Politik

Vorwürfe gegen Palmer: Jetzt ruht sein Berater-Amt

Unbestätigte Vorwürfe um sein Privatleben: Boris Palmer zieht überraschend Konsequenzen – was steckt wirklich dahinter?

03.11.2026, 15:27 Uhr

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer lässt seine Tätigkeit als Bürokratie-Berater der baden-württembergischen Landesregierung vorerst ruhen. Hintergrund sind nun konkret benannte Vorwürfe sexualisierter Belästigung, die bislang nicht bestätigt sind. Das teilte der 54-Jährige in einer Stellungnahme mit. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung berichtet.

Palmer weist die Anschuldigungen entschieden zurück. „Die Vorwürfe sind haltlos“, erklärte er. Er werde sich dagegen zur Wehr setzen und lasse rechtliche Schritte prüfen. In seiner Stellungnahme schreibt Palmer zudem, der Vorwurf betreffe sein Privatleben; weitere Details nannte er nicht.

Er werde sein Ehrenamt für Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung ruhen lassen, bis die Vorwürfe aufgeklärt seien. Aus dem Staatsministerium hieß es, Ministerpräsident Cem Özdemir habe Palmer gebeten, das Amt vorerst ruhen zu lassen.

Auf Instagram wurden die Vorwürfe auf einem Account erhoben, der einer früheren Abgeordneten des Tübinger Gemeinderats zugeschrieben wird. Die Deutsche Presse-Agentur konnte nach eigenen Angaben zunächst keinen Kontakt zu der Frau herstellen.

In Teilen der Partei ein rotes Tuch

Palmer war zu Beginn seiner politischen Laufbahn Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen. Zeitweise galt er als möglicher Nachfolger des früheren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, bevor er 2023 nach mehreren Skandalen die Grünen verließ. Vor allem im linken Parteiflügel gilt er vielen als rotes Tuch.

Der parteilose Oberbürgermeister ist zugleich dafür bekannt, sich auch zu heiklen und sensiblen Themen klar zu äußern. Das machte ihn zu einem der populärsten Politiker im Land und zu einem häufigen Gast in Talkshows.

Zuletzt hatte Palmer offen gezeigt, dass er sich eine Rückkehr zu den Grünen vorstellen kann. Auch führende Köpfe der Partei hatten immer wieder Signale der Annäherung gesendet. Özdemir hatte bereits vor längerer Zeit erklärt, er würde sich wünschen, dass Palmer einen Weg zurück zu den Grünen findet. Kretschmann sagte dazu: „Es wäre schön, wenn er wieder zurückkehrt.“

Ehrenamtlicher Berater gegen den Regel-Dschungel

Özdemir und Palmer gelten nicht nur politisch als eng verbunden, sondern kennen sich auch privat seit vielen Jahren. Der Ministerpräsident hatte Palmer jüngst anlässlich dessen Hochzeit als Freund der Familie bezeichnet.

Nach der Landtagswahl wurde Palmer für zwei Jahre als ehrenamtlicher Berater beauftragt, um den Bürokratieabbau in Baden-Württemberg voranzubringen. Für diese Aufgabe wird er nicht bezahlt; sie kommt zusätzlich zu seinem Amt im Tübinger Rathaus hinzu.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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