Die Deutsche Telekom rückt von ihrer langjährigen Forderung ab, große US-Internetkonzerne wie Google oder Netflix direkt an den Kosten für den Netzausbau zu beteiligen. Telekom-Chef Tim Höttges sagte in Bonn, er wolle mit den Technologiekonzernen lieber zu einem guten Verhältnis kommen. Zwar sehe die EU grundsätzlich Handlungsbedarf, konkrete Regeln oder politische Unterstützung gebe es aber nicht. Statt sich weiter in politischen Auseinandersetzungen aufzureiben, setze er nun auf Kooperationen mit den großen Plattformen.
In den vergangenen Jahren hatten Höttges und andere Spitzenmanager europäischer Telekomunternehmen immer wieder verlangt, dass die US-Konzerne einen sogenannten "Fair Share" leisten. Aus Sicht der Netzbetreiber nutzen deren Dienste die europäische Infrastruktur intensiv, ohne sich an den entstehenden Kosten zu beteiligen. Die Tech-Unternehmen hielten dagegen, dass ihre Angebote die Nachfrage nach schnellem Internet überhaupt erst ankurbeln und damit auch den Telekomfirmen zugutekommen.
Kritik an fehlender politischer Rückendeckung
Zwar stießen die Forderungen der Netzbetreiber in Deutschland und auf EU-Ebene auf Verständnis, doch weder Brüssel noch Berlin wollten deshalb einen Konflikt mit den USA riskieren. Für Höttges ist damit klar geworden, dass sich die Forderung nach einer verpflichtenden Kostenbeteiligung politisch kaum durchsetzen lässt.
Die Debatte um den Fair Share habe die Deutsche Telekom im Grunde beendet, sagte der Konzernchef. Es gebe in dieser Frage weder Fortschritte noch ausreichende politische Unterstützung. Deshalb suche er nun gezielt den Austausch mit den großen Internetfirmen in den USA, um beim Datenverkehr zu partnerschaftlichen Lösungen zu kommen. Wie zusätzliche Belastungen ausgeglichen werden könnten, müsse dann auf anderem Weg geklärt werden.

Zuletzt hatte die Deutsche Telekom in einem langen Rechtsstreit einen Erfolg gegen den Facebook-Mutterkonzern Meta erzielt. Im Februar entschied ein Gericht, dass Meta für den Datentransport in einem bestimmten Zeitraum rund 30 Millionen Euro zahlen muss. Höttges betonte, man rechne nun mit dieser Zahlung. Zugleich machte er deutlich, dass er den Konflikt mit den großen US-Konzernen künftig lieber befrieden möchte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion