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Achtung: GPS-Sender zeigen keine Vitalzeichen

Der Wal ist frei – doch niemand weiß, wo er steckt. Nun wachsen brisante Zweifel an der Aktion, Experten warnen.

04.05.2026, 12:39 Uhr

Zweifel an Angaben zum Wal-Sender wachsen

Nach der Freilassung des Buckelwals gibt es zunehmend Kritik an den Aussagen der privaten Initiative zum eingesetzten Sender. Diese hatte erklärt, das Gerät übertrage keine Positionsdaten, sondern lediglich Vitalzeichen des Tieres. Fachleute bezweifeln jedoch, dass ein solcher Tracker dazu überhaupt in der Lage ist.

Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) teilte mit, bei GPS- oder Satellitensendern würden normalerweise keine medizinischen Vitalparameter erfasst. Dafür sei besondere Sensortechnik nötig. Auch Greenpeace-Experte Thilo Maack erklärte, ein gewöhnlicher GPS-Tracker könne keine Daten wie Herz- oder Atemfrequenz messen oder weiterleiten.

Welcher Sendertyp tatsächlich verwendet wurde, bleibt bislang offen. Weder die Initiative noch Jeffrey Foster vom beteiligten Whale Sanctuary Project noch das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern machten dazu auf Anfrage nähere Angaben. Das Ministerium erklärte lediglich, dass bislang noch keine Daten vorlägen.

Laut der Kleintierärztin Kirsten Tönnies von der Initiative wurde der Sender am Wal festgeschraubt. Der Meeresbiologe Boris Culik, früher am Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel tätig, erläuterte, solche Geräte würden normalerweise durch einen Durchstich an der Rückenfinne befestigt. Nur dort, nahe der Wasseroberfläche, könnten sie überhaupt Signale senden. Nach Einschätzung von Maack könne ein so angebrachtes Gerät keine Vitaldaten erfassen.

Experten kritisieren fehlenden Test vor dem Einsatz

Zusätzliche Kritik gibt es, weil der Sender vor der Freisetzung offenbar nicht noch einmal geprüft wurde. Aus Sicht des ITAW wäre ein Funktionstest vor dem Einsatz fachlich selbstverständlich gewesen.

Der Walforscher Fabian Ritter nannte es fatal, sollte sich bestätigen, dass der Sender keine Daten liefert. Das wäre nicht nur für die Bewertung der Rettungsaktion problematisch, sondern auch für das Team selbst. Ritter sagte, es habe bereits mehrere Gründe gegeben, an der Professionalität der Beteiligten zu zweifeln. Ein nicht funktionierender Sender wäre aus seiner Sicht der schwerwiegendste Fehler. Er sprach von Fahrlässigkeit.

Daten bleiben nicht öffentlich

Hinzu kommt, dass die Informationen zum Wal nicht allgemein zugänglich gemacht werden sollen. Die Initiative hatte bereits vor der Freilassung erklärt, die Daten würden nur dem Team und dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns zur Verfügung gestellt. Der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus bezeichnete es als ungewöhnlich und unprofessionell, solche Informationen nicht öffentlich zu machen.

Unklar, ob die Aktion ein Erfolg war

Sollten weiterhin keinerlei Daten eingehen, könnte offenbleiben, was aus dem Tier geworden ist. Madsen warnte, ohne Hinweise zum Aufenthaltsort oder zur Bewegung des Wals könne niemand sagen, ob das Tier noch lebt oder bereits gestorben ist. In diesem Fall wäre die gesamte Aktion womöglich vergeblich gewesen und stünde sogar unter dem Verdacht der Tierquälerei. Umgekehrt ließe sich ohne Daten aber auch nicht belegen, dass der Wal überlebt hat. Nach Madsens Ansicht hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, darüber informiert zu werden.

Auch Ritter betonte, ohne belastbare Daten lasse sich die Mission weder als Erfolg noch als Misserfolg bewerten. Das sei weder im Interesse des Teams noch für die deutsche und internationale Öffentlichkeit akzeptabel.

Der Buckelwal, der zuvor mehrfach an Küsten der Ostsee gestrandet war, wurde am Samstagmorgen wieder ins Meer gebracht. Seitdem ist unklar, ob das Tier noch lebt, in welchem Zustand es ist und wohin es schwimmt. Tierschutzfachleute hatten die langfristigen Überlebenschancen des Wals bereits im Vorfeld übereinstimmend als gering eingeschätzt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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