Wirtschaft

Genossenschaftsbanken ziehen ihr Schutznetz enger

Nach riskanten Fehltritten zieht die Finanzgruppe die Reißleine – mit schärferen Frühwarnsystemen und härteren Kontrollen.

15.07.2026, 10:30 Uhr

BVR reformiert Sicherungssystem nach problematischen Einzelgeschäften

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat nach riskanten Geschäften bei einigen Mitgliedsinstituten sein Sicherungssystem überarbeitet. Gleichzeitig brachte die genossenschaftliche Finanzgruppe einen neuen Kodex für Vorstände und Aufsichtsräte auf den Weg. Wie der Verband mitteilte, sollen sich die Führungs- und Kontrollgremien der Mitgliedsbanken in den kommenden Monaten mit den neuen Vorgaben befassen. Zuletzt hatte unter anderem die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg den Sicherungsfonds in Anspruch nehmen müssen und sich von ihrem Vorstandsvorsitzenden getrennt.

BVR-Präsidentin Marija Kolak verwies auf einen Beschluss der Mitgliederversammlung aus dem Juni. Mit dem Programm „Geno Next Level“ reagiere der Verband auf Fälle, in denen Verantwortliche einzelner Banken hochriskante Geschäfte eingegangen seien oder durch Missmanagement beziehungsweise grobe Fahrlässigkeit auffielen. Die Auswirkungen solcher Entscheidungen würden oft erst Jahre später sichtbar und belasteten dann die Solidargemeinschaft erheblich. Nach ihren Angaben sollen die Maßnahmen vor allem die Frühwarnsysteme stärken und die Eingriffsmöglichkeiten deutlich verschärfen.

Wirtschaftlich erzielte die genossenschaftliche Finanzgruppe im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von 11,6 Milliarden Euro. Damit blieb sie zwar unter dem Rekordwert von 14,4 Milliarden Euro aus dem Jahr 2023, übertraf aber das Ergebnis von 10,8 Milliarden Euro im Vorjahr 2024. Rückenwind kamen von einem leicht höheren Zinsüberschuss sowie einem um 56 Prozent gewachsenen Versicherungsgeschäft. Unter dem Strich stand ein Jahresüberschuss von 7,4 Milliarden Euro. Zur genossenschaftlichen Finanzgruppe zählen 646 Banken und Spezialinstitute mit mehr als 30 Millionen Kundinnen und Kunden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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