Wirtschaft

Vier Prozent aufs Tagesgeld: Diese Banken locken jetzt

Zins-Hammer bei Banken: Auslands- und App-Banken überbieten sich – doch wer jetzt spart, tappt schnell in eine Falle.

09.09.2026, 05:00 Uhr

Hohe Zinsen auf Tages- und Festgeld locken Sparer – Konkurrenz unter Banken nimmt zu

Wer Geld anlegen will, findet bei Banken derzeit so attraktive Konditionen wie seit langer Zeit nicht mehr. Mit der Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen ist unter Digitalbanken, etablierten Instituten und ausländischen Anbietern ein harter Wettbewerb um Einlagen entbrannt. Davon profitieren Sparer – sie sollten die Angebote aber genau prüfen.

Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox erhalten Kunden aktuell bei mindestens elf Banken zeitweise mehr als 3,5 Prozent Zinsen auf neu eröffnete Tagesgeldkonten. Bis Mitte Mai habe es noch keine Offerten in dieser Größenordnung gegeben. Für die Analyse wurden Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen untersucht (Stand: 8. September).

Den höchsten Zinssatz für Tagesgeld bietet demnach die britische Digitalbank Revolut mit 4,25 Prozent für Neukunden über einen Zeitraum von bis zu vier Monaten. Das Angebot ist allerdings an mehrere Bedingungen geknüpft. Ebenfalls weit vorne liegen die Renault Bank mit 4,1 Prozent sowie Chase, die deutsche Tochter der US-Großbank J.P. Morgan, mit 4 Prozent – jeweils für vier Monate. Die niederländische Ayvens Bank zahlt ebenfalls 4 Prozent, allerdings nur für drei Monate.

Banken setzen auf Geschäfte nach dem Tagesgeld

Als Grund für den Zinswettbewerb nennt Verivox die hohen Kapitalmarktzinsen, etwa bei Staatsanleihen, sowie die Aussicht auf höhere Leitzinsen der Europäischen Zentralbank. Nach dem Anstieg der Inflation im Zuge des Iran-Kriegs wird damit gerechnet, dass die EZB ihren Einlagenzins an diesem Donnerstag auf 2,5 Prozent anhebt. Diesen Satz erhalten Banken, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank parken.

Einige Institute geben die besseren Rahmenbedingungen zumindest teilweise an Sparer weiter. Hinter den attraktiven Tagesgeldangeboten steckt aber oft auch Kalkül: Während manche Kunden als „Zinshopper“ alle paar Monate wechseln, bleiben viele bei der Bank. Zudem dient Tagesgeld häufig als Einstiegsprodukt, um später weitere Geschäfte etwa mit Girokonten, Kreditkarten, Wertpapierhandel oder Konsumentenkrediten zu machen.

Allerdings lohnt sich ein genauer Blick in die Bedingungen. Viele Lockangebote gelten nur für Neukunden, nur für begrenzte Guthaben oder nur für wenige Monate. Manchmal ist zusätzlich die Eröffnung eines Girokontos nötig. Danach sinken die Zinsen häufig deutlich. Wer dauerhaft hohe Erträge erzielen will, muss deshalb nicht selten erneut die Bank wechseln. Verivox rät daher, auch auf die Konditionen für Bestandskunden zu achten.

Bestandskunden profitieren deutlich weniger

Gerade bei bestehenden Kunden fällt die Entwicklung bislang bescheiden aus. Bundesweit verfügbare Tagesgeldangebote für Bestandskunden bringen laut Verivox im Schnitt aktuell 1,4 Prozent, nach 1,33 Prozent im Juni. Bei Sparkassen und Volksbanken liegen die Zinsen demnach sogar bei weniger als 0,5 Prozent.

Den höchsten Zinssatz für Bestandskunden bietet laut Studie die Hamburger Ascory Bank mit 2,5 Prozent. Beim Online-Broker Scalable Capital sind 2,6 Prozent möglich, allerdings können Kundengelder dort auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds angelegt werden.

Festgeld entwickelt sich attraktiver

Deutlich besser sieht es beim Festgeld aus. Für Anlagen mit einer Laufzeit von zwei Jahren lag der durchschnittliche Zinssatz Anfang Juni noch bei 2,32 Prozent, inzwischen sind es 2,55 Prozent. Damit hat sich Festgeld in den vergangenen Monaten spürbar attraktiver entwickelt.

Einzelne Anbieter gehen noch darüber hinaus: Die Münchner Finanzplattform Scalable Capital bietet inzwischen ein Festgeld mit 3 Prozent Zinsen für 24 Monate an. Auch etablierte Banken wie die DKB haben ihre Konditionen zuletzt angehoben.

Dass Banken beim Festgeld teils höhere Zinsen zahlen als beim Parken von Geld bei der EZB, hat einen einfachen Hintergrund: Fest angelegte Kundengelder helfen ihnen bei der Finanzierung der Kreditvergabe. Verdient wird an der Differenz zwischen Spar- und Kreditzinsen.

Ausländische Banken erhöhen den Druck

Zusätzlichen Schwung bekommt der Wettbewerb durch ausländische Institute, die in Deutschland wachsen wollen. Dazu zählt auch Revolut. Das Unternehmen bezeichnet Deutschland als Schlüsselmarkt und kommt hier nach eigenen Angaben bereits auf deutlich mehr als drei Millionen Kunden. Die Marke von vier Millionen soll bald erreicht werden. Allein im Jahr 2025 seien hierzulande mehr als 800.000 Kunden hinzugekommen.

Die 2015 gegründete Finanzplattform hat keine Filialen, zählt weltweit aber rund 80 Millionen Kunden und wird mit etwa 115 Milliarden Dollar bewertet – mehr als die Deutsche Bank an der Börse wert ist. Beim befristeten Tagesgeldangebot arbeitet Revolut in Deutschland mit der Deutschen Bank zusammen, was zusätzlich Vertrauen schaffen soll.

Starke Konkurrenz durch Trade Republic, ING und DKB

Ausländische Anbieter treffen hierzulande zugleich auf kräftige Konkurrenz durch Direktbanken wie ING und DKB sowie Neobanken wie Trade Republic. Der Berliner Online-Broker hat mit günstigen Konditionen im Aktienhandel und vergleichsweise hohen Zinsen bereits mehr als fünf Millionen Kunden in Deutschland gewonnen.

Trotz der zersplitterten Bankenlandschaft und einer eher zurückhaltenden Haltung vieler Deutscher gegenüber digitalen Finanzangeboten bleibt der hiesige Markt für neue Anbieter attraktiv. Für Sparer ist das vorerst eine gute Nachricht: Der Wettbewerb erhöht den Druck auf die Banken – auch wenn sich wirklich lohnende Angebote oft noch auf zeitlich begrenzte Aktionen für Neukunden konzentrieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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