Wirtschaft

Warum das Briefgeschäft die Post bremst

Kaum noch jemand schaut in den Briefkasten – warum das der Post jetzt richtig wehtut, überrascht.

30.04.2026, 07:00 Uhr

Ein rückläufiges Briefgeschäft setzt der Deutschen Post weiter zu. Wie der DHL-Konzern in Bonn mitteilte, legte der Umsatz im Bereich Post & Paket Deutschland im ersten Quartal zwar um 1,7 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro zu. Gleichzeitig sank das operative Ergebnis (Ebit) um 5,8 Prozent auf 264 Millionen Euro. Das Stammgeschäft des Unternehmens war damit weniger rentabel als ein Jahr zuvor.

Als Hauptgründe nennt der Konzern sinkende Briefmengen und höhere Personalkosten. Wenn auf einer Zustelltour weniger Sendungen verteilt werden, steigen die Kosten pro Brief. Im ersten Quartal 2026 ging die beförderte Briefmenge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13,2 Prozent auf 2,5 Milliarden Sendungen zurück. Der Rückgang fiel damit deutlich stärker aus als im Gesamtjahr 2025, als die Briefmenge um 7,2 Prozent gesunken war.

Finanzchefin Melanie Kreis erklärte den besonders starken Rückgang auch mit einem hohen Vergleichswert aus dem Vorjahr: Im ersten Quartal 2025 hatte die Bundestagswahl mit der Briefwahl für zusätzliches Geschäft gesorgt. Zudem verlor die Post inzwischen einen größeren Werbepostkunden.

Konzernchef Tobias Meyer sprach von einer strukturellen Entwicklung, die sich fortsetze. Im weiteren Jahresverlauf dürfte sich der Rückgang nach seiner Einschätzung etwas abschwächen. Mit Blick auf die schwächere Profitabilität verwies Meyer zudem darauf, dass es in diesem Jahr keine Portoerhöhung gegeben habe. Dadurch habe das Unternehmen steigende Kosten wie höhere Spritpreise und den allgemeinen Inflationsdruck nicht weitergeben können. Die nächste staatlich genehmigte Portoerhöhung wird erst für Anfang 2027 erwartet.

Weniger Briefe, mehr Pakete

Im digitalen Zeitalter verliert der klassische Brief weiter an Bedeutung. Privatleute schreiben seltener, Unternehmen setzen bei Werbung und Kundenkommunikation zunehmend auf digitale Kanäle. Das Paketgeschäft entwickelt sich dagegen positiv, weil mehr Menschen online einkaufen.

Im ersten Quartal 2026 stieg die Paketmenge um 6,2 Prozent. Das ist jedoch deutlich weniger als im Gesamtjahr 2025, als das Plus bei 11,7 Prozent gelegen hatte. Nach Angaben des Managements bremste die schwache Konjunktur das Wachstum. Das zusätzliche Paketgeschäft reichte daher nicht aus, um die Rückgänge im Briefbereich beim operativen Ergebnis auszugleichen.

Der Konzern tritt inzwischen unter dem Namen DHL auf, an der Börse wird er jedoch weiterhin als Deutsche Post geführt. Auch im Inland bleibt der traditionelle Markenname bestehen.

Im Ausland deutlich besseres Bild

International verlief der Jahresauftakt für den weltweit tätigen Logistiker deutlich besser. Konzernweit stieg der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 8,3 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Damit übertraf DHL die Erwartungen der Analysten, die im Schnitt nur mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau gerechnet hatten.

Der Umsatz des Konzerns sank allerdings um 1,9 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro. Als Ursache verwies das Unternehmen vor allem auf negative Wechselkurseffekte.

Konzernchef Tobias Meyer hält dennoch an den Jahreszielen fest. Das Geschäftsmodell sei widerstandsfähig, zudem zeigten die eingeleiteten Sparmaßnahmen Wirkung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen