Wohnungsbau in Deutschland 2025 auf tiefstem Stand seit 2012
Der Kampf gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten hat in Deutschland einen deutlichen Rückschlag erlitten. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 18 Prozent beziehungsweise 45.400 Einheiten weniger als im Vorjahr und zugleich der niedrigste Stand seit 2012.
Damit ging die Zahl der Fertigstellungen bereits im zweiten Jahr in Folge deutlich zurück. In den Jahren 2021 bis 2023 hatte sie jeweils noch bei rund 294.000 Wohnungen gelegen.
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sprach von schlechten Zahlen und nannte sie ein Ergebnis der vergangenen Krisenjahre. Rund 206.000 gebaute Wohnungen seien klar zu wenig für alle, die derzeit eine Wohnung suchten. Zugleich verwies sie auf steigende Baugenehmigungen, den in vielen Kommunen bereits eingesetzten „Bau-Turbo“ und Rekordmittel für den sozialen Wohnungsbau.
Wohnraummangel bleibt groß
Vor allem in Ballungsräumen bleibt Wohnraum knapp. Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland rund eine Million Wohnungen. Die frühere Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte sich 400.000 neue Wohnungen pro Jahr vorgenommen, dieses Ziel aber nie erreicht. Der Wohnungsbau steckt seit Jahren in der Krise, nachdem unter anderem mit dem Ukraine-Krieg die Baukosten stark gestiegen waren.
Als zentrale Bremsen gelten weiterhin hohe Baukosten, schwierige Finanzierungsbedingungen und langwierige Genehmigungsverfahren.
Besonders starke Rückgänge bei Ein- und Zweifamilienhäusern
Besonders stark brach 2025 der Bau von Einfamilienhäusern ein: Hier sank die Zahl der fertiggestellten Einheiten um knapp ein Viertel auf 41.800. Auch bei Zweifamilienhäusern gab es ein deutliches Minus von gut einem Fünftel.
Bau- und Wohnungswirtschaft sieht Alarmsignal
Ein Bündnis aus Verbänden der Bau- und Wohnungswirtschaft wertete die aktuellen Zahlen als Alarmsignal und warf der Politik jahrelang unzureichende Rahmenbedingungen vor. Auf verschlechterte Finanzierungsbedingungen sei mit komplizierten Förderprogrammen, strengeren Anforderungen und damit weiteren Kostensteigerungen reagiert worden.
Die Verbände fordern unter anderem bessere Abschreibungsmöglichkeiten, einfachere Bauvorschriften, einen Stopp weiterer Verschärfungen bei der Mietenregulierung sowie eine Befreiung von Erstkäufern von der Grunderwerbsteuer.
Nach Angaben der Branche lebt inzwischen weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland im Wohneigentum. Damit sei Deutschland Schlusslicht in der EU. HDB-Präsident Olaf Demuth bezeichnete den Wohnungsmangel als das größte soziale Problem des Landes und forderte, Kanzler Friedrich Merz müsse das Thema zur Chefsache machen.
Mehr Genehmigungen – aber Projekte stocken weiter
Etwas besser entwickelte sich zuletzt die Zahl der Baugenehmigungen. Im Jahr 2025 stieg sie um 10,6 Prozent auf 238.100 Wohnungen. Das war das erste Plus seit 2021. Auch im ersten Quartal setzte sich der Anstieg mit rund 15 Prozent fort.
Trotzdem bleiben die strukturellen Probleme groß. Der sogenannte Bauüberhang – also bereits genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen – verharrte bei 760.700 Einheiten. Davon befanden sich 307.200 Wohnungen bereits im Bau.
Zugleich wurden viele Vorhaben nicht umgesetzt, weil Genehmigungen verfielen. Das betraf 35.700 Wohnungen und markiert den höchsten Stand seit 2002.
Auch die Dauer bis zur Fertigstellung ist weiter gestiegen: Im Neubau vergingen zuletzt im Schnitt 27 Monate von der Genehmigung bis zur Fertigstellung. 2020 waren es noch 20 Monate.
Regierung setzt auf schnellere Verfahren
Die Bundesregierung will mit dem „Bau-Turbo“ den Wohnungsbau über schnellere Genehmigungen ankurbeln. Außerdem wurde die Förderung für energieeffizientes Bauen wieder aufgelegt, darunter auch der besonders gefragte Standard EH 55.
Bauministerin Hubertz kündigte zudem ein „Baugesetzbuch-Upgrade“ an, das Planungs- und Genehmigungsprozesse weiter beschleunigen soll. Nach Angaben des Ministeriums arbeitet die Bundesregierung außerdem am Gebäudetyp E für günstigeres Bauen, an einer Bündelung von Förderprogrammen sowie an einer Verlängerung der Förderung für energieeffizientes Bauen.
Opposition kritisiert fehlenden Plan
Kritik kommt von den Grünen. Sylvia Rietenberg, Berichterstatterin der Grünen-Bundestagsfraktion für Stadtentwicklungspolitik, warf der Bundesregierung vor, keinen überzeugenden Plan zur Überwindung der Baukrise vorzulegen. Für das Gesetz zum Gebäudetyp E, das noch auf die frühere Ampel-Regierung zurückgehe, liege weiterhin kein Entwurf vor, obwohl dieser aus ihrer Sicht längst hätte vorliegen müssen.
Iran-Krieg dämpft die Aussichten
Die Perspektiven für die Branche haben sich zuletzt wieder verschlechtert. Zwar legten die Baugenehmigungen im ersten Quartal weiter zu, doch der Krieg mit dem Iran belastet den Sektor. Baumaterialien und Transportkosten sind gestiegen, was Unternehmen auf ihre Preise umlegen.
Betroffen sind nach Branchenangaben unter anderem Stahl, Beton, Dämmstoffe und Folien. Bereits im ersten Quartal seien die Baukosten um sechs Prozent gestiegen. Hinzu kommen höhere Zinsen für Immobilienkredite, die im Zuge neuer Inflationssorgen nach dem Ölpreisschock angezogen haben. Das verteuert Projekte für Investoren und Bauherren zusätzlich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion