Hamburg

Blocks Verteidiger: Fahrer verstrickt sich in Widersprüche

Widersprüche oder glaubhafte Details? Im Block-Kinder-Prozess prallen nach Fahrer-Aussage Verteidigung und Nebenklage hart aufeinander.

04.05.2026, 12:00 Uhr

Unterschiedliche Bewertung einer Zeugenaussage im Fall Block

An ihrem 53. Geburtstag führte Christina Blocks Weg erneut ins Landgericht Hamburg. Auf dem Flur bekam die Unternehmerin Blumen überreicht, danach begann der 48. Verhandlungstag in dem Prozess um die mutmaßliche Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24. Seit Juli 2025 verhandelt das Gericht gegen Block und sechs Mitangeklagte.

In der vergangenen Woche hatte ein 35-jähriger Zeuge aus Israel ausgesagt, der nach eigenen Angaben einer der Fahrer bei der Tat war. Er hatte sich mitten im laufenden Verfahren gemeldet und wie drei weitere Beschuldigte sicheres Geleit für seine Aussage erhalten. Am aktuellen Verhandlungstag konnten Verteidigung und Nebenklage zu seiner Befragung Stellung nehmen.

Blocks Anwalt Ingo Bott sagte vor Gericht, die Aussage enthalte zahlreiche Widersprüche. Nach seiner Darstellung hätten die Zeugen aus Israel inzwischen mehrere voneinander abweichende Versionen eines angeblichen Treffens zwischen Christina Block und den mutmaßlichen Entführern Ende 2023 geschildert. Die Verteidigung bestreitet weiterhin, dass es ein solches Treffen im Hotel Grand Elysée überhaupt gegeben habe.

Bott verwies zudem darauf, dass die Israelis nach seiner Darstellung nicht einmal beim Datum des angeblichen Treffens übereinstimmten. Besonders zweifelhaft sei aus Sicht der Verteidigung auch eine Passage, wonach Block bei einer kurzen Besprechung gesagt haben soll, auch die Großeltern wollten, dass die Kinder zurückkämen. Die Großmutter sei zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem halben Jahr tot gewesen, so Bott.

Außerdem hielt der Verteidiger es für unglaubwürdig, dass Block bei einem solchen Treffen nicht zahlreiche Nachfragen gestellt und die Alarmknöpfe erwähnt haben soll, die die Kinder getragen hätten. Auch bei einer Tüte, die seine Mandantin laut mehreren Zeugen aus Israel übergeben haben soll, gebe es abweichende Angaben zu Farbe und Inhalt.

Die Nebenklage bewertete die Unterschiede deutlich anders. Christoph Henckel, Anwalt von Blocks Ex-Mann Stephan Hensel, sagte, Abweichungen bei Erinnerungen nach so langer Zeit seien nicht ungewöhnlich. Das gelte auch für Details dazu, welche Gegenstände sich in der Tüte befunden haben sollen.

Henckel erklärte zugleich, die Aussage des Zeugen habe noch einmal verdeutlicht, welche „traumatische Erfahrung“ die Geschehnisse für den damals zehn Jahre alten Jungen und das 13-jährige Mädchen gewesen seien. Als „schlicht absurd“ bezeichnete er allerdings die Behauptung des 35-Jährigen, er habe angenommen, es habe sich um eine legale Aktion gehandelt.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Christina Block nach einem jahrelangen Sorgerechtskonflikt eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt haben, ihren Sohn und ihre jüngste Tochter in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Ex-Mannes in Dänemark nach Deutschland zu bringen. Die Aktion soll gewaltsam verlaufen sein. Block weist die Vorwürfe zurück.

Dem Verfahren geht ein erbitterter Streit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel voraus. Er soll die beiden Kinder nach einem Wochenendbesuch im Sommer 2021 nicht nach Hamburg zurückgebracht haben. Block hatte nach eigenen Angaben in der Zeit bis zur Tat fast keinen Kontakt mehr zu ihnen.

Die Anklage gegen die Unternehmerin lautet unter anderem auf gemeinschaftliche schwere Entziehung Minderjähriger in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Auch ihr Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling, ist angeklagt und muss sich wegen Beihilfe verantworten. Sechs Angeklagte bestreiten die Vorwürfe. Ein 36-jähriger Israeli in Untersuchungshaft hat eine Beteiligung eingeräumt, jedoch erklärt, ihm sei gesagt worden, es handle sich um etwas Gutes und Legales.

Christina Block hatte zu Prozessbeginn erklärt, die israelische Sicherheitsfirma habe sich eigentlich nur um Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörenden Hotel Grand Elysée kümmern sollen. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis noch vor Silvester wieder in ihre Heimat gereist seien. Erst am Neujahrsmorgen 2024 habe eine Mitarbeiterin der Firma sie angerufen und ihr mitgeteilt, sie solle zu einem Treffen mit ihren Kindern nach Süddeutschland fahren. Das sei für sie überraschend gewesen.

Ihr Verteidiger hat inzwischen angekündigt, dass sich seine Mandantin später noch ausführlicher zu den Aussagen der israelischen Zeugen äußern will.

Eigentlich sollte an dem Verhandlungstag erneut ein Kinderpsychologe gehört werden, der Christina Block häufig beraten hat. Weil der Sachverständige erkrankt ist, endete die Sitzung jedoch bereits nach rund eineinhalb Stunden. Die Verhandlung soll am Dienstag mit der Aussage eines Privatermittlers fortgesetzt werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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