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Darum feiern Experten die Social-Media-Bremse

Social Media erst ab 15? Die EU plant harte Limits für Kinderkonten – Experten warnen: Das könnte alles verändern.

17.09.2026, 09:00 Uhr

EU-Pläne für Social Media bei Minderjährigen stoßen auf Zustimmung

Die geplanten Regeln der EU zur Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche werden von Fachleuten grundsätzlich positiv bewertet. Nach den Vorstellungen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sollen Kinder unter 13 Jahren künftig keinen Zugang mehr zu Plattformen wie TikTok, Snapchat oder Instagram haben.

Für 13- bis 15-Jährige ist vorgesehen, dass sie zunächst nur sogenannte „Mini-Konten“ verwenden dürfen. Diese sollen auf eine tägliche Nutzungsdauer von einer Stunde begrenzt sowie von den Eltern eingerichtet und begleitet werden. Eigene reguläre Accounts wären demnach erst ab 15 Jahren möglich.

Die Plattformen selbst sollen dafür sorgen, dass ihre Angebote sicherer gestaltet werden. Dazu zählen etwa Funktionen, die endloses Scrollen oder automatisch startende Videos einschränken. Auch Zeitlimits für die Nutzung und weitere Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen sind Teil der Überlegungen.

Fachleute sehen mehr als nur ein Verbot

Aus Sicht von Expertinnen und Experten geht der Vorstoß der EU über ein bloßes Social-Media-Verbot hinaus. Damit werde anerkannt, dass das Thema deutlich komplexer sei.

Die Wiener Unterhaltungsforscherin Kathrin Karsay betont, ein generelles Verbot für Jugendliche würde das Problem fälschlich allein dem Verhalten junger Menschen zuschreiben. Dadurch gerate die Verantwortung der Plattformbetreiber aus dem Blick.

Auch Isabel Brandhorst, Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen am Uniklinikum Tübingen, sieht in den Vorgaben eine Chance. Ihrer Einschätzung nach könnten die großen Tech-Konzerne dadurch gezwungen werden, ihre Angebote anzupassen. Wenn es zusätzlich gelinge, den Einstieg in soziale Medien auf ein höheres Alter zu verschieben, wäre bereits viel gewonnen.

Entscheidend ist die praktische Umsetzung

Zugleich verweisen Fachleute darauf, dass gute Absichten allein nicht ausreichen. Entscheidend sei, wie die Regeln in der Praxis kontrolliert und durchgesetzt werden. Ohne genauere Angaben dazu lasse sich auch nur schwer beurteilen, welche Folgen die Maßnahmen tatsächlich hätten.

Trotz möglicher Beschränkungen dürfte ein Teil der Kinder und Jugendlichen weiterhin soziale Netzwerke nutzen. Für Karsay bleibt daher die Frage offen, wie junge Menschen geschützt werden sollen, die die vorgesehenen Regeln umgehen.

Der Rechtsexperte Stephan Dreyer sieht durch die Pläne verschiedene Grund- und Menschenrechte berührt. Betroffen seien nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Eltern, Plattformanbieter und möglicherweise sämtliche Internetnutzer, falls Alterskontrollen eingeführt würden. Außerdem warnt er vor Nachteilen im Wettbewerb für neue Anbieter: Während etablierte Plattformen bereits große Nutzerbasen haben, müssten neue Dienste künftig wohl sämtliche Kontoinhaber überprüfen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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