Allgemein

Unglaublich: Vor 60 Jahren schwamm Moby Dick im Rhein

Ein verirrter Wal, verzweifelte Rettungsaktionen und Tausende Schaulustige: Dieses Drama gab es schon einmal. Vor 60 Jahren tauchte „Moby Dick“ im Rhein auf – und wochenlang fragte sich das ganze Land: Wird er es schaffen?

29.04.2026, 06:12 Uhr

Verirrter Wal im Rhein bewegte schon 1966 ganz Deutschland

Ein Wal in ungewohnter Umgebung sorgt derzeit vor Poel in der Ostsee für Aufsehen. Ein ähnlicher Fall hatte Deutschland jedoch schon vor fast 60 Jahren beschäftigt: Damals tauchte ein Belugawal im Rhein auf und wurde landesweit zur Sensation. Auch damals versuchten Helfer, das Tier zurück ins Meer zu bringen – allerdings mit deutlich härteren Mitteln als heute.

Unglaubliche Entdeckung bei Duisburg

Die Geschichte nahm am 18. Mai 1966 ihren Anfang. Zwei Rheinschiffer meldeten bei Duisburg einen weißen Wal im Fluss. Zunächst reagierten die alarmierten Beamten der Wasserschutzpolizei offenbar skeptisch. Einige Berichte erzählen sogar, dass die beiden Männer erst einmal einen Alkoholtest machen sollten.

Doch der Wal war tatsächlich da: ein etwa vier Meter langer Beluga, eigentlich zuhause in den eisigen Regionen der Arktis. Rund einen Monat lang zog das Tier durch den Rhein, schwamm stromaufwärts an Düsseldorf und Köln vorbei bis nach Rolandseck in Rheinland-Pfalz.

Menschenmassen am Ufer

Wochenlang strömten Schaulustige an die Ufer des Rheins, um einen Blick auf den ungewöhnlichen Besucher zu erhaschen. Zeitzeugen erinnerten sich später daran, dass man ihn manchmal an seiner hochspritzenden Wasserfontäne erkennen konnte.

Als der Wal in Bonn am damaligen Bundestag vorbeischwamm, zog er selbst die Aufmerksamkeit der Politik auf sich. Korrespondenten berichteten, die Pressetribüne sei plötzlich leer gewesen. Auf einem Ausflugsschiff namens „Bismarck“ führte der Anblick des Tieres sogar beinahe zu einem Zwischenfall: Weil alle Passagiere gleichzeitig zur Reling liefen, bekam das Schiff starke Schlagseite. Laut Steuermann fielen dabei sogar Geschirr und Gläser aus den Schränken.

Warum der Beluga in den Rhein geriet, bleibt unklar

Weshalb sich der Meeresbewohner ausgerechnet in den damals durch Industrie stark belasteten Rhein verirrte, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Im Laufe der Jahre kursierten zahlreiche Geschichten, darunter auch die Erzählung, der Wal sei auf dem Weg in einen britischen Zoo gewesen und bei Sturm von Bord eines Schiffes gespült worden.

Eine wissenschaftlich gesicherte Erklärung gibt es jedoch nicht. Zwar können Belugas auch in flacheren Gewässern leben, doch eine so weite Wanderung flussaufwärts über viele hundert Kilometer gilt als äußerst ungewöhnlich.

Umstrittene Rettungsaktionen

Schon damals versuchten mehrere Initiativen, dem Tier den Rückweg ins Meer zu ermöglichen. Schiffe nahmen die Verfolgung auf und versuchten, den Wal zu treiben. Mit Netzen und Stangen sollte er in die richtige Richtung gelenkt werden, außerdem kamen sogar Betäubungsgewehre zum Einsatz. Zeitweise stand auch die Idee im Raum, den Beluga als Attraktion in den Duisburger Zoo zu bringen.

Viele dieser Maßnahmen waren bereits damals heftig umstritten. Dennoch blieben sie ohne Erfolg. Der Wal, der vielerorts den Namen „Moby Dick“ erhielt, schwamm immer wieder den Rhein auf und ab, fand den Weg Richtung Meer aber zunächst nicht. Im Laufe der Zeit verlor er zudem seine leuchtend weiße Färbung und wirkte zunehmend grau und fleckig.

Rückkehr in die Nordsee – und dann verliert sich seine Spur

Erst nach vier Wochen gelang es dem Tier aus eigener Kraft, Kurs auf die Rheinmündung in den Niederlanden zu nehmen. Am 16. Juni 1966 erreichte der Belugawal schließlich die Nordsee.

Dort verliert sich seine Spur. Ob er es tatsächlich zurück in seine arktische Heimat geschafft hat, ist bis heute unbekannt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen