. Im Zeitalter extremer Waldbrände dürfe der Erfolg nicht nur danach beurteilt werden, wie viele Hektar verbrannt seien, sondern vor allem danach, wie viele Menschen in Sicherheit gebracht und geschützt werden konnten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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