Ceferin schließt FIFA-Kandidatur gegen Infantino aus
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin wird bei der Wahl des FIFA-Präsidenten am 18. März 2027 in Rabat nicht gegen Gianni Infantino antreten. Im britischen Podcast The Rest is Politics sagte der 58-Jährige unmissverständlich: „Ich bin nicht interessiert.“
Ausgerechnet rund um die glamouröse Auslosungswoche in Monaco beendet Ceferin damit Spekulationen über ein direktes Kräftemessen mit dem FIFA-Chef. Die Bühne an der Côte d’Azur wäre groß gewesen – zu einem persönlichen Duell der beiden mächtigen Fußball-Funktionäre wird es aber nicht kommen.
Ceferin verweist auf Glaubwürdigkeit
Seinen Verzicht begründet der Slowene vor allem mit seiner engen Bindung an die UEFA und seiner Aufgabe in Europa. Zugleich sieht er darin einen strategischen Vorteil. Seine Glaubwürdigkeit sei deutlich größer, wenn er selbst kein Interesse am FIFA-Vorsitz habe, betonte Ceferin.
Von einem Nachlassen des europäischen Widerstands gegen Infantino will er deshalb nichts wissen. Vielmehr arbeitet die UEFA weiter an der Suche nach einem Gegenkandidaten oder einer Gegenkandidatin, die bei der Wahl 2027 tatsächlich Chancen hätte.
UEFA hofft auf weltweit tragfähigen Kandidaten
Ceferin geht davon aus, dass für einen Machtwechsel an der FIFA-Spitze weit mehr nötig wäre als nur europäische Stimmen. Entscheidend wären auch Unterstützer aus Nord- und Mittelamerika, Asien und möglichst vielen afrikanischen Verbänden. Aus Sicht des UEFA-Chefs braucht es deshalb einen international überzeugenden Konsenskandidaten.
Als Gedanke kursiert dabei ein Rotationsprinzip, nach dem die Spitze des Weltverbands reihum von den verschiedenen Konföderationen gestellt würde. Ceferin selbst wäre dafür kaum die naheliegende Lösung, weil mit Infantino zuletzt bereits ein Funktionär aus dem UEFA-Umfeld an die FIFA-Spitze gewechselt war.
Auch Ceferins eigene Zukunft ist offen
Ceferin steht seit zehn Jahren an der Spitze der Europäischen Fußball-Union, seine Amtszeit endet ebenfalls im kommenden Jahr. Eine weitere Kandidatur für das UEFA-Präsidentenamt hat er bislang zwar nicht offiziell angekündigt, er will jedoch im Amt bleiben.
Gewählt wird bei der UEFA am 22. April in Astana in Kasachstan – also rund fünf Wochen nach der FIFA-Abstimmung in Rabat. Brisant bleibt dabei, dass auch Ceferin die Statuten seines Verbands dehnen müsste, um eine vierte Amtszeit zu ermöglichen. Eigentlich sind bei der UEFA nur drei Amtszeiten vorgesehen.
Infantino unter starkem Druck
Infantino erlebt nach Einschätzung vieler Beobachter die größte Krise seiner Amtszeit. Für heftige Kritik sorgten vor allem seine inzwischen wieder zurückgenommenen Pläne, Investoren stärker an künftigen WM-Geschäften zu beteiligen. In vielen Teilen der Fußballwelt löste das massive Empörung aus.
Der Wahlkampf läuft aus Ceferins Sicht längst, auch wenn es noch keinen offiziellen Gegenkandidaten gibt. Er hoffe, dass Infantino selbst erkenne, nicht über ausreichend Rückhalt für eine weitere Amtszeit zu verfügen. Sollte der Schweizer dennoch antreten, werde es aus seiner Sicht „wohl einen Gegenkandidaten geben“ – wer das sein könnte, sei aber weiter offen.
Die FIFA hat den 18. November als Frist für die Nominierung möglicher Herausforderer festgelegt, also drei Monate vor der Wahl.
FIFA-Chef wirbt in der Karibik um Rückhalt
Infantino ist seit 2016 Präsident des Weltverbands. Noch vor der jüngsten Kontroverse galt seine Wiederwahl im kommenden Jahr in Marokko lange als nahezu sicher. Trotz wachsender Kritik aus mehreren Verbänden und trotz seiner demonstrativen Selbstdarstellung an der Seite von US-Präsident Donald Trump bei der WM im Sommer verfügt der Schweizer international weiterhin über viele Unterstützer.
Zuletzt suchte Infantino verstärkt Rückhalt außerhalb Europas, unter anderem in der Karibik. Nach Gesprächen mit Vertretern der Caribbean Football Union sowie mit Verweis auf Unterstützung aus der Dominikanischen Republik betonte er, Aufgabe der FIFA sei es, den Fußball in allen 211 Mitgliedsländern weiterzuentwickeln und die Kluft zwischen den größten Nationen und kleineren Verbänden zu verkleinern. Das wurde auch als deutliche Botschaft an die mächtigen europäischen Verbände verstanden.
Gleichzeitig vermied Infantino es, die großen Fußballnationen offen vor den Kopf zu stoßen. Diese leisteten hervorragende Arbeit, sagte er, doch auch kleinere Verbände müssten mehr Chancen und Investitionen erhalten. Für den FIFA-Chef geht es damit nicht nur um die Zukunft des Weltfußballs, sondern vor allem auch um seine eigenen Chancen auf eine Wiederwahl.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber