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Wal-Alarm: Buckelwal-Konvoi hält Kurs in der Nordsee

Wendet sich jetzt alles? Der gestrandete Buckelwal ist im Skagerrak auf Kurs – bald könnte seine spektakuläre Freilassung folgen.

02.05.2026, 04:12 Uhr

Buckelwal am Eingang zur Nordsee freigelassen – Zustand und Senderdaten weiter offen

Der vor der Insel Poel aus einer flachen Ostsee-Bucht geborgene Buckelwal ist nach Angaben aus dem Team der verantwortlichen Privatinitiative freigekommen. Auch Aufnahmen des Livestream-Anbieters News5 sprechen dafür. Demnach war das Tier am Samstagmorgen gegen 9.00 Uhr nicht mehr in dem Lastkahn, in dem es seit Dienstag transportiert worden war. Der Schleppverband befand sich zu diesem Zeitpunkt laut Teammitglied Jens Schwarck rund 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak, also am Übergang zur Nordsee.

Auf Drohnenbildern von News5 war zeitweise ein Wal im Wasser zu sehen. Ob es sich dabei tatsächlich um das freigesetzte Tier handelte, ließ sich zunächst aber nicht zweifelsfrei belegen.

Freisetzung erst nach Verzögerung durch rauen Seegang

Der Konvoi hatte die Nordsee nach tagelanger Reise am Freitag beinahe erreicht, dann aber kurz vor dem nördlichsten Punkt Dänemarks wieder abgedreht. In dem Seegebiet bei Skagen treffen Kattegat und Skagerrak aufeinander; es gilt zugleich als Eingang zur Nordsee.

Ausschlaggebend für das Manöver war starker Wellengang über mehrere Stunden. In ruhigerem Wasser, wieder ein Stück zurück in der Ostsee, entfernte das Team am Freitagnachmittag das Absperrnetz am Heck des Lastkahns. Der Wasserstand in der mit Meerwasser gefüllten Barge wurde zunächst nicht verändert. Dennoch blieb der Wal noch viele Stunden an Bord und verließ den Lastkahn offenbar erst in den Morgenstunden.

Unklar, ob der Sender funktioniert

Vor der Freigabe sollte dem Tier noch ein GPS-Sender angebracht werden, um seinen weiteren Weg verfolgen zu können. Ob das gelang und ob inzwischen Daten vorliegen, ist nach Angaben aus dem Team bislang offen. Ebenso gab es zunächst keine gesicherten Informationen dazu, in welchem Zustand sich der Buckelwal befand und ob er selbstständig hinausschwamm oder aus dem Lastkahn hinausbugsiert wurde.

Öffentlich zugänglich wären solche Positionsdaten ohnehin nicht. Nach Angaben aus dem Umfeld der Initiative sollen nur Teammitglieder sowie das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns Zugriff erhalten.

Experten sehen noch keine Rettung

Als gerettet gilt der etwa zwölf Meter lange und auf vier bis sechs Jahre geschätzte Walbulle unter Fachleuten auch nach der Freisetzung nicht. Der Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden und hielt sich in den rund 60 Tagen bis zum Transport nach Einschätzung von Beobachtern etwa zwei Drittel der Zeit in Flachwasserzonen auf.

Walforscher Fabian Ritter hatte bereits darauf hingewiesen, dass unklar sei, ob das Tier nach der langen Zeit in flachen Küstenbereichen noch normal schwimmen und tauchen könne. Hinzu kommt die Frage der Nahrungsaufnahme: In seinem Maul waren Teile von Fischernetzen gefunden worden. Nach Einschätzung vieler Fachleute wirkte der Wal zuletzt deutlich geschwächt.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betont, von einer Rettung könne erst dann gesprochen werden, wenn sich der Wal wieder dauerhaft im Nordatlantik aufhalte, seine Haut verheile, er selbstständig fresse, an Gewicht zunehme und wieder natürliches Verhalten zeige. Nach Einschätzung unter anderem von WDC und der Internationalen Walfangkommission gelten die langfristigen Überlebenschancen derzeit als gering.

Gefahr einer erneuten Strandung bleibt

Fachleute halten es weiterhin für möglich, dass das geschwächte Tier erneut gezielt flache Küstengewässer aufsucht. Das Deutsche Meeresmuseum hatte darauf verwiesen, dass erschöpfte Großwale in verschiedenen Regionen der Welt wiederholt weiche, flache Uferbereiche ansteuern.

Das dänische Umweltministerium erklärte in diesem Zusammenhang, gestrandete Meeressäugetiere würden dort grundsätzlich nicht gerettet. Strandungen seien ein natürliches Phänomen; Wale sollten nicht durch menschliche Eingriffe gerettet oder gestört werden.

Sollte der Sender nicht funktionieren, könnte nach Einschätzung von Fachleuten sogar unbemerkt bleiben, wenn das Tier in den kommenden Tagen oder Wochen verendet. Als positives Signal würde dagegen gelten, wenn der Wal in den nächsten Jahren in nördlichen Nahrungsgebieten, südlichen Paarungsregionen oder auf seinen Wanderwegen erneut gesichtet und per Foto-ID eindeutig identifiziert werden könnte.

Langer und umstrittener Weg seit Anfang März

Erstmals gesichtet wurde der Buckelwal am 3. März im Hafen von Wismar. Helfer entfernten damals Teile eines Fischernetzes von dem Tier. Am 23. März tauchte der Wal weiter westlich auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand auf. Dort liefen tagelang Rettungsversuche; unter anderem wurde mit Baggern eine Rinne geschaffen. Auch der Influencer Robert Marc Lehmann hielt sich am Tier auf und filmte sich dabei selbst.

In der Nacht zum 27. März verschwand der Wal zunächst aus dem Strandbereich, schwamm aber schon am 28. März erneut in flaches Wasser, diesmal auf eine Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch. Am 29. März bewegte sich das Tier bei höherem Wasserstand zwar kurz weiter, blieb dann aber erneut in der Wismarbucht liegen. Fachleute versuchten anschließend mit Lärm, den Wal zum Wegschwimmen zu bewegen. Am 30. März setzte er sich zwar wieder in Bewegung, suchte aber schon am 31. März erneut eine Flachwasserzone auf – diesmal im Kirchsee vor Poel.

Nach einem Gutachten warb ein Teil der Fachwelt dafür, das geschwächte Tier möglichst in Ruhe zu lassen. Dennoch kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus Mitte April überraschend an, das Transportkonzept einer Privatinitiative zu dulden. Finanziert wurde das Vorhaben von Unternehmerin Karin Walter-Mommert und MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz.

Kritiker bemängelten, dass deutsche Facheinrichtungen wie das Deutsche Meeresmuseum nicht in die Aktion eingebunden waren. Stattdessen sorgte die Vorbereitung des Transports mehrfach für zusätzlichen Trubel am Wal. Bei einem Versuch, das Tier in Richtung offenes Wasser zu treiben, soll es nach Angaben aus dem Team zeitweise in Panik geraten sein. Tierschutzorganisationen hielten deshalb an ihrer Einschätzung fest, dass Ruhe für den geschwächten Wal die beste Option gewesen wäre.

Am vergangenen Dienstag gelang es schließlich, den Buckelwal vor Poel in die mit Wasser gefüllte Barge zu ziehen. Von dort aus wurde der antriebslose Lastkahn von einem Schlepper Richtung Nordsee gezogen. Ob diese aufwendige Aktion dem Tier langfristig hilft, dürfte sich erst in den kommenden Tagen, Wochen oder sogar Jahren zeigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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