Wirtschaft

Wende am Arbeitsmarkt? April bringt ein Plus

Jobmarkt mit Überraschung: Weniger Arbeitslose im April – doch warum bleibt Deutschland trotzdem über 3 Millionen?

30.04.2026, 09:55 Uhr

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Eine seit Jahren schwache Konjunktur und der zusätzliche Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs bremsen die Entwicklung weiter aus. Trotz eines überraschenden Wirtschaftswachstums im ersten Quartal ist eine spürbare Frühjahrsbelebung oder gar eine Trendwende nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit nicht erkennbar.

Keine Trendumkehr auf dem Arbeitsmarkt

Im April ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Vergleich zum Vormonat um 13.000 auf 3,008 Millionen gesunken. Damit liegt sie weiterhin über der Marke von drei Millionen, die bereits zu Jahresbeginn überschritten wurde. Gegenüber April 2025 entspricht das einem Anstieg um 77.000, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb im Vergleich zum März unverändert bei 6,4 Prozent. Im April 2025 hatte sie noch 6,3 Prozent betragen.

Bundesagentur-Chefin Andrea Nahles sprach von einer klar negativen Entwicklung, die bereits seit Ende 2022 zu beobachten sei. Die saisonale Belebung falle auch im Frühjahr weiterhin nur schwach aus.

Zum Vergleich: Im April 2025 war die Zahl der Arbeitslosen noch um 36.000 gesunken. Schon damals war die Frühjahrsbelebung als eher schwach bewertet worden. Für die aktuelle Statistik wurden Daten berücksichtigt, die bis zum 13. April vorlagen.

Defizit der Bundesagentur könnte weiter steigen

Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit wird zunehmend auch zu einem Finanzproblem für die Bundesagentur. Das im Herbst kalkulierte Defizit von vier Milliarden Euro könnte nach Angaben von Nahles noch größer ausfallen.

Die Behörde musste ihren Haushalt auf Basis der damaligen Herbstprognose der Bundesregierung aufstellen und war dabei für 2026 von durchschnittlich rund 2,9 Millionen Arbeitslosen ausgegangen. Inzwischen rechnet die Bundesregierung mit 2,978 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt. Die Zahlen müssten daher neu berechnet werden, was die Kosten weiter erhöhen dürfte.

Größter Ausgabenposten ist das Arbeitslosengeld. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten schlagen aber auch Leistungen wie Kurzarbeitergeld und Insolvenzgeld stärker zu Buche. Reichen die Mittel aus der Arbeitslosenversicherung nicht aus, muss der Bund mit Darlehen oder Zuschüssen einspringen.

Nachfrage nach Arbeitskräften stabilisiert sich

Bei den gemeldeten offenen Stellen zeigt sich immerhin keine weitere deutliche Verschlechterung. Im April waren bei den Arbeitsagenturen 641.000 offene Stellen registriert. Das sind 5.000 weniger als ein Jahr zuvor. Die Nachfrage nach Arbeitskräften stabilisiert sich damit auf niedrigem Niveau.

Mehr als eine Million Menschen erhalten Arbeitslosengeld

Nach Angaben der Nürnberger Statistiker bezogen im April 1,07 Millionen Menschen in Deutschland Arbeitslosengeld. Das waren 93.000 mehr als im Vorjahresmonat.

Zugleich erhielten 3,826 Millionen erwerbsfähige Menschen Bürgergeld. Das sind 125.000 weniger als vor einem Jahr. Bürgergeld bekommen nicht nur Menschen ohne Arbeit, sondern auch Beschäftigte, deren Einkommen nicht zum Leben reicht und deshalb aufgestockt werden muss.

DGB fordert Entlastung der Bundesagentur

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte die Bundesregierung auf, auf die Rückzahlung früherer Liquiditätshilfen an die Bundesagentur zu verzichten. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel sprach mit Blick auf Weltlage und Konjunktur von der größten Herausforderung für die Arbeitsmarktpolitik seit Jahrzehnten. Sie verlangte zudem ein Programm zur Krisenprävention und einen leichteren Zugang zum Kurzarbeitergeld.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kündigte Unterstützung an. Die Bundesregierung wolle unter anderem mit hohen Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Digitalisierung, mit Maßnahmen gegen hohe Energiekosten, weniger Bürokratie, Sozialstaatsreformen und einer erleichterten Fachkräfteeinwanderung gegensteuern.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger drängte dagegen auf stärkere Reformen. Er forderte eine wirksame Begrenzung von Arbeits- und Sozialkosten sowie eine Arbeitsmarktpolitik, die stärker auf Qualifizierung, Vermittlung und schnelle Wechsel von Job zu Job setzt.

Viele freie Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Platz

Auch am Ausbildungsmarkt bleibt die Lage angespannt. Noch immer sind 211.000 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz oder andere Alternative. Gleichzeitig waren von 380.000 gemeldeten Lehrstellen noch 217.000 unbesetzt.

Dass viele Stellen trotzdem frei bleiben, liegt laut Bundesagentur häufig daran, dass Bewerberinnen und Bewerber entweder zu weit entfernt wohnen oder die geforderten Qualifikationen nicht erfüllen. Positiv ist aus Sicht von Nahles jedoch, dass die Übernahmequote junger Menschen nach erfolgreicher Ausbildung in den Betrieben weiterhin hoch ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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