Bayern

Nach dem Feuer: So wächst am Saurüsselkopf neuer Wald

Monatelang brannte der Bergwald, 80 Hektar Schutzwald sind zerstört. Die große Frage: Wie schnell kann die Natur sich erholen?

03.11.2026, 15:06 Uhr

Nach Waldbrand am Saurüsselkopf: Wiederaufforstung mit Drohne und Handarbeit

Am Saurüsselkopf hängen am Morgen noch Nebelfetzen über dem Hang. Die Folgen des schweren Waldbrands vom Mai sind dort dennoch weiterhin deutlich zu sehen. Sebastian Rössert, Leiter der Fachstelle Schutzwaldmanagement in Marquartstein, beschreibt vor Ort abgestorbene Bäume, verkohlte Stämme, verbrannte Wurzelstöcke und dunkle Brandflecken zwischen dem inzwischen wieder nachgewachsenen Gras.

Nach Angaben des bayerischen Forstministeriums wurden bei dem Feuer rund 80 Hektar Schutzwald zerstört. Solche Wälder übernehmen im Alpenraum eine wichtige Schutzfunktion: Sie bewahren Siedlungen und Infrastruktur etwa vor Steinschlag, Muren und Lawinen. Zudem sind sie für den Trinkwasserschutz und als natürlicher Wasserspeicher von großer Bedeutung.

Neues Sanierungsgebiet mit höchster Priorität

Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) sagte bei einem Besuch am Berg nahe Ruhpolding im Landkreis Traunstein, der Freistaat habe den Saurüsselkopf als neues Sanierungsgebiet mit oberster Priorität eingestuft. Ziel sei es, die Schutzwirkung des Waldes möglichst schnell wiederherzustellen.

Kaniber betonte, man trage Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Der Wald solle so aufgebaut werden, dass er Menschen künftig wieder ebenso schützen könne wie bisher. Dafür setzt die Forstverwaltung auch auf moderne Technik: Mehrere Tage lang kommt eine Schwerlastdrohne zum Einsatz, um Saatgut auf einer Fläche von rund 40 Hektar auszubringen.

Wiederbewaldung mit Drohnentechnik
Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) möchte die Schutzfunktionen des Waldes so schnell wie möglich wiederherstellen. Quelle: Sven Hoppe/dpa

126 Kilogramm Saatgut aus der Luft

Insgesamt sollen 126 Kilogramm Samen vor allem in steilen und schwer erreichbaren Bereichen verteilt werden. Nach Einschätzung der Ministerin ist die Aussaat per Drohne ein wichtiger Schritt, um den wertvollen Humusboden an den Hängen zu erhalten. Wird dieser bei Starkregen weggeschwemmt, bleibt oft nur Fels zurück – dort kann später kein Wald mehr nachwachsen.

Ausgebracht werden unter anderem krautige Pflanzen wie Waldweidenröschen sowie sogenannte Pionierbaumarten, darunter Birke, Lärche und Vogelbeere. Zunächst erstellt eine Vermessungsdrohne ein 3D-Modell des Geländes. Auf dieser Grundlage werden Flugrouten, Flughöhen und die genauen Aussaatbereiche festgelegt. Die Samen werden dann in Form grauer Pellets aus der Luft verteilt.

Ergänzend dazu sollen in den zugänglichen Zonen am Saurüsselkopf rund 12.000 junge Bäume von Hand gepflanzt werden.

Wiederbewaldung kostet rund 300.000 Euro

Mit diesen Maßnahmen soll die Basis für einen langfristig stabilen Bergwald geschaffen werden. Allerdings braucht die Natur Zeit: Selbst unter günstigen Bedingungen könne es 30 bis 50 Jahre dauern, bis sich dort wieder ein belastbarer Schutzwald entwickelt, sagte Rössert. Möglicherweise nehme dieser Prozess sogar noch mehr Zeit in Anspruch.

Dass nun im Herbst gepflanzt wird, hat praktische Gründe. Bei Sommerhitze und trockenem Boden hätten frisch gesetzte Bäume kaum Überlebenschancen. Im Herbst können die Pflanzen noch anwachsen und im Frühjahr direkt weiterwachsen.

Die Wiederaufforstung kostet laut Forstministerium knapp 300.000 Euro. In dieser Summe enthalten sind auch Mittel für ein Forschungsprojekt, das den Erfolg der Maßnahmen wissenschaftlich begleiten soll.

Einer der größten Waldbrände in Bayern

Das Feuer war Anfang Mai an dem knapp 1.300 Meter hohen Berg ausgebrochen, nachdem zuvor extreme Trockenheit geherrscht hatte. Hunderte Einsatzkräfte waren im Kampf gegen die Flammen im Einsatz, auch mehrere Hubschrauber unterstützten die Löscharbeiten aus der Luft. Besonders schwierig war der Brand, weil er in unwegsamem Gelände tobte.

Insgesamt brannten rund 160 Hektar Fläche. Erst einen Monat nach Ausbruch des Feuers wurde der Feuerwehreinsatz offiziell beendet. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums handelte es sich um einen der schwersten und größten Waldbrände in Bayern.

Klimawandel erhöht die Waldbrandgefahr

Auch im Jahr 2026 beschäftigten weitere Waldbrände die Einsatzkräfte im Freistaat. Mit steigenden Temperaturen sowie längeren Hitze- und Trockenphasen infolge des Klimawandels wächst auch in Deutschland das Risiko von Waldbränden. Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald beginnt die Waldbrandsaison hierzulande in der Regel bereits im März.

Vor diesem Hintergrund werden Forderungen nach besserem Waldbrandschutz lauter. Auf Initiative von Traunsteins Landrat Andreas Danzer (Freie Wähler) haben Vertreter mehrerer Alpenlandkreise gemeinsam mit Fachleuten einen Sechs-Punkte-Plan für eine effektivere Waldbrandbekämpfung in Bayern erarbeitet.

Gefordert werden unter anderem eine verlässliche Löschwasserversorgung, starke Unterstützung aus der Luft, eine bessere Ausrüstung für Feuerwehrkräfte sowie mehr praktische Ausbildung für entsprechende Einsatzlagen. Danzer warnte, die Waldbrände dieses Jahres hätten gezeigt, dass sich der Alpenraum stärker auf solche Szenarien einstellen müsse.

Forstministerin Kaniber sieht in klimaresilienten Wäldern die beste Vorsorge gegen künftige Brände. Der Umbau der Wälder werde vom Freistaat mit rund 80 Millionen Euro pro Jahr unterstützt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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