Wirtschaft

Diesel-Schock: Deutschland zahlt Rekord

Schock an der Zapfsäule: Diesel knackt in Deutschland den nächsten Rekord. Warum Autofahrer jetzt besonders tief zahlen müssen.

17.09.2026, 08:45 Uhr

Nach Benzin hat nun auch Diesel in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht. Der bundesweite Tagesdurchschnitt lag am Mittwoch laut ADAC bei 2,453 Euro je Liter und damit 0,6 Cent über dem bisherigen Rekord aus dem April.

Benzin bleibt ebenfalls auf Rekordkurs. Für E10 wurden am Mittwoch im Schnitt 2,314 Euro pro Liter fällig. Das war bereits der fünfte Höchststand in Folge.

Gegenüber dem Vortag verteuerte sich Diesel um 3,1 Cent, E10 um 1,4 Cent. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar bewegen sich die Spritpreise auf außergewöhnlich hohem Niveau. Seit Ende August haben sie erneut deutlich angezogen. Zuletzt verschärfte sich die Lage durch neue Eskalationen am Persischen Golf und Sorgen um die Ölversorgung.

Im Vergleich zum letzten Tag vor Kriegsbeginn kostet Diesel derzeit knapp 71 Cent mehr, E10 knapp 54 Cent. Inflationsbereinigt lagen die Kraftstoffpreise in der Vergangenheit allerdings bereits höher.

Deutliche Mehrkosten für Autofahrer

Für viele Autofahrer bedeutet das spürbare Zusatzkosten. Bei einem typischen Benziner mit 800 Kilometern Fahrleistung im Monat und einem Verbrauch von 8 Litern auf 100 Kilometer ergeben sich rechnerisch rund 34 Euro mehr pro Monat als vor Kriegsbeginn.

Ein typischer Dieselfahrer mit 1.400 Kilometern monatlich und 7 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer zahlt im Schnitt 69 Euro mehr.

Debatte über Entlastungen gewinnt an Schärfe

Wegen der Rekordpreise ist in der Politik die Diskussion über weitere Entlastungen neu entbrannt. Vorschläge kommen sowohl aus Union als auch SPD. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts der hohen Kraftstoffpreise Entlastungen angekündigt.

Der CDU-Abgeordnete Nicklas Kappe brachte Erleichterungen beim CO2-Aufschlag ins Gespräch. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) schlug dagegen vor, die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe vorübergehend von 19 auf 7 Prozent zu senken.

Weitere Ideen reichen von Direktauszahlungen je nach Einkommen über Preisdeckel bis hin zu Übergewinnsteuern, wie sie etwa Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) fordert. Offen ist aber weiter, welche Maßnahmen tatsächlich umsetzbar wären.

Kritik an pauschalen Hilfen

Ökonomen kritisieren seit Längerem Instrumente, die die Preise an der Zapfsäule allgemein senken. Solche Maßnahmen würden auch Menschen entlasten, die darauf weniger angewiesen seien, und zugleich den Anreiz mindern, Kraftstoff zu sparen.

Auch der Bauernverband sieht eine Senkung der Mehrwertsteuer kritisch. Für landwirtschaftliche Betriebe bringe sie wenig, weil die Steuer dort nur ein durchlaufender Posten sei.

Spediteure schlagen Alarm, auch Fischer betroffen

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fordert in einem offenen Brief an Kanzler Merz staatliche Entlastungen. Nach Berechnungen des Verbands verursachen die aktuellen Dieselpreise bei einer Flotte von 50 Lastwagen Mehrkosten von über einer Million Euro pro Jahr.

Der Verband warnt, dass viele mittelständische Betriebe diese Belastung kaum noch allein tragen könnten. Zudem ließen sich die Kosten häufig nur teilweise an Kunden weitergeben.

Auch die Fischerei leidet unter den hohen Energiepreisen. Zwar geht es dort vor allem um Marinegasöl und nicht um klassischen Diesel, doch laut Branchenverband bleiben derzeit teils Kutter im Hafen, weil sich Ausfahrten wirtschaftlich kaum lohnen. Die angekündigten Hilfen aus dem Landwirtschaftsministerium gelten dort als unzureichend.

Warum Diesel besonders teuer bleibt

Der Rohölpreis ist zwar der wichtigste Einflussfaktor auf die Spritpreise, doch auch Transportwege und Raffineriekapazitäten spielen eine Rolle. Diesel gilt zudem als krisenanfälliger und ist deshalb derzeit teurer als Benzin, obwohl er niedriger besteuert wird.

Nach Einschätzung des ADAC lassen sich die derzeit extremen Kraftstoffpreise nicht allein mit den Rohölnotierungen erklären. Dabei zeigte sich der Ölmarkt zuletzt sogar etwas entspannter: Brent-Rohöl verbilligte sich am Mittwoch zeitweise um fast vier Dollar je Barrel, nachdem Hinweise aufgekommen waren, dass eine wichtige Ölpipeline in Saudi-Arabien wieder in Betrieb gehen könnte.

Große Preisunterschiede je nach Ort und Uhrzeit

Je nach Region, Tankstellenart und Tageszeit können die Preise deutlich schwanken. Nach dem üblichen Preissprung um die Mittagszeit liegen die Kraftstoffpreise oft mehr als 20 Cent höher als kurz zuvor. Am Nachmittag gehen sie meist wieder zurück und erreichen ihr Tagestief in der Regel erst wieder am späten Vormittag des nächsten Tages.

Dadurch entstehen erhebliche Unterschiede: Während E10 am Mittwochvormittag an besonders günstigen Tankstellen teils noch für kaum mehr als 2,10 Euro zu haben war, wurden an Autobahntankstellen kurz nach dem Preissprung für Premiumbenzin vereinzelt mehr als 3 Euro pro Liter verlangt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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