Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Viele kennen das Land vor allem als Durchgangsstation auf dem Weg nach Berlin oder an die Ostsee. Doch was prägt das Bundesland mit seinen rund 2,1 Millionen Einwohnern eigentlich? Neun Punkte geben einen Überblick.
1. Natur: Harz und Elbe prägen das Land
Zu den wichtigsten Reisezielen in Sachsen-Anhalt gehört der Harz, den sich das Land mit Niedersachsen teilt. Höchster Gipfel ist der Brocken mit 1.141 Metern, der bei Wanderern beliebt ist. Auch die Harzer Schmalspurbahn zieht viele Besucher an. Ebenso prägend ist die Elbe, die das Land von Süden nach Norden durchquert und Städte wie Magdeburg oder das mittelalterlich geprägte Tangermünde stark beeinflusst.
2. Geschichte: Ursprung deutscher Herrschaftstradition
Sachsen-Anhalt versteht sich gern als ein historisches Kernland Deutschlands. Heinrich I. hatte seinen Herrschaftssitz in Quedlinburg und gilt vielen Historikern als erster deutscher König. Sein Sohn Otto I., bekannt als Otto der Große, wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. Damit wurde eine Entwicklung angestoßen, aus der später das Heilige Römische Reich hervorging. Sein Grab befindet sich im Magdeburger Dom.
3. Wirtschaft: Viel Industrie, wenig Konzernzentralen
Große Unternehmenssitze sind in Sachsen-Anhalt eher selten. Auch die Hoffnung auf eine milliardenschwere Intel-Ansiedlung in Magdeburg hat sich nicht erfüllt. Stattdessen ist das Land oft Produktionsstandort für Firmen mit Hauptsitz anderswo. Besonders wichtig ist die Chemieindustrie mit rund 13.000 Beschäftigten. Sie steht allerdings wegen hoher Energiekosten, schwacher Nachfrage und globalem Konkurrenzdruck unter Druck. Das bekannteste Produkt des Landes stammt dennoch aus einer anderen Branche: Rotkäppchen-Sekt aus Freyburg an der Unstrut.

4. Soziale Lage: Schwache Werte bei Einkommen und Bildung
In mehreren bundesweiten Statistiken liegt Sachsen-Anhalt auf den hinteren Plätzen. Das mittlere Einkommen von Vollzeitbeschäftigten war zuletzt bundesweit am niedrigsten und lag laut Bundesagentur für Arbeit bei 3.363 Euro. Die Armutsquote gehört zu den höchsten in Deutschland, die Arbeitslosigkeit lag im Juli bei 8,1 Prozent und damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Im Bildungsbereich zeigen sich gemischte Ergebnisse: In den Naturwissenschaften schneiden die Schülerinnen und Schüler ordentlich ab, zugleich ist die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss mit etwa zehn Prozent die höchste im Bundesgebiet.
5. Bevölkerung: Alt, schrumpfend und unter Druck
Mit rund 2,1 Millionen Menschen zählt Sachsen-Anhalt zu den kleineren Bundesländern. Zugleich altert die Bevölkerung stark und nimmt ab. Ende 2024 waren Männer im Schnitt etwas über 48 Jahre, Frauen etwas mehr als 50 Jahre alt. Die Geburtenrate fiel zuletzt auf einen historischen Tiefstand, und auch die Abwanderung verstärkt den Trend. Nach Schätzungen könnte die Einwohnerzahl schon in weniger als zehn Jahren unter zwei Millionen sinken. Der Mangel an Arbeitskräften verschärft sich dadurch weiter.
6. Altmark: Weite Flächen, wenige Menschen
Besonders dünn besiedelt ist die Altmark im Norden des Landes. In den zwei Landkreisen leben zusammen etwa 200.000 Menschen auf einer Fläche, die ungefähr doppelt so groß wie das Saarland ist. Das entspricht im Schnitt nur rund 40 Einwohnern pro Quadratkilometer. Bundesweit liegt der Vergleichswert bei etwa 234.
7. Weltkulturerbe: Bauhaus, Luther und Himmelsscheibe
Sachsen-Anhalt verfügt über eine bemerkenswerte Zahl an Unesco-Welterbestätten. Dazu zählen das Bauhaus Dessau, das Gartenreich Dessau-Wörlitz, der Naumburger Dom, die Altstadt von Quedlinburg sowie die Luthergedenkstätten. In Wittenberg soll Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht haben, in Eisleben wurde er geboren und starb dort auch. In Halle ist zudem die berühmte Himmelsscheibe von Nebra zu sehen, die als älteste konkrete Himmelsdarstellung der Welt gilt.
8. Verkehr: Riesiges Autobahnprojekt im Bau
Das derzeit größte deutsche Autobahn-Neubauprojekt liegt zum großen Teil in Sachsen-Anhalt. Auf rund 155 Kilometern soll eine große Lücke im Fernstraßennetz geschlossen werden, um Altmark und Prignitz besser anzubinden. Das Bundesverkehrsministerium veranschlagt die Kosten auf etwa 2,3 Milliarden Euro. Ein Teilstück von 74 Kilometern ist bereits befahrbar, allerdings noch nicht durchgehend. Die komplette Fertigstellung wird inzwischen für 2032 angepeilt.
9. Bekannte Namen und politische Besonderheiten
Das Land hat zahlreiche prominente Persönlichkeiten hervorgebracht. Dazu zählen Friedrich Nietzsche und Hans-Dietrich Genscher, aber auch Dieter Hallervorden und Kai Pflaume, die beide in Dessau geboren wurden. Internationale Pop-Prominenz kommt mit Bill und Tom Kaulitz hinzu, die in Loitsche nördlich von Magdeburg aufwuchsen.
Auch politisch war Sachsen-Anhalt oft ein Sonderfall. Nach der Landtagswahl 1994 regierten SPD und Grüne in einer Minderheitsregierung unter Reinhard Höppner, gestützt von der PDS. Dieses bundesweit beachtete Experiment wurde als „Magdeburger Modell“ bekannt. 2016 folgte dann unter Reiner Haseloff die erste sogenannte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen in Deutschland. Trotz vieler Skepsis arbeitete das Bündnis am Ende vergleichsweise störungsarm zusammen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber