Wirtschaft

Sprit-Schock: Tagesschnitt knackt 2 Euro

Tankrabatt verpufft? Sprit wird schon wieder teurer – und Benzin und Diesel sind längst nicht so billig wie versprochen.

04.05.2026, 09:47 Uhr

Viele Autofahrer zeigen sich vom Tankrabatt weiterhin enttäuscht. Nach dem deutlichen Preisrutsch direkt zum Start der Steuersenkung geht es an den Zapfsäulen inzwischen wieder nach oben. Zahlen von ADAC und Bundeskartellamt zeigen, dass Benzin und Diesel am Sonntag im bundesweiten Tagesdurchschnitt nur noch rund 10 bis 11 Cent günstiger waren als am 30. April – und damit deutlich weniger als die befristete Steuerentlastung von 16,7 Cent je Liter.

Preise zogen über das Wochenende wieder an

Nach ADAC-Angaben kostete ein Liter Super E10 am Sonntag im Tagesmittel 2,017 Euro. Das waren 2,8 Cent mehr als am Freitag. Diesel verteuerte sich im selben Zeitraum um 2,5 Cent auf 2,104 Euro je Liter.

Zum Vergleich: Am 30. April, dem letzten Tag vor Beginn des Tankrabatts, hatte E10 im Tagesdurchschnitt 2,126 Euro gekostet, Diesel 2,215 Euro. Am Freitag waren die Preise zunächst auf 1,989 Euro für E10 und 2,079 Euro für Diesel gesunken, ehe sie über das Wochenende wieder anzogen.

Damit lagen die Preise am Sonntag nur noch 10,9 Cent bei E10 und 11,1 Cent bei Diesel unter dem Niveau von Ende April.

ADAC und Verbraucherschützer sehen Rabatt nicht vollständig weitergegeben

Der ADAC kommt deshalb zu dem Schluss, dass die Energiesteuersenkung von knapp 17 Cent je Liter noch immer nicht vollständig bei den Verbrauchern angekommen ist. Zudem kritisiert der Verkehrsclub, dass die Mineralölkonzerne die Preise erneut erhöht hätten, ohne dass ein steigender Rohölpreis dies rechtfertige.

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht seine Befürchtungen bestätigt. Der Tankrabatt komme nicht vollständig bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an, stattdessen drohe erneut ein „Konzernrabatt“.

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte bei RTL/ntv, das könne man so nicht hinnehmen. Möglicherweise müsse bei den Maßnahmen nachgeschärft werden.

Aus dem Bundesfinanzministerium hieß es ebenfalls, es sei die klare Erwartung der Bundesregierung, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung weitergeben. Dies müsse nun genau beobachtet werden.

Wirtschaftsverband Fuels und Energie widerspricht der Kritik

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie bewertet die Entwicklung anders. Nach Darstellung des Verbands wird der Tankrabatt an Markentankstellen, gemessen an den Preisen vom 30. April, vollständig weitergegeben. Ohne die Steuersenkung lägen die Preise demnach um rund 17 Cent je Liter höher.

Zur Begründung verweist der Verband auf deutlich gestiegene Produktpreise für Benzin und Diesel am Weltmarkt seit vergangener Woche. Der Tankrabatt wirke deshalb sehr wohl und bewahre Kunden in der aktuellen Lage vor noch höheren Preisen.

Kartellamt meldet ähnliche Werte

Das Bundeskartellamt kommt in seiner Auswertung zu nahezu identischen Ergebnissen. Die Abweichungen zu den ADAC-Daten liegen laut Behörde lediglich im Zehntel-Cent-Bereich.

Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte, die Steuersenkung solle Verbraucher sowie die Wirtschaft in einer schwierigen Phase entlasten. Die Mineralölkonzerne seien allenfalls Treuhänder dieser Entlastung – sie sei nicht für sie bestimmt und müsse bei den Kunden ankommen.

Eine ausdrückliche Bewertung, ob das derzeit ausreichend geschieht, vermied Mundt allerdings. Stattdessen riet er Autofahrern, Preise besonders sorgfältig per App zu vergleichen. Der App-Vergleich sei momentan wichtiger denn je, weil die Preisverläufe zwischen Tankstellen und Marken stärker schwankten als sonst.

Vormittags zeitweise wieder unter zwei Euro

Trotz des insgesamt hohen Niveaus fiel Super E10 am Montagvormittag vorübergehend erneut unter die Marke von zwei Euro. Das Bundeskartellamt meldete um 10.14 Uhr einen bundesweiten Durchschnittspreis von 1,99 Euro je Liter. Laut ADAC sank der Wert bis kurz vor dem Preissprung am Mittag sogar auf 1,981 Euro, sprang danach aber schlagartig auf 2,099 Euro.

Bei Diesel lag der Durchschnitt um 11.45 Uhr bei 2,063 Euro, nach dem Mittagssprung bei 2,193 Euro pro Liter.

Hintergrund ist der typische Tagesverlauf seit der sogenannten 12-Uhr-Regel: Um die Mittagszeit kommt es meist zur einzigen zulässigen Preiserhöhung, oft um mehr als zehn Cent. Danach sinken die Preise im Laufe des Nachmittags und am folgenden Vormittag wieder deutlich.

Hinzu kommen teils erhebliche regionale Unterschiede. Selbst innerhalb größerer Städte können zwischen der günstigsten und der teuersten Tankstelle Preisabstände von deutlich mehr als zehn Cent pro Liter liegen.

Tankstellenverband verweist auf verzögerte Wirkung

Der Tankstellenverband bft weist die Kritik teilweise zurück. Schwankende Preise seien ein übliches Marktphänomen. Außerdem wirke der Rabatt zeitverzögert, weil die Steuersenkung nur für Kraftstoff gelte, der ab dem 1. Mai an die Tankstellen geliefert worden sei.

Eine sofortige und vollständige Weitergabe sei daher weder wirtschaftlich darstellbar noch regulatorisch vorgeschrieben, so der Verband.

Nach Darstellung des bft wurde am 1. Mai außergewöhnlich viel getankt. Die hohe Nachfrage habe stellenweise zu kurzfristigen Engpässen und leeren Tanks geführt, meist allerdings nur für wenige Stunden.

April war teuerster Tankmonat

Unterdessen hat sich bestätigt, dass der April der teuerste Tankmonat aller Zeiten war. Nach Berechnungen auf Basis von ADAC-Daten kostete ein Liter E10 im bundesweiten Monatsmittel 2,11 Euro, ein Liter Diesel 2,27 Euro. Inflationsbereinigt waren das allerdings keine Rekordwerte.

Die Entlastung durch den Tankrabatt bleibt für viele Autofahrer damit überschaubar. Bei vollständiger Weitergabe der 16,7 Cent ergäbe sich für einen typischen Dieselfahrer mit 17.000 Kilometern Jahresfahrleistung und 7 Litern Verbrauch pro 100 Kilometer in den zwei Monaten ein rechnerischer Vorteil von rund 33 Euro. Für einen typischen Benziner mit 9.500 Kilometern im Jahr und 8 Litern Verbrauch wären es etwa 21 Euro.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen