Bayreuth setzt bei NS-Aufarbeitung nur noch auf ein kleines Konzept
Aus den ursprünglichen Plänen für ein NS-Dokumentationszentrum in Bayreuth wird keine große Einrichtung. Eine Mehrheit im Stadtrat lehnte das Vorhaben ab, im ehemaligen Wohnhaus von Houston Stewart Chamberlain ein solches Zentrum unterzubringen. Stattdessen sprach sich das Gremium dafür aus, den Schwerpunkt künftig auf digitale Angebote zu legen.
Ein festes, öffentlich zugängliches Dokumentationszentrum wird es damit nicht geben. Das Gebäude soll dennoch saniert werden. Nach Angaben eines Sprechers der Stadt sind dafür rund drei Millionen Euro vorgesehen. Derzeit ist dort das Jean-Paul-Museum untergebracht. Das Haus befindet sich unmittelbar neben dem Wagnerschen Wohnhaus Wahnfried, in dem heute das Richard-Wagner-Museum angesiedelt ist.
Finanzlage als entscheidender Faktor
Die Diskussion über ein NS-Dokuzentrum beschäftigt Bayreuth bereits seit Jahren. Zuletzt wog vor allem das Argument knapper finanzieller Mittel schwer. Deshalb entschied man sich nun für digitale Formate. Diese sollen unter anderem Projekte der aufsuchenden Bildungsarbeit ermöglichen, etwa an Schulen. Auch temporäre Angebote in leerstehenden Gebäuden oder im öffentlichen Raum sowie eine stärkere Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Einrichtungen gelten als mögliche Bausteine.
Bayreuth, Wagner und die NS-Ideologie
Im Umfeld der Bayreuther Festspiele entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein ideologisches Milieu, das von Rassismus, Antisemitismus und völkischem Denken geprägt war. Die Nationalsozialisten griffen diese Strömungen später gezielt auf. Adolf Hitler, ein begeisterter Verehrer Richard Wagners, hielt sich häufig in Bayreuth auf und pflegte enge Kontakte zur Wagner-Familie.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion