Bayern

Dieses neue Amt soll Bayern vor Katastrophen retten

Neue Kommandozentrale in Bayern: 85 Kräfte, Polizei direkt daneben – was das im Katastrophenfall wirklich verändert

30.07.2026, 16:28 Uhr

Bayern richtet erstes Landesamt für Bevölkerungsschutz ein

Bei schweren Hochwasserlagen oder anderen Katastrophen mit vielen Betroffenen soll in Bayern künftig ein neues Landesamt für Bevölkerungsschutz die zentrale Koordination übernehmen. Nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München handelt es sich dabei um die erste Behörde dieser Art in Deutschland.

Anhand eines angenommenen Hochwasserszenarios mit Evakuierungen, Verletzten und Vermissten zeigte die Führungsgruppe Katastrophenschutz, wie der Ernstfall bewältigt werden soll. Gesteuert werden die Einsätze aus einer Zentrale im Innenministerium. Dafür wird das bereits bestehende Melde- und Lagezentrum personell verstärkt, das schon jetzt rund um die Uhr besetzt ist.

Enge Abstimmung unter einem Dach

Auch die Koordinierungsgruppe der Polizei sitzt im selben Gebäude, damit Entscheidungen schnell und abgestimmt getroffen werden können. Für das neue Landesamt wird die bisherige Abteilung für Feuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz umgebaut und erweitert. Ziel ist es auch, doppelte Strukturen innerhalb des Ministeriums zu vermeiden.

Mit der neuen Behörde will der Freistaat seine Fähigkeiten im Katastrophenschutz und in der Zivilverteidigung ausbauen. Herrmann verwies dabei auf zunehmende Naturereignisse wie die Überschwemmungen im Frühsommer 2024 in Südbayern.

Reaktion auf neue Risiken

Als weiteren Grund nannte der Minister die veränderte geopolitische Lage und mögliche kriegerische Bedrohungen. Bayern brauche einen umfassenden Ansatz, der den Bevölkerungsschutz in seiner ganzen Breite abdecke, sagte Herrmann. Offiziell hat das Landesamt bereits Mitte April seine Arbeit aufgenommen.

Kritik kommt aus der Opposition. Florian Siekmann, Innenexperte der Grünen im Landtag, sieht weiterhin großen Nachholbedarf etwa bei Ausrüstung sowie Warn- und Sirenensystemen. Das neue Landesamt müsse außerdem ein klares eigenes Profil entwickeln und dürfe nicht bloß als umbenannte Einheit des Innenministeriums wahrgenommen werden.

Zweifel an Personal und Ausstattung

Auch die SPD äußerte Vorbehalte. Die innenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Christiane Feichtmeier, erklärte, mit der neuen Kommandozentrale sei noch nicht geklärt, ob in Bayern überhaupt ausreichend Einsatzkräfte, Material und Reserven vorhanden seien, die von dort aus koordiniert werden könnten.

Als Beleg verwies sie auf den aktuellen Waldbrand in den Chiemgauer Alpen. Dieser zeige, dass die bisherigen Maßnahmen nicht genügten. Nach Ansicht der SPD braucht Bayern eine schlagkräftige Spezialeinheit, die in Notlagen rasch zum Einsatz kommen kann.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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