Wirtschaft

Unicredit greift an – Commerzbank schlägt hart zurück

Showdown um die Commerzbank: Unicredit erhöht den Druck – kippt jetzt die Eigenständigkeit der Bank?

04.05.2026, 09:20 Uhr

Die italienische Großbank Unicredit treibt ihre Übernahmepläne für die Commerzbank trotz massiven Widerstands aus Deutschland weiter voran. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung billigten die Aktionäre die dafür nötige Kapitalmaßnahme, wie das Institut in Mailand mitteilte.

Bis zum 31. Dezember 2027 darf Unicredit demnach bis zu 470 Millionen neue Aktien mit einem Nominalwert von zusammen bis zu 6,7 Milliarden Euro ausgeben. Diese Papiere sollen den Commerzbank-Aktionären im Tausch angeboten werden. Damit ist der Weg für das bereits Mitte März angekündigte Angebot an alle Anteilseigner des Frankfurter Dax-Konzerns frei.

Formelles Angebot soll am Dienstag folgen

Unicredit-Chef Andrea Orcel will die formale Offerte nach eigenen Angaben schon an diesem Dienstag (5.5.) vorlegen. Die Commerzbank wiederum will am Freitag (8.5.) zusammen mit ihren Zahlen für das erste Quartal neue Finanzziele präsentieren. Damit möchte das Institut seine Aktionäre von einem eigenständigen Kurs überzeugen. Beobachter halten es für möglich, dass dabei auch ein weiterer Stellenabbau angekündigt wird.

Bereits im März hatte Unicredit ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien angekündigt. Vorgesehen waren 0,485 neue Unicredit-Aktien je Commerzbank-Papier. Damals entsprach das einem Wert von 30,80 Euro je Aktie und einem Aufschlag von vier Prozent auf den Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Grundlage wurde die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro bewertet.

Inzwischen liegt der Börsenkurs der Commerzbank allerdings deutlich höher, zuletzt bei rund 35 Euro. Orcel hat deshalb offen gelassen, die Offerte noch zu verbessern.

Unicredit will über die 30-Prozent-Schwelle

Mit dem Aktientausch will sich Unicredit weitere Anteile sichern und die Schwelle von 30 Prozent überschreiten, ohne sofort ein wohl teureres Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Orcel zeigte sich zuletzt ausgesprochen zuversichtlich. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er, der Prozess sei nicht mehr aufzuhalten. Aus seiner Sicht spreche die "industrielle Logik" klar für einen Zusammenschluss.

Auch Unicredit-Verwaltungsratschef Pietro Carlo Padoan stellte sich auf der Hauptversammlung hinter die Pläne. Die Commerzbank müsse aus seiner Sicht einen Wandel durchlaufen, um langfristig erfolgreich zu sein.

Nach jüngsten Angaben kontrolliert Unicredit direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente bereits 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Für weitere 2,65 Prozent hat sich die Bank nach eigenen Angaben zwar den Kaufpreis gesichert, nicht aber das Kaufrecht selbst.

Bund geriet im Übernahmepoker unter Druck

Eine heikle Rolle spielt in dem Ringen der deutsche Staat. Auslöser war der Teilverkauf von Commerzbank-Aktien durch den Bund im September 2024. Damals trennte sich der Staat von 4,49 Prozent seiner Beteiligung. Der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner begründete den Schritt später damit, die Commerzbank sei inzwischen ein starkes Institut und eine staatliche Beteiligung deshalb auf Dauer nicht nötig.

Offenbar wurde jedoch unterschätzt, wie schnell und entschlossen Orcel seinen Einstieg ausbauen würde. Schon kurz nach dem Einstieg der Italiener wurde öffentlich die Frage gestellt, ob die Commerzbank "italienisch" werde. Gewerkschaften warnten vor einem tiefen Kahlschlag und dem Verlust Tausender Arbeitsplätze. Aus Berlin kam in den vergangenen Monaten immer wieder das Signal, dass eine eigenständige Commerzbank politisch bevorzugt wird.

Der Bund hält derzeit noch gut 12 Prozent an der Commerzbank und entsendet zwei Vertreter in den Aufsichtsrat.

Commerzbank weist Vorstoß weiter zurück

Die Commerzbank lehnt die Avancen aus Mailand weiterhin entschieden ab. Konzernchefin Bettina Orlopp, die den Vorstandsvorsitz am 1. Oktober 2024 mitten in der beginnenden Übernahmeschlacht übernahm, sieht nach wie vor keinen überzeugenden Mehrwert in einem Zusammenschluss.

Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Michael Kotzbauer hatte Unicredit vorgeworfen, im Kern ein Konzept zu verfolgen, das die Commerzbank in ihrer heutigen Form für Kunden zerschlagen würde, ohne den Aktionären dafür einen angemessenen Aufschlag zu bieten. Zugleich betont das Frankfurter Institut, Gespräche mit Unicredit nicht grundsätzlich zu verweigern. Angesichts der aufgeheizten Stimmung und vieler gegenseitiger Vorwürfe gelten die Hürden dafür jedoch als hoch.

Zusätzliche Brisanz bekam der Konflikt, weil Orlopp nach dem Einstieg der Unicredit auch noch zur Kenntnis nehmen musste, dass ihr Vorgänger Manfred Knof Orcel kurz darauf heimlich bei sich zu Hause empfangen hatte.

Orlopp wirft Orcel eine anhaltend feindliche Taktik und irreführende Darstellungen vor. Dazu passt aus Sicht der Commerzbank, dass die Finanzaufsicht Bafin die Unicredit wegen Social-Media-Anzeigen zulasten der Frankfurter Bank rügte. Beanstandet wurde die reißerische und unsachliche Aufmachung, woraufhin die Anzeigen zurückgezogen wurden.

Kritik an Umbauplänen und Stellenabbau

Für den Fall einer Übernahme hat Orcel bereits einen Umbauplan vorgelegt. Demnach könnten in Deutschland rund 7.000 Stellen wegfallen. Unicredit verspricht sich vor allem Vorteile im Geschäft mit Privatkunden und dem Mittelstand. Da die Italiener hier bereits über die Hypovereinsbank präsent sind, sieht der Konzern erhebliche Einsparpotenziale.

Zugleich argumentiert Orcel, Europa brauche im Wettbewerb mit großen US-Banken stärkere und größere Geldhäuser. Diese Einschätzung teilen auch viele Experten. So verwies EZB-Bankenaufseherin Claudia Buch jüngst auf die zersplitterte Struktur des europäischen Bankensektors und mahnte in einem Gastbeitrag im "Handelsblatt" einen klaren Reformkurs an.

Unicredit hält außerdem das internationale Netz der Commerzbank für überdimensioniert und ineffizient. Orcel warnte sogar, der derzeitige Kurs der Commerzbank könne mittelfristig ihr Überleben gefährden.

Die Commerzbank weist diese Analyse scharf zurück. Vor allem die Kritik am Auslandsnetz will das Institut nicht gelten lassen. Nach Angaben aus dem Management verfügt die Bank über ein leistungsfähiges internationales Netzwerk in mehr als 40 Ländern. Rund 58 Prozent der Erträge im Firmenkundengeschäft hingen direkt mit diesem Netz zusammen. Ohne diese Verbindungen, so die Argumentation, würde die Commerzbank ihren Kern verlieren.

Hauptversammlung im Mai als nächster Stimmungstest

Mit neuen Finanzzielen und weiter steigenden Gewinnen will die Commerzbank nun belegen, dass sie auch allein erfolgreich sein kann. Ein wichtiger Stimmungstest dürfte die Hauptversammlung am 20. Mai werden. Dort könnte sich zeigen, wie geschlossen die Aktionäre hinter dem Kurs von Vorstandschefin Orlopp stehen – und wie groß der Druck der Unicredit inzwischen tatsächlich geworden ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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