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Darum sind Bluetooth-Kopfhörer wohl doch harmlos

Machen Bluetooth-Kopfhörer krank? Im Netz kursieren Alarmrufe – doch was Studien wirklich zeigen, überrascht.

11.05.2026, 06:00 Uhr

Bluetooth-Kopfhörer: Keine Belege für Gesundheitsgefahr durch Strahlung

Ob beim Sport, auf dem Weg zur Arbeit oder im Alltag: Bluetooth-Kopfhörer gehören für viele Menschen längst dazu. Im Internet tauchen jedoch immer wieder Warnungen auf, wonach die Geräte wegen ihrer Strahlung das Gehirn schädigen oder sogar Krebs auslösen könnten. Fachleute widersprechen dieser Darstellung.

Behauptung

Die von Bluetooth-Kopfhörern ausgesandte Strahlung sei gesundheitsschädlich, greife das Gehirn an und könne Krebs verursachen.

Einschätzung

Falsch. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand gibt es keine Belege dafür, dass Bluetooth-Kopfhörer gesundheitsschädliche Wirkungen haben.

Was dahintersteckt

Bluetooth-Kopfhörer senden hochfrequente elektromagnetische Felder aus. Dabei nutzen sie einen Frequenzbereich von etwa 2,45 Gigahertz – ähnlich wie WLAN oder auch Mikrowellenherde. Für mögliche gesundheitliche Effekte ist jedoch nicht nur die Frequenz entscheidend, sondern vor allem die abgestrahlte Leistung.

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) arbeiten Bluetooth-Kopfhörer nur mit sehr geringer Leistung im Milliwatt-Bereich. Während ein Mikrowellenherd ungefähr 1000 Watt nutzt, kommen typische Bluetooth-Geräte lediglich auf etwa 0,0025 Watt.

Der wissenschaftliche Referent Florian Kohn vom Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder des BfS erklärt, diese Leistung sei so niedrig, dass dadurch keine relevante Erwärmung des Gewebes am Ohr entstehe.

Smartphones senden deutlich stärker

Die Wirkung elektromagnetischer Strahlung auf den menschlichen Körper ist seit Langem Gegenstand intensiver Forschung. Für Geräte gelten deshalb gesetzliche Grenzwerte und technische Normen. Eine wichtige Kennzahl ist die sogenannte spezifische Absorptionsrate, kurz SAR. Sie beschreibt, wie viel Energie vom Körpergewebe aufgenommen wird.

Ein Sender, viele Hörer: Bluetooth bekommt Broadcast-Modus
Viele Menschen tragen Kopfhörer im Ohr. (Symbolbild) Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa/dpa-tmn

Bei Smartphones liegt die maximale Sendeleistung laut BfS bei bis zu 200 Milliwatt beziehungsweise 0,2 Watt, im Alltag meist darunter. Der zulässige maximale SAR-Wert beträgt zwei Watt pro Kilogramm Körpergewebe. Bluetooth-Kopfhörer senden im Vergleich nur mit rund 2,5 Milliwatt, also 0,0025 Watt.

Auch Sarah Drießen vom Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit der Uniklinik Aachen betont, dass die SAR-Werte einzelner Bluetooth-Geräte in der Regel unter den empfohlenen Grenzwerten bleiben. Die Felder seien demnach zu schwach, um das Körpergewebe so stark zu erwärmen, dass daraus gesundheitliche Risiken entstehen.

Thomas Zwick, Leiter des Instituts für Hochfrequenztechnik und Elektronik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), verweist ebenfalls auf die Studienlage. Elektromagnetische Strahlung im Mikrowellenbereich sei vielfach untersucht worden. Einen Nachweis für Erkrankungen beim Menschen unter Einhaltung der Grenzwerte gebe es bislang nicht.

Kabelkopfhörer als Alternative?

Wer die Strahlenbelastung im Kopfbereich trotzdem möglichst gering halten möchte, kann kabelgebundene Kopfhörer nutzen. Allerdings weist Expertin Drießen darauf hin, dass das Smartphone dann oft näher am Körper getragen wird. Dadurch kann die Belastung durch das Handy unter Umständen sogar höher ausfallen.

Fazit

Die oft verbreitete Behauptung, Bluetooth-Kopfhörer seien wegen ihrer Strahlung gefährlich oder krebserregend, ist nach heutigem Wissensstand nicht haltbar. Entscheidend ist die sehr geringe Sendeleistung der Geräte, die deutlich unter der von Smartphones liegt und nach Einschätzung von Fachleuten keine gesundheitsschädlichen Effekte erwarten lässt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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