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Genetik-Legende Craig Venter ist tot

Er entschlüsselte unser Erbgut und schuf künstliches Leben: Genom-Pionier Craig Venter ist mit 79 Jahren gestorben.

30.04.2026, 10:09 Uhr

Genforschungs-Pionier Craig Venter mit 79 Jahren gestorben

Der US-amerikanische Genforscher Craig Venter ist tot. Der Wissenschaftler starb am Mittwoch (Ortszeit) im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus in San Diego, wie das von ihm gegründete J. Craig Venter Institute (JCVI) mitteilte.

Nach Angaben des Instituts traten bei einer Therapie gegen eine erst kürzlich diagnostizierte Krebserkrankung unerwartete Nebenwirkungen auf. Venter starb demnach nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt.

Venter galt als eine Schlüsselfigur bei der Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Später veröffentlichte er mit seinem eigenen Erbgut auch die erste genetische Blaupause eines einzelnen Menschen. Aus den darin erkennbaren Risikofaktoren – darunter ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko – zog er persönliche Konsequenzen und nahm vorbeugend Medikamente ein.

Sein Ziel war es über Jahrzehnte, Alterungsprozesse besser zu verstehen und die Lebensspanne in guter Gesundheit zu verlängern. Einmal sagte Venter, das Wissen um genetische Risiken bedeute Macht – nämlich die Möglichkeit, ihnen entgegenzuwirken. Später gründete er ein eigenes Unternehmen, das sich der Verlängerung der „gesunden Lebenszeit“ widmete.

Geboren wurde Venter am 14. Oktober 1946 in Salt Lake City als Sohn eines deutschstämmigen Buchhalters. Nach eigenen Schilderungen nahm er die Schule zunächst nicht allzu ernst und ging lieber surfen. Später wurde er eingezogen und arbeitete während des Vietnam-Kriegs als Sanitäter in einem Krankenhaus der US-Marine.

Danach studierte er in Kalifornien und spezialisierte sich auf Biochemie. Ende der 1990er Jahre lieferte er sich ein viel beachtetes Rennen mit einem internationalen, staatlich geförderten Forschungsteam um die Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Nach rund 15 Monaten erreichte sein Team nahezu zeitgleich mit dem Human Genome Project das Ziel. Venter selbst bezeichnete dieses Tempo später drastisch als Arbeit „wie auf Steroiden und Kokain“.

Seine Leistungen machten ihn weltberühmt. Venter war zudem maßgeblich an der Entwicklung des ersten Bakteriums mit künstlich erzeugtem Erbgut beteiligt. Nach Einschätzung seines Instituts half er entscheidend dabei, die Genforschung von einer eher langsamen Grundlagenwissenschaft zu einer skalierbaren, datengestützten Disziplin weiterzuentwickeln.

Immer wieder kündigte er ambitionierte Projekte an: von künstlich erzeugten Organismen über neue Energieansätze bis hin zur massenhaften Entschlüsselung menschlicher Genome, um riesige Datenmengen für die Forschung nutzbar zu machen. Zugleich setzte er sich für interdisziplinäre Teams sowie schnelle und effiziente Forschungsmethoden ein.

Der langjährige Institutschef war jedoch auch umstritten. Kritiker warfen ihm im Verlauf seiner Karriere wiederholt Größenwahn, Narzissmus und einen stark ausgeprägten Geschäftssinn vor. Dennoch wurde Venter mit zahlreichen Preisen geehrt und bewies mehrfach, dass er Vorhaben umsetzen konnte, die vielen zuvor unmöglich erschienen.

JCVI-Präsident Anders Dale erklärte zum Tod des Forschers, Venter habe stets daran geglaubt, dass Wissenschaft nur dann vorankomme, wenn Menschen bereit seien, über den Tellerrand hinauszuschauen, entschlossen zu handeln und Neues zu schaffen. Sein Institut wolle diese Mission fortsetzen und die Genforschung auch mit breiten Partnerschaften weiter voranbringen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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