Bericht warnt vor drastischen Folgen für die weltweiten Eisreserven
Der fortschreitende Klimawandel könnte gravierende Auswirkungen auf die Kryosphäre haben – also auf Eisschilde, Gletscher und Permafrost. Darauf weisen das UN-Umweltprogramm UNEP und die International Cryosphere Climate Initiative in einem aktuellen Bericht hin. Besonders bedroht seien demnach Küstengebiete und Bergregionen, wo steigende Meeresspiegel, häufigere Naturgefahren und unsichere Wasserverfügbarkeit spürbar zunehmen könnten.
Eigentlich hatte sich die Staatengemeinschaft zum Ziel gesetzt, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen dürfte diese Marke jedoch zumindest zeitweise überschritten werden. Ein solches vorübergehendes Überschreiten wird als „Overshoot“ bezeichnet.
Um diese Entwicklung später wieder umzukehren, wären in Zukunft sogenannte Negativ-Emissionen nötig. Das bedeutet, dass der Atmosphäre mehr Kohlendioxid entzogen werden müsste, als gleichzeitig neu ausgestoßen wird.
Überschreitung möglichst gering halten
James Kirkham, leitender Autor des Berichts, betont, dass das Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze so klein wie möglich ausfallen müsse. Nur wenn die Temperaturen rasch wieder deutlich unter diese Marke sinken, ließen sich die Schäden durch schwindendes Eis in Polar- und Hochgebirgsregionen begrenzen.
Schon jetzt seien die Veränderungen massiv: Laut Bericht verlieren die Eismassen in Grönland und der Antarktis heute etwa sechsmal schneller an Masse als noch in den 1990er Jahren.

Eis reagiert empfindlich auf jedes zusätzliche Zehntelgrad
Die zentrale Aussage des Berichts lautet, dass selbst ein nur vorübergehender Temperaturanstieg über 1,5 Grad deutliche und teils unumkehrbare Folgen für die globalen Eisvorkommen hätte.
- Meeresspiegelanstieg: Je länger und stärker die Erwärmung über 1,5 Grad hinausgeht, desto größer dürfte der Anstieg der Ozeane ausfallen. Instabilere Eisschilde könnten über die kommenden Jahrhunderte einen Meeresspiegelanstieg von mehreren Metern verursachen. Für viele Küstenräume und tiefliegende Gebiete wäre das kaum noch beherrschbar.
- Gefahren in Gebirgsregionen: Wenn Gletscher und Schneedecken weiter schwinden, steigt in den Bergen das Risiko von Eis- und Gerölllawinen, Felsstürzen und Wasserknappheit. Zugleich könnten die Schwankungen bei der Wasserverfügbarkeit deutlich extremer werden.
- Tauender Permafrost: Das Auftauen dauerhaft gefrorener Böden habe bereits bei weniger als einem Grad Erwärmung eingesetzt und nehme mit jedem weiteren Temperaturanstieg zu. Dabei werden nicht nur erhebliche Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Auch Gebäude, Straßen und andere Infrastruktur verlieren an Stabilität. Zudem wachsen die Risiken von Hangrutschen und Waldbränden.
Klimaschutz kann die Folgen zumindest bremsen
Pam Pearson, Direktorin der International Cryosphere Climate Initiative, vergleicht die Lage mit einer verpassten Autobahnausfahrt: Wer das Ziel noch erreichen wolle, müsse bei nächster Gelegenheit umkehren – einfach weiterzufahren verschlimmere das Problem nur.
Nach Einschätzung des Berichts ist ein Meeresspiegelanstieg um mehrere Meter langfristig kaum noch vollständig zu verhindern. Konsequenter Klimaschutz könne das Tempo dieses Anstiegs jedoch bremsen und damit die Anpassung für Gesellschaften erleichtern.
Die nötigen Lösungen seien bekannt: Der Ausbau erneuerbarer Energien und moderner Batteriespeicher schreite voran, während die Abhängigkeit von Kohle und Öl sinke. Entscheidend sei nun, diesen Kurs entschlossen fortzusetzen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber